Ein Tier, viele Redewendungen
Vom "Glücksschwein" bis zur "Sauklaue"
Das Schwein ist etwas ganz Besonderes: Wie kein anderes Tier hat es Wörter unserer Sprache geprägt:
Schwein gehabt?!
Schwein gehabt! Das hatten die Menschen im Mittelalter tatsächlich. Bei einem Schützenfest bekamen die Verlierer als Trostpreis nämlich ein lebendes Ferkel geschenkt. Sie hatten also trotzdem Glück - oder eben Schwein gehabt!
Saugut, saustark, saukalt, sauwohl: Weil das Schwein eben ein Glücksschwein ist, macht die Vorsilbe „sau-“ ein Wort noch viel stärker. Manchmal ist es eben nicht nur gut, sondern saugut.
Ich glaub, mein Schwein pfeift! Können Schweine pfeifen? Natürlich nicht! Wer glaubt, dass etwas ganz Außergewöhnliches passiert ist, lässt das Schwein daher einfach mal pfeifen...
Im Schweinsgalopp
Im Schweinsgalopp. Wer eine Arbeit schnell, aber nicht besonders sorgfältig erledigt, hat sie im Schweinsgalopp gemacht. Schweine können ziemlich schnell rennen, sehen dabei aber etwas ungeschickt aus.
Innerer Schweinehund: Diesen Hund gab es früher wirklich! Er jagte Wildschweine und war dabei sehr ausdauernd. Der innere Schweinehund ist genauso hartnäckig, wenn wir uns vor unangenehmen Aufgaben drücken - vor Geschirrspülen oder Hausaufgaben...
Die Sau rauslassen. Wer die Sau raus lässt, feiert eine tolle Party. Wie die Redewendung entstanden ist, ist nicht bekannt. Möglicherweise geht sie auf ein mittelalterliches Kartenspiel zurück, bei der es eine „Saukarte“ auszuspielen gab.
Ist das Schwein dumm?
Dummes Schwein. Es gibt viele Schimpfwörter, die sich auf das Schwein beziehen. So gilt es als dumm, dreckig oder alt. Völlig unbegründet. Schweine sind nachweislich reinliche Tiere. Sie suhlen sich im Schlamm, um sich von Ungeziefer zu befreien. Und dumm sind sie schon gar nicht.
Sauklaue: Eine schlechte Handschrift wird seit dem Mittelalter „Klaue“ genannt. Eine „Sauklaue“ hat jemand, der besonders schlampig schreibt.
Schweinefraß: Schweine fressen so ziemlich alles und achten dabei nicht gerade auf feine Umgangsformen. „Schweinefraß“ ist deshalb ein unhöflicher Ausdruck für schlechtes Essen, das einfach auf den Teller geklatscht wird.
Autorin: Ursi Zeilinger und Christiane Renye
Letzte Änderung am 08. September 2011