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Eine Indianersprache wird Geheimsprache

 
Nichts, aber auch gar nichts verstanden die japanischen Code-Spezialisten, die im Zweiten Weltkrieg den Funkverkehr der feindlichen US-Marine abhörten.
 
Schwarzweißfoto: Eine Gruppe von Männern, einer davon mit Kopfhörer und Mikrofon (Bild: picture-alliance/akg-images)
Großansicht: Funker auf einem SchiffFunker auf einem Schiff
Das Geheimnis des unknackbaren Codes: Es war eigentlich kein Code. Es war die Sprache der Navajo-Indianer. Namen von Personen, Orten oder Schiffen und militärische Fachbegriffe wurden noch einmal zusätzlich verschlüsselt. Diese Bedeutungen lernten die Navajo-Funker auswendig.
Ein Indianer mit erhobener Hand (Bild: dpa picture-alliance)
Großansicht: Chester Nez, ein Codesprecher, 2004Chester Nez, ein Codesprecher, 2004
Dann konnte ruhig jeder zuhören, wenn Navajo-Funker geheime Informationen austauschten: Niemand verstand sie. Die erhaltenen Botschaften übersetzten die Navajo dann für ihre Kameraden blitzschnell ins Englische.
Sicher und schnell
Sie schafften es, Nachrichten schneller und vor allem sicherer zu übermitteln als jedes komplizierte Codesystem.
Über 400 Indianer dienten bis zum Kriegsende als Funker in der US-Marine. Sie beherrschten Englisch und ihre Muttersprache Navajo gleich gut. Das war nicht selbstverständlich, denn in der Schule durften die Kinder nur englisch sprechen.
Indianersprachen waren verboten. Die wenigsten Weißen interessierten sich für das Wissen und die Kultur der ersten Bewohner Amerikas.
Navajo Code-Sprecher werden geehrt (Bild: dpa Picture-Alliance)
Großansicht: 2010: Navajo Code-Sprecher werden geehrt2010: Navajo Code-Sprecher werden geehrt
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es höchstens ein paar Dutzend Weiße, die die Navajo-Sprache sprachen. Einer von ihnen war der Sohn eines Missionars, der im Reservat aufgewachsen war. Er hatte die Idee, diese noch nicht erforschte, komplizierte Sprache als Code einzusetzen.
Viele Navajo-Funker hofften, mit ihrem Kriegsdienst zur Anerkennung der indianischen Bevölkerung als gleichberechtigte amerikanische Bürger mit einer eigenen Kultur beizutragen.
Zitat von John Brown Junior, einer der Navajo-Funker: "Wir Indianer sind von der US-Regierung immer schlecht behandelt worden. Wie viele Verträge haben sie gebrochen! Und sie verboten uns sogar, unsere Sprache zu sprechen. Bis sie uns eines Tages plötzlich brauchten - mit unserer Sprache."
Der Navajo-Code blieb auch nach dem Krieg lange geheim. Die US-Regierung gibt dies als Grund an, warum die indianischen Soldaten Jahrzehnte lang nicht gewürdigt wurden. Erst 1982 ehrte Präsident Reagan noch lebende Funker und erklärte den 14. August zum "Nationalen Navajo Codesprecher Tag".
 
Autorin: Aurelia Amann
 
Letzte Änderung am 07. März 2016
 
 
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