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Jüdin/Jude sein

 

Jom Kippur

Ein Beitrag von Conny Stenull
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Jom Kippur ist der wichtigste Feiertag in der jüdischen Religion.
 
Junge trägt Thorarolle. (Bild: dpa)
Großansicht: Ein Junge trägt zu Bar Mizwa die Thora.Ein Junge trägt zu Bar Mizwa die Thora.
Jüdin oder Jude ist jedes Kind, das eine jüdische Mutter hat, egal, ob die Mutter gläubig ist oder nicht. Manche Glaubensrichtungen erkennen als Juden auch an, wer einen jüdischen Vater und eine andersgläubige Mutter hat.
Am achten Tag nach der Geburt bekommen die Kinder ihren Namen. Viele Eltern lassen ihre Jungen beschneiden, das heißt die Vorhaut des Penis wird entfernt. Wie im Islam ist dies das äußere Zeichen für den Bund mit Gott.
Ob das Kind später gläubig wird und nach den Geboten lebt, spielt keine Rolle: nach dem Verständnis des Judentums ist es allein durch seine Abstammung sein Leben lang Jude oder Jüdin.
So kann man verstehen, warum Juden von einem "jüdischen Volk" sprechen, das von Gott auserwählt wurde und ihm gegenüber besondere Pflichten hat.
Jungen werden mit 13 Jahren Bar Mizwa, "Sohn der Pflicht", das wird mit einem Fest gefeiert. Mädchen werden mit 12 Jahren Bat Mizwa, "Tochter der Pflicht". Ein Fest gibt es für die Mädchen nur in manchen Gemeinden. Bar Mizwa und Bat Mizwa sind religionsmündig, das heißt, sie werden als erwachsene Mitglieder der Gemeinde angesehen.
Zur jüdischen Religion kann sich auch jemand bekennen, der keine jüdischen Eltern hat. Er oder sie muss an den Gott Abrahams glauben und die Gebote der Thora beachten.
Gebet
Gebetsriemen am Unterarm. (Bild: dpa)
Großansicht: Anlegen der GebetsriemenAnlegen der Gebetsriemen
Für einen frommen Juden beginnt der Tag mit dem Morgengebet. Um sich ganz auf das Gebet zu konzentrieren, legt er einen Gebetsschal um und schlingt sich schmale Riemen um Kopf und Arm. Wichtig ist auch ein kleines Käppchen, die Kippa. Den Kopf zu bedecken ist ein Zeichen des Respektes vor Gott. Genau umgekehrt sehen es die Christen: wer sich im Gebet an Gott wendet, soll die Kopfbedeckung abnehmen.
Zum feierlichen Gebet versammmelt sich die jüdische Gemeinde in der Synagoge. Mindestens zehn erwachsene Männer müssen da sein, damit ein Gottesdienst stattfinden kann. Ein Vorbeter liest auf hebräisch aus der Thora vor. Jede jüdische Gemeinde besitzt eine handgeschriebene Thorarolle, die sehr sorgfältig behandelt wird.
Frauen im Judentum
In der Thora steht, dass Frauen sich den Männern unterordnen sollen. Moderne jüdische Glaubensgemeinschaften meinen aber, dass die Gebote angepasst werden müssen an die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Frauen sollen gleichberechtigt mit Männern sein, auch im religiösen Leben. Sie dürfen also aus der Thora lesen, gemeinsam mit den Männern beten und es gibt seit einigen Jahrzehnten, vor allem in den USA, auch Rabbinerinnen. Rabbiner sind die Lehrer und Prediger der Gemeinden, sie schlichten auch Streitfälle.
Streng orthodoxe jüdische Männer dagegen danken Gott im Morgengebet dafür, dass sie nicht als Frauen zur Welt gekommen sind. Ihre Frauen sollen sich um die Einhaltung der Gebote im Haus und um die Erziehung der Kinder kümmern. In der Synagoge beten sie getrennt von den Männern und sie dürfen nicht aus der Thora vorlesen. Eine verheiratete Frau verbirgt ihr Haar in der Öffentlichkeit unter einer Perücke oder einem Kopftuch.

Wichtige Feste
Rosch ha-Schanah
Im Herbst feiern die Juden Rosch ha-Schanah, das Neujahrfest. An Neujahr richtet Gott über die Menschen - ob sie Gutes oder Schlechtes getan haben. Zehn Tage haben die Gläubigen dann Zeit, Buße zu tun, zu bereuen und um Vergebung zu bitten. Am Ende dieser Bußzeit hoffen sie dann auf Versöhnung und ein gutes Jahr. Ein Brauch ist es, an Neujahr ein Stückchen Apfel in Honig zu tauchen und zu sprechen: "Möge dieses Jahr so süß sein wie der in Honig getauchte Apfel."
Jom Kippur
Am zehnten Tag nach dem Neujahrfest feiern die Juden das Versöhnungsfest, den höchsten jüdischen Feiertag. An diesem Tag vergibt Gott den Gläubigen ihre Sünden Gott gegenüber. Die Erwachsenen fasten an diesem Tag und gehen zum Gebet in die Synagoge.
Chanukka
Ende November Anfang Dezember beginnt Chanukka, das Lichterfest. Die Juden erinnern damit an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels, "Chanukka" bedeutet übersetzt auch "Weihung". Das Fest dauert acht Tage. Jeden Abend werden von links nach rechts die Kerzen eines neunarmigen Leuchters angezündet. Die Kinder bekommen Geschenke und Süßigkeiten.
Purim
Kinder mit Verkleidung. (Bild: dpa)
Großansicht: Purimfest in KölnPurimfest in Köln
Dieses Fest erinnert daran, wie Esther die persischen Juden vor den Vernichtungsplänen ihres mächtigen Feindes Haman rettete. Esther berichtete dem König von Hamans Plänen und erhielt seine Hilfe.
Purim ist ein fröhliches Fest, an dem sich die Kinder verkleiden. Wenn in der Synagoge bei der Lesung aus der Thora der Name Hamans erwähnt wird, dürfen sie sogar mit Rasseln Krach schlagen.
 
Autorin: Aurelia Amann
 
Letzte Änderung am 26. September 2012
 
Eine Übersicht über alle erklärten Begriffe findest du im ABC.
 
 
Davidstern aus Stein an einer Mauer (Bild: dpa)

"Schalom" heißt Frieden

Ein friedliches Leben wurde Juden jedoch oft schwer gemacht.
Thorarolle auf Tuch mit Davidstern. (Bild: dpa)

Der Bund mit Gott

Die wichtigste Heilige Schrift für die jüdischen Gläubigen ist die Thora.
Karte der Weltreligionen (Bild: Diercke)

Weltkarte der Religionen

So verteilen sich die fünf Weltreligionen über die Welt.