Volkszählung
Viel mehr als nur ein Zahlenwerk
Kaiser Augustus
Was haben Weihnachten und Volkszählung miteinander zu tun? Ganz einfach: Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel beginnt mit einer Volkszählung.
Danach hatte Kaiser Augustus angeordnet, dass sich "ein jeder in seiner Stadt" zählen lasse.
Deshalb reisten Maria und Josef nach Bethlehem. Dort wurde Jesus geboren. Volkszählungen haben also eine lange Tradition.
In der Bundesrepublik gibt es am 13. September 1950 die erste Volkszählung. Mehr als 47 Millionen Deutsche werden gezählt. 1987 sind es schon mehr als 61 Millionen.
Volkszählungs-Fragebogen 1987
Vor der Volkszählung 1987 gab es vier Jahre großen Wirbel. Das Bundesverfassungsgericht muss eingreifen, Gesetze werden geändert, es gibt Demonstrationen - alles aus einem Grund: Es geht gar nicht nur darum, das Volk zu zählen.
Vielmehr sollen die Bürgerinnen und Bürger in den Fragebögen konkrete Auskunft zu ihrer Arbeit, zu Wohn- und Lebensverhältnissen geben.
Demonstration gegen die Zählung im Mai 1987
Der Staat argumentiert, er brauche die Daten, um für die Zukunft planen zu können, zum Beispiel, wie viele Wohnungen gebraucht würden. Die Kritiker meinen, die Volkszählung greife in Grundrechte ein und gefährde den Datenschutz. Sie rufen unter dem Motto "Unsere Daten müsst ihr raten" zum Volkszählungsboykott auf.
Obwohl das Gesetz dazu verpflichtet, die Fragen zu beantworten, folgen viele Bürger dem Aufruf. Sie gehen dafür sogar auf die Straße, schmeißen die Fragebögen weg oder fälschen ihre Daten.
Damals hatten große Teile der Bevölkerung Angst, aus Deutschland könne ein Überwachungsstaat werden. Heute gibt es Videokameras in Parkhäusern, Punktekarten beim Einkaufen und im Internet hinterlassen die Menschen ihre persönliche Daten-Spur - und vielen fällt es gar nicht mehr auf.
Autorin: Constance Schirra
Letzte Änderung am 13. September 2012