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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Aal

Alltag
Ein Aal schaut aus seinem Versteck hervor (Bild: SWR)
Flussaale sind nachtaktive Tiere. Am Tag verstecken sie sich in Höhlen oder zwischen Steinen. Vom Europäischen Flussaal gibt es zwei Varianten: Die Spitzmaulaale, die vor allem winzige Krebse fressen, und die Breitmaulaale, die sich überwiegend von Fischen ernähren. Beide kommen aber gemeinsam vor.
Brustflosse und Kiemenöffnung eines Aals (Bild: SWR)
Aale sind sehr robuste Tiere. Sie können für längere Zeit an Land überleben und sogar über Land von einem Gewässer zum anderen kriechen.

Das liegt daran, dass sie nur kleine Kiemenöffnungen haben und diese verschließen können. Außerdem können sie über die Haut Sauerstoff aufnehmen.
Schlangenförmiger Körper eines Aals (Bild: SWR)
Wenn es Winter wird, ziehen sie in die tieferen Wasserschichten der Flüsse und vergraben sich im schlammigen Grund. So überdauern sie den Winter.

Europäische Flussaale sind so genannte katadrome Wanderfische: Sie wandern zur Fortpflanzung von Flüssen und Seen in das Meer.

Umgekehrt ist es bei den so genannten andadromen Wanderfischen wie dem Lachs: Sie wandern zur Fortpflanzung vom Meer in die Flüsse.
Freunde und Feinde
Aale - vor allem Jungtiere - können vor allem anderen Raubfischen zum Opfer fallen.
Nachwuchs
Zwischen März und Mai schlüpfen in der Sargassosee die fünf bis sieben Millimeter großen Larven. Sie sind bandförmig und durchsichtig. Man nennt sie "Weidenblattlarven" oder Leptocephalus, was soviel wie "Schmalkopf" bedeutet. Lange hielt man sie für eine eigene Fischart, weil sie den erwachsenen Aalen so gar nicht ähnlich sehen.
Die winzigen Larven leben in der oberen Wasserschicht und treiben im Atlantik mit dem Golfstrom Richtung Osten.

Nach einem bis drei Jahren erreichen sie schließlich das flache, küstennahe Meer vor dem europäischen Kontinent und vor Nordafrika.

Hier verwandeln sich die Larven in so genannte Glasaale, die etwa 65 Millimeter lang und ebenfalls durchsichtig sind. Sie leben einige Zeit im Brackwasser, zum Beispiel in Flussmündungen, in denen sich Süß- und Salzwasser mischen.
Im Laufe des Sommers werden die Glasaale immer dunkler und wachsen kräftig. Einige von ihnen bleiben im Brackwasser, andere wandern die Flüsse hinauf.
Je nach Futterangebot und Temperatur wachsen die Aale unterschiedlich schnell: An der Nordseeküste sind die Tiere im ersten Herbst, nachdem sie die Küste erreicht haben, etwa acht Zentimeter lang, ein Jahr später bis zu 20 Zentimeter. Man nennt sie jetzt Gelbaale, weil ihr Bauch gelblich und der Rücken graubraun gefärbt sind.
Nach einigen Jahren beginnen die Aale, sich zu verwandeln. Dies setzt bei den Männchen im Alter von sechs bis neun Jahren ein, bei den Weibchen im Alter von zehn bis 15 Jahren. Der Kopf der Aale wird dann spitzer, die Augen größer, der Körper fest und muskulös. Der Rücken wird dunkler und der Bauch silbrig.
Nach und nach bildet sich das Verdauungssystem zurück und die Aale fressen nicht mehr. Diese Umwandlung dauert etwa vier Wochen und sie werden nun Blankaale oder Silberaale genannt - wegen ihrer silbrigen Bauchfärbung.
Die Silberaale wandern nun in der Zeit von August bis November aus den Flüssen Richtung Meer und schwimmen zurück zum Ort ihrer Geburt: in die Sargassosee. Wie sie den Weg dorthin finden, weiß man nicht genau. Forscher vermuten, dass sie sich auf ihrer langen Wanderung am Magnetfeld der Erde orientieren.
Sie legen pro Tag etwa 30 Kilometer zurück und brauchen für die Wanderung fünf bis sieben Monate. Während dieser Reise zehren sie von den Fett- und Eiweißreserven in ihrem Körper. Schließlich entwickeln sich auf ihre Geschlechtsorgane. Dazu brauchen die Tiere eine Wassertemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius - das ist genau die Temperatur, die die Sargassosee hat.

Im Frühjahr nachdem sie dort angekommen sind, laichen sie schließlich, die Larven schlüpfen und der Entwicklungszyklus beginnt von neuem. Wie die Aallarven über den Atlantik zurück nach Europa finden, weiß man nicht. Das Leben der erwachsenen Aale geht nach dem Laichen jedoch zu Ende: die Tiere sterben.
Autorin: Barbara Kiesewetter