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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Ameise

Alltag
Ameisenhaufen aus Erde (Bild: SWR)
Eine Ameise allein gibt es nicht - sie leben immer in Gruppen, bilden große Staaten und bauen mächtige, manchmal sogar über einen Meter hohe Ameisenhaufen, in denen sie leben.
Ein solches Ameisennest besteht aus unterirdischen Kammern und Gängen. Die ausgehobene Erde wird darüber angehäuft.
In kühlen Gegenden - wie bei uns - häufen die Ameisen außerdem Reisig und Tannen- oder Fichtennadeln darüber an, damit das Nest und der Nachwuchs vor Kälte geschützt ist.

mit Reisig bedeckter Ameisenhaufen (Bild: SWR)
Manche Ameisenarten nagen aber auch Gänge in Baumstämme und legen dort ihre Nester an.
Ein Ameisenvolk, das in einem Staat zusammenlebt, kann aus bis zu einer Million Tiere bestehen; bei manchen Arten lebt aber auch nur etwa ein Dutzend Tiere miteinander.

Bei der Großen Roten Waldameise leben 300.000 bis 600.000 Tiere in einem Volk.

Außendienst-Ameisen auf Nahrungssuche (Bild: SWR)
Typisch für ein solches Ameisenvolk ist die Arbeitsteilung: Die meisten Tiere sind so genannte Arbeiterinnen. Diese unfruchtbaren Weibchen ohne Flügel sind für alle Arbeiten im Bau zuständig, nur nicht für die Fortpflanzung.
Unter ihnen gibt es wiederum spezielle Gruppen, auch Kasten genannt, die für bestimmte Aufgaben zuständig sind.
Soldatinnen verteidigen das Nest, Außendienst-Ameisen bringen Futter, Ammen-Ameisen kümmern sich um den Nachwuchs.

Ameisen beim Tragen eines Steinchens (Bild: SWR)
Diese Arbeiterinnen können in ihrem Magen die Nahrung speichern und später entweder an andere Ameisen verfüttern oder selbst verwerten.
Außerdem tragen sie die Puppen an die wärmsten Plätze im Bau, damit sie sich gut entwickeln können.

Beim Bau des Nestes und beim Transport der Nahrung zeigt es sich, dass Ameisen sehr kräftig sind: Sie können bis zum 30fachen ihres Körpergewichts tragen.

In jedem Staat leben eine oder mehrere Ameisen-Königinnen. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Eier zu legen und so für Nachwuchs zu sorgen.

Ameisen können sich auch außerhalb ihres Nestes sehr gut orientieren, auch wenn sie sich bei der Nahrungssuche weit davon entfernen. Sie können erstaunlich gut sehen, vor allem aber sehr gut riechen. Und sie können die Schwerkraft sehr gut wahrnehmen und sich genau merken, wie steil ein Weg ist. Obendrein richten sie sich - ähnlich wie die Bienen - nach dem Stand der Sonne.
mehrere Ameisen auf einer Blume (Bild: SWR)
Am wichtigsten aber ist die Orientierung mit Duftmarken: Auf ihren Wegen geben die Ameisen aus besonderen Drüsen Duftstoffe auf den Boden und Gegenstände am Wegesrand ab. So entstehen richtige "Duftstraßen", auf denen die Ameisen mühelos wieder zum Nest zurückfinden.

Diese Duft-Spur wird nicht nur von der Ameise, die sie angelegt hat erkannt, sondern auch von ihren Kolleginnen. So kann die Spur den Arbeiterinnen beispielsweise den Weg zu einer besonders ergiebigen Futterquelle weisen.

Andere Duftstoffe verwenden die Ameisen zur Warnung: Hat eine Ameise eine Gefahr entdeckt, gibt sie einen Alarmduftstoff ab, der alle anderen warnt.

Unsere einheimischen Ameisen sind für den Menschen völlig harmlos. Sie können nur lästig werden, wenn sie in Wohnungen eindringen.
Freunde und Feinde
Ameisenlöwe (Bild: SWR)
Ameisen haben viele Feinde: Vögel wie Spechte, aber auch Säugetiere wie der Dachs ernähren sich von ihnen. Und auch andere Insekten wie etwa der Ameisenlöwe machen Jagd auf sie: Er baut im sandigen Boden einen Trichter, in dem er die Ameisen fängt.

Dass sich Ameisen aber auch zur Wehr setzen können, kann jeder spüren, der schon mal auf der Wiese oder im Wald sitzend von Ameisen gebissen worden ist: Sie bilden in speziellen Drüsen die Ameisensäure, die auf unserer Haut heftig brennt.
Jagd
Ameisen machen Jagd auf Beutetiere, indem sie sie beißen und das tödliche Gift, die Ameisensäure, in die Beute spritzen.
Nachwuchs
Bei den Ameisen sorgt nur eine für den Nachwuchs: nämlich die Königin. Solange sie jung ist, besitzt sie Flügel. Um sich mit den ebenfalls geflügelten Männchen zu paaren, fliegt sie zum Hochzeitsflug aus und wird begattet. Kurz nach der Paarung sterben die Männchen. Die befruchtete Königin bildet einen neuen Staat - meist zusammen mit ein paar Arbeiterinnen aus dem alten Volk.
Die Königin wirft ihre Flügel ab, gräbt sich im Boden ein und legt Eier. Nach zwei bis sechs Wochen schlüpfen die weißen Larven. Sie werden mit Nahrung versorgt, verpuppen sich nach einiger Zeit und schließlich schlüpfen aus den Puppen (auch Ameisen-Eier genannt) neue Ameisen. Aus manchen befruchteten Eiern können sich neue Königinnen entwickeln, wenn sie mit einem besonderen Futtersaft gefüttert werden.
Autorin: Barbara Kiesewetter