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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Biber

Alltag
Biber unter Wasser (Bild: SWR)
Biber leben immer im und am Wasser. An Land watscheln sie nur ziemlich unbeholfen, aber im Wasser sind sie elegante Schwimmer und Taucher. Sie können bis zu 15 Minuten lang unter Wasser bleiben. Biber leben viele Jahre lang im selben Revier. Sie markieren die Reviergrenzen mit einem bestimmte öligen Sekret, dem Bibergeil.

Biber sind Familientiere: Sie leben mit ihrem Partner und den Kindern des Vorjahres sowie den Jungen des gegenwärtigen Jahres zusammen. Hauptwohnsitz der Biberfamilie ist der Bau:
Ein Berg aus Ästen - eine Biberburg (Bild: SWR)
Er besteht aus einer Wohnhöhle am Wasser, deren Eingang unter der Wasseroberfläche liegt. Innen ist sie mit weichem Pflanzenmaterial ausgepolstert.
Ist das Flussufer nicht hoch genug und wird die Erdschicht über der Wohnhöhle zu dünn, türmen sie Zweige und Äste auf, so dass ein Hügel, die so genannte Biberburg entsteht.

Die Biberburg kann bis zu zehn Meter breit und zwei Meter hoch werden. Dieser Bau ist so gut isoliert, das es auch im tiefsten Winter drinnen nicht gefriert. Meistens besitzt eine Biberfamilie aber noch mehrere kleine Baue in der Nähe des Hauptbaus, in die sich zum Beispiel das Männchen und die Jungen des letzten Jahres zurückziehen, sobald die neuen Biberbabys geboren werden.
Ein Biber schwimmt im Wasser und zieht einen Ast hinter sich her (Bild: SWR)
Die nachtaktiven Biber sind große Baumeister: Sinkt die Wassertiefe ihres Sees oder Flusses unter 50 Zentimeter ab, beginnen sie, Dämme zu bauen, um das Wasser wieder aufzustauen, so dass der Eingang ihrer Burg wieder unter Wasser liegt und vor Feinden geschützt ist.

Auf einem Wall aus Erde und Steinen errichten sie mit Zweigen und Baumstämmen kunstvolle und sehr stabile Dämme.

Ein von einem Biber durchgenagter Baumstamm (Bild: SWR)
Dafür können sie Baumstämme mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter fällen. In einer Nacht schaffen sie einen Stamm mit 40 Zentimeter Durchmesser.
Die Dämme sind meist zwischen fünf und 30 Meter lang und bis zu 1,5 Meter hoch. Es soll aber auch schon Biberdämme gegeben haben, die 200 Meter lang waren.
Ein Damm aus Ästen und Baumstämmen (Bild: SWR)
Manchmal bauen viele Generationen einer Biberfamilie über Jahre hinweg an den Dämmen in ihrem Revier; sie halten sie instand und erweitern sie.
Im Winter nagen Biber oft ein Loch in den Damm. Dadurch fließt etwas Wasser ab und unter dem Eis entsteht eine Luftschicht. So können die Biber auch unter dem Eis im Wasser schwimmen.

Mit ihrer Bautätigkeit sorgen die Biber dafür, dass der Wasserstand in ihrem Revier möglichst gleich bleibt. Außerdem entstehen Überschwemmungs- und Feuchtgebiete, in denen viele seltene Pflanzen und Tiere einen Lebensraum finden. Verlassen Biber ein Revier, sinkt der Wasserspiegel, das Land wird trockener und viele Pflanzen und Tiere verschwinden wieder.
Freunde und Feinde
Bei uns haben Biber heute kaum noch Feinde, weil es keine Wölfe, Bären oder Vielfraße mehr gibt. Der größte Feind der Biber war jedoch immer der Mensch, der die Tiere wegen ihres wertvollen Pelzes bis zur Ausrottung gejagt hat. Außerdem waren sie wegen ihres Fleischs begehrt, das im Mittelalter als Speise während der Fastenzeit erlaubt war. Und sie wurden auch wegen des Bibergeils getötet, das früher als Wundermittel gegen viele Krankheiten galt.
Nachwuchs
Biber leben mit ihrem Partner ein Leben lang zusammen.

Im Winter, zwischen Januar und Februar, paaren sich die Biber nach einem kurzen Balzspiel im seichten Wasser, indem das Bibermännchen mit der Bauchseite nach oben unter das Weibchen schwimmt.

Die Jungen werden nach etwa 106 Tagen zwischen April und Juni geboren. Meist kommen drei Junge zur Welt, manchmal auch fünf. Sie wiegen zwischen 500 und 700 Gramm, sind behaart und können sehen. Zwei bis drei Monate werden sie von der Mutter gesäugt. Schon zwei Wochen nach der Geburt knabbern sie aber auch an den ersten Pflanzenstängeln und Zweigen.
Im ersten Lebensjahr lernen sie vor allem Schwimmen und Tauchen, im zweiten Lebensjahr müssen sie schon mithelfen, die Dämme und die Burg instand zu halten und Wintervorräte anzulegen.

Am Ende des zweiten Lebensjahres sind sie erwachsen, verlassen ihre Eltern und gehen auf Wanderschaft.

Mit zweieinhalb bis vier Jahren sind sie geschlechtsreif, suchen sich einen Partner und ein eigenes Revier und gründen eine Familie.
Sprache
Biber sind still und lassen nicht viel von sich hören. Sie können aber knurren, zischen, fauchen und wimmern. Mit einem lang gezogenen o-o-o locken die Bibermütter ihre Jungen an. Wenn sie ihre Familie vor Feinden warnen wollen, klatschen sie mit dem breiten Schwanz laut auf die Wasseroberfläche. Außerdem verständigen sie sich mit Duftsignalen.
Autorin: Barbara Kiesewetter