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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Blattschneiderameise

Alltag
Eine Blattschneiderameise trägt ein Stück Blatt, an dem noch eine andere Blattschneiderameise hängt (Bild: SWR)Blattschneiderameisen haben ein typisches Verhalten: Sie tragen große, grüne Blattstücke, die sie aus Blättern herausgebissen haben, in ihren unterirdischen Bau.

Diese Blattstücke halten sie mit dem ersten ihrer insgesamt drei Beinpaare hoch über den Kopf. Oft sind viele Tiere in langen Reihen im Gänsemarsch hintereinander auf ihren Ameisenstraßen unterwegs, so dass sie auch im dichten Urwald nicht zu übersehen sind.

Entdecken wird man die Tiere aber nur am Tag, die Nacht verbringen sie in ihrem Bau.

Blattschneiderameisen  (Bild: SWR)Im Nest dienen die Blätter nicht als Nahrung, sondern sind das Futter für einen Pilz, der auf den Blattstücken in der warmen, feuchten Umgebung des Ameisennestes wächst und von den Ameisen gepflegt wird.
Blattschneiderameisen-Nester haben Gänge, die bis zu fünf Meter tief in die Erde reichen können und mehrere Wohnkammern haben.

Eine Kolonie kann von einem einzelnen Weibchen gegründet werden, das in einer speziellen Tasche seines Darms einige Pilzfäden mitbringt.
Viele Blattschneiderameisen auf einem großen Blatt (Bild: SWR)Im neuen Nest züchtet sie dann den Pilz, bis die ersten Ameisen schlüpfen. Von diesem Zeitpunkt an ist es deren Aufgabe, den Pilz weiter zu pflegen.

Übrigens sind Blattschneiderameisen reinliche Tiere: In ihren Nestern gibt es spezielle Abfallkammern, in die sie Pilzabfälle und Schmutz tragen, damit ihr Bau sauber bleibt. In einem Blattschneiderameisen-Nest können bis zu einer Million Tiere leben.

Blattschneiderameisen (Bild: SWR)Manchmal werden Blattschneiderameisen sogar zu einer Gefahr für Plantagen, weil sie an einem einzigen Tag ganz Bäume oder Sträucher "abernten" können.
Nach Hochrechnungen sollen Blattschneiderameisen sogar ein Sechstel aller Blätter, die im Urwald Amazoniens an Bäumen und Büschen wachsen, abernten und in ihre Nester schleppen. In manchen Regionen sind Blattschneiderameisen deshalb als Schädlinge gefürchtet.
Freunde und Feinde
Eine Blattschneiderameise schneidet ein Stück von einem Blatt ab (Bild: SWR)Viele Insekten fressende Tiere wie Spinnen, Frösche und Vögel können den Blattschneiderameisen gefährlich werden.

Kleinere Tiere - wie etwa räuberische Insekten - können die Soldatinnen, die das Nest bewachen, mit ihren scharfen Kiefern abwehren.
Ihre Beißwerkzeuge sind so kräftig, dass sie einem Menschen blutende Wunden zufügen können!

Zu den Feinden der Blattschneiderameise zählt übrigens auch der Mensch: In Nordperu gelten die Ameisen-Königinnen der Blattschneiderameisen als Leckerbissen. Sie sind zur Paarungszeit sehr dick und groß und werden dann gesammelt und geröstet gegessen.
Nachwuchs
Für die Fortpflanzung sind bei den Blattschneiderameisen nur die Königinnen zuständig. Sie entwickeln Flügel und werden beim Hochzeitsflug von den wenigen männlichen und ebenfalls geflügelten Tieren begattet. Dabei erhalten sie soviel Samen und speichern ihn in einer speziellen Samentasche, dass er ihr ganzes Leben lang ausreicht, um immer wieder Eier zu befruchten. Nach dem Hochzeitsflug sterben die Männchen.

Jede Königin gründet ein neues Nest und legt dort ihre Eier ab. Dann geschieht alles sehr rasch: Nur fünf Tage nach der Eiablage schlüpfen bereits die Larven - es sind die zukünftigen Arbeiterinnen! Sie werden von der Königin versorgt, bis sie erwachsen sind. Von diesem Zeitpunkt an ist die Königin nur noch für das Eierlegen zuständig, während die Arbeiterinnen die nachfolgenden Generationen aufziehen.
Autorin: Barbara Kiesewetter