Alltag

Damwild ist sehr sozial und lebt immer im Rudel. Allerdings bilden Weibchen und Männchen getrennte Gruppen. Nur zur Paarungszeit im Herbst treffen sie zusammen.
Die eher scheuen Tiere sind tagaktiv, ziehen ruhig über die Wiesen und äsen, oder sie ruhen sich auf dem Boden liegend aus.
Um Gefahren rechtzeitig wahrnehmen zu können, haben die Tiere sehr gute Sinne. Sie besitzen sehr scharfe Augen, einen sehr guten Geruchssinn und hören auch sehr gut.

Die Tiere können die Ohren unabhängig voneinander bewegen und so ganz genau orten, woher ein Geräusch kommt, ohne ihren Kopf bewegen zu müssen.
Das schützt sie vor Raubtieren, da diese in erster Linie Bewegungen wahrnehmen. Das gefleckte Fell sorgt für eine gute Tarnung.
Der Schwanz dient zur Kommunikation: Sind sie entspannt, hängt er locker herab oder wird leicht hin und her bewegt. Bei Gefahr heben sie ihn waagrecht an, und wenn sie fliehen, wird er steil aufgestellt. Da der schwarze Schwanz sich von dem weißen Spiegel sehr gut abhebt, ist er als Signal für die Rudelmitglieder sehr gut zu sehen.
Einmal im Jahr - zwischen Anfang April und Anfang Mai - werfen die Männchen ihr Geweih ab, und ein neues wächst heran.

Das neue Geweih ist, solange es wächst, von der sogenannten Basthaut überzogen. Ist das Geweih fertig, stirbt die Basthaut ab und hängt in Fetzen herab.
Diese Fetzen entfernen die Tiere, indem sie das Geweih an den Ästen von Bäumen und Sträuchern reiben - das nennt man Fegen.
Dadurch verändert sich auch die Farbe des Geweihs. Es ist zuerst hell, wird aber durch die Säfte der Pflanzen dunkler.
Damwild kann im Schritt, im Trab und im Galopp laufen, und es kann bis zu 180 Zentimeter hoch springen. Die Tiere vollführen auch sogenannte Prellsprünge, bei denen sie sich mit allen vier Beinen zugleich vom Boden abstoßen und fast wieder auf derselben Stelle landen.
Freunde und Feinde

Dank ihrer guten Sinne nimmt Damwild Gefahren sehr rasch wahr. Die Tiere flüchten. Mit etwas Abstand zu der Gefahrenquelle bleiben sie stehen und beobachten diese ganz genau.
Bei uns hat Damwild kaum natürliche Feinde, die Tiere werden aber vom Menschen gejagt. Nur Jungtiere können Füchsen zum Opfer fallen.
Nachwuchs
Zur Brunftzeit zwischen Oktober und Dezember treffen sich die Tiere an besonderen Brunftplätze. In dieser Zeit lassen die Männchen ihre Brunftschreie hören und kämpfen miteinander um die Weibchen. Sie scharren mit den Hufen Kuhlen in den Boden und markieren diese mit ihrem duftenden Sekret und mit Urin. Dies alles soll die Weibchen anlocken und den Konkurrenten sagen: Das ist mein Revier!
Nach der Paarung ist ein Weibchen 33 Wochen trächtig und bringt meist nur ein Junges zur Welt. Dazu zieht sich das Weibchen von seinem Rudel zurück und gebärt sein Kalb an einem geschützten Platz. Das Kalb wiegt 4,4 bis 4,6 Kilogramm. Nach einer halben bis einer Stunde trinkt es zum ersten Mal und kann bereits stehen und laufen.
Geht die Mutter zum Fressen, bleibt das Kalb in der Deckung zurück und drückt sich eng an den Boden. Dank seines getupften Fells ist es dort gut getarnt.

Nach etwa zwei Wochen kehren Mutter und Kalb zum Rudel zurück. Dort bilden die Jungen kleine Gruppen, die von allen Rudelmitgliedern betreut werden.
Mit zwei bis zweieinhalb Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Dann verlassen die männlichen Jungtiere das Rudel ihrer Mutter und schließen sich einem Rudel aus Männchen an.
Sprache
Damwild kann verschiedene Laute von sich geben. Die Weibchen blöken zum Beispiel, wenn sie nach ihren Kälbern rufen. Die Kälber wiederum antworten mit Lauten, die an ein Fiepen erinnern. Zur Brunftzeit lassen die Weibchen miauende Laute hören. Die Männchen geben in dieser Zeit Laute von sich, die an Grunzen, Schnarchen oder Rülpsen erinnern.