Alltag
Buntfalken sind sehr geschickte Jäger. Sie lauern zum Beispiel gerne an Straßen auf Beute, wo sie auf Bäumen oder Masten sitzen.
Würgfalken sind besonders aggressive Jäger und gewandte Flieger. Meist überwältigen sie ihre Beute durch einen blitzschnellen Überraschungsangriff.
Weil sie so geschickte Jäger sind, werden gezähmte Würgfalken noch heute in Asien oft für die so genannte Beizjagd oder die Falknerei abgerichtet. Sie können sogar Tiere bis zur Größe eines Hasens erlegen. Von den Falknern wird der Würgfalke bei uns meist "Saker" genannt.
Die uralte Jagdtechnik der Falknerei wurde zuerst von den Nomadenvölkern in den Steppen Asiens ausgeübt und war schon 400 vor Christus in China und Japan verbreitet. Besonders geschätzt war sie am Hof von Dschingis Khan.
Mit den Hunnen kam die Falknerei nach Europa. Sie war bei uns früher dem Adel vorbehalten.
Die Falknerei wird auch Beizjagd genannt. Das Wort "Beiz" kommt von "beißen". Denn die Falken töten ihre Beute mit einem Biss in das Genick. Um einen Falken für die Jagd auszubilden, braucht man eine Menge Geduld, denn Greifvögel, zu denen ja auch der Würgfalke gehört, lassen sich nur schwer zähmen.
Da der Vogel bei der Jagd zunächst auf der Hand des Jägers sitzt, muss er als erstes daran gewöhnt werden, ruhig auf der Hand zu bleiben.
Dazu muss er täglich einige Stunden umher getragen werden. Außerdem müssen die Falken ihre Scheu vor den Hunden, die bei der Jagd dabei sind, verlieren.
Bei der Beizjagd wird das natürliche Verhalten der Vögel ausgenutzt: Falken können sehr gut in die Ferne sehen und nehmen schon von weitem Beutetiere wahr. Damit der Vogel nicht unruhig wird, trägt er deshalb bei der Jagd, solange er auf der Hand des Falkners sitzt, eine so genannte Falkenhaube. Erst wenn er die Beute schlagen soll, wird die Haube abgenommen.
Das erste, was der Falke nun sieht, ist das Beutetier. Er fliegt von der Hand des Falkners los und erlegt die Beute. Die Vögel sind so abgerichtet, dass sie anschließend die Beute festhalten und bei ihr bleiben, bis Jäger und Hunde herankommen. Um den Falken besser finden zu können, trägt er Glöckchen an den Füßen. Verfehlt der Falke seine Beute, kehrt er zum Falkner zurück.
Bei dieser Jagdtechnik profitieren Mensch und Vogel voneinander: Der Mensch kann Jagd auf Tiere machen, die sonst nur schwer zu erlegen wären, und der Falke bekommt vom Menschen Nahrung.
Für die Beizjagd werden meist weibliche Tiere verwendet, da sie etwas größer und stärker sind als die Männchen.
Mit Würgfalken und anderen Falken wird vor allem Jagd auf Fasane, Rebhühner, Tauben, Möwen, Enten, Gänse, Reiher, Elstern und Krähen gemacht.
Falkner zu sein ist ein richtiger Beruf, und wer mit Falken jagen will, muss eine spezielle Ausbildung machen: er braucht nicht nur einen Jagdschein, sondern zusätzlich noch einen Falknerjagdschein.
Übrigens: Jagdfalken werden heute z. B. auch auf Flughäfen eingesetzt, um Vögel zu vertreiben, die den startenden Flugzeugen gefährlich werden können, wenn sie in deren Triebwerke geraten.
Freunde und Feinde
Weil sie sehr geschickte Flieger und sehr kräftig sind, haben Falken kaum Feinde. Höchstens die Eier oder die Jungtiere können Nesträubern wie etwa Raben zum Opfer fallen - aber meist werden sie von den Eltern gut bewacht. Manchmal kommt es vor, dass Menschen, obwohl es streng verboten ist, junge Falken aus den Nestern stehlen, um sie zur Jagd abzurichten.
Jagd
Sowohl Buntfalken als auch Würgfalken sind geschickt darin, sowohl in der Luft als auch auf dem Boden zu jagen. Sie erhaschen ihr Beute in Sturzflügen oder hetzen sie.
Ebenfalls ein perfekter Jäger ist der Wanderfalke. Er kreist hoch oben in der Luft. Hat er unter sich einen Vogel passender Größe entdeckt, stürzt er mit angelegten Flügeln auf seine Beute hinab. Dabei erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometer pro Stunde. Im Flug verletzt er das Opfer mit den Krallen so stark, dass es zu Boden stürzt. Dort tötet es der Wanderfalke mit einem Schnabelbiss.
Nachwuchs
Buntfalken brüten meist in Baumhöhlen, Nistkästen oder in alten Gebäuden. Das Weibchen legt vier bis fünf Eier, die von beiden Eltern ausgebrütet werden.
Wanderfalken brüten meist in Felswänden, manchmal übernehmen sie aber auch die verlassenen Horste anderer Raubvögel. Ende März legt das Weibchen drei bis vier Eier, die 29 Tage bebrütet werden.
Würgfalken sind mit etwa zwei Jahren erwachsen und geschlechtsreif.
Nur selten bauen sie Nester aus dürren Zweigen auf Bäume und in Felsen, die sie mit weichem Pflanzenmaterial auspolstern. Viel lieber nutzen sie jedoch die verlassenen Nester anderer Vögel wie Saatkrähen und Graureiher oder brüten auf dem Boden. Manchmal legen sie die Eier aber auch in Felsnischen auf dem nackten Boden ab.
Zwischen April und Juni legt das Weibchen zwei bis sechs cremefarbene, rot gefleckte Eier und bebrütet sie etwa 30 Tage. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen noch 45 bis 50 Tage im Nest.
In den ersten zwei Wochen nach dem Schlüpfen jagt das Männchen, während das größere und kräftigere Weibchen die Jungen füttert und beschützt. Sind die Kleinen etwas größer geworden und brauchen mehr Futter, gehen beide Elterntiere auf Jagd. Etwa 40 bis 45 Tage nach dem Schlüpfen werden die jungen Falken flügge.