Alltag
Graureiher sind am Tag und bis in die späte Dämmerung aktiv.
Sie sind so genannte Teilzieher, das bedeutet, dass viele Tiere zum Brüten in ihre Brutgebiete ziehen und zum überwintern in wärmere Regionen West- und Südeuropas fliegen.
Manche unserer mitteleuropäischen Graureiher bleiben im Winter hier - in sehr rauen Wintern kommen aber viele von ihnen ums Leben.
Graureiher leben in Kolonien, sind aber bei der Futtersuche Einzelgänger. Sie lauern ihrer Beute auf und stoßen blitzschnell mit ihrem Schnabel zu.
Kehren sie nach der Jagd zu ihrem Partner in der Kolonie zurück, müssen sie am Nest erst mal ein ausgiebiges Begrüßungsritual absolvieren:
Neben vielen Gesten und Bewegungen überreicht der zurückkehrende Partner dem Vogel im Nest schließlich einen Zweig.
Erst dann darf er wieder ins Nest, ohne vom Partner als Eindringling behandelt zu werden.
Freunde und Feinde
Die größten Feinde der Graureiher sind die Fischzüchter, weil die Reiher manchmal Jagd auf Fische in Fischzuchtteichen machen. Früher wurden sie deshalb auch Fischreiher genannt. Allerdings sind die Schäden längst nicht so groß, wie oft behauptet wird.
Nachwuchs
Graureiher brüten nur ganz selten einzeln, meist bauen sie ihr Nest in einer Kolonie hoch oben auf Laub- und Nadelbäumen.
Solche Reiherkolonien können sehr, sehr alt werden: Manche bestehen schon seit über 100 Jahren.
Das Brüten in der Kolonie bietet den Tieren Schutz: Nesträuber können viel schlechter eindringen, da sie von den Reihern schnell entdeckt und verjagt werden.
Die Eiablage beginnt ab Mitte März. Hochsaison beim Brüten ist jedoch der Mai: Dann herrscht in der Reiherkolonie ein ohrenbetäubender Lärm von den Rufen der Alt- und Jungvögel. Ein Graureiher-Weibchen legt zwischen drei und fünf hell-blaugrüne Eier, die von beiden Partnern abwechselnd bebrütet werden.
Nach 26 bis 27 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie sind noch ziemlich hilflos und müssen noch sechs bis sieben Wochen im Nest bleiben.
Nach gut vier Wochen beginnen die Jungen jedoch, auf den Ästen rund um das Nest herumzuturnen.
Die Aufzucht bedeutet für die Eltern harte Arbeit: Sie nehmen sogar bis zu 30 Kilometer Entfernung in Kauf, um Futter für ihre Jungen zu beschaffen.
Und junge Graureiher haben einen gewaltigen Appetit: Alle zwei Stunden müssen sie gefüttert werden.
Sprache
Das laute "Kraik" kann man oft auch hören, wenn die Graureiher fliegen. Wenn sie aufgeregt sind, rufen sie "go go go". Junge Graureiher in der Brutkolonie lassen ein lautes Keckern hören.