OLIs Wilde Welt
Abendsegler sitzten in einem Fledermaus-Kasten (Bild: picture alliance / dpa)

Großer Abendsegler


Nyctalus noctula

Der Große Abendsegler ist eine Fledermaus. Er wohnt aber nicht in Dachstühlen oder verfallenen Gemäuern, sondern sucht in alten Baum-Höhlen Schutz.
Aussehen
Flügel eines Großen Abendseglers (Bild: SWR)Große Abendsegler gehören zu den Säugetieren, sind aber - wie alle Fledermäuse - ganz besondere Säuger: Sie fliegen mit den Vorderbeinen!

Zwischen den dünnen, stark verlängerten Fingern ist eine dünne Flug-Haut gespannt, die bis zu den Hinterbeinen reicht.

Großer Abendsegler (Bild: SWR)Mit Hilfe dieser Flug-Haut können die Tiere wie Vögel mit ihren Flügeln fliegen. Der Daumen ist frei und dient ihnen zum Festhalten und beim Klettern in ihren Höhlen.
Abendsegler haben eine kurze Schnauze und relativ kleine, runde Ohren.

Großer Abendsegler (Bild: SWR)Ihr samtiges Fell ist rötlich bis goldbraun und auf der Bauchseite etwas heller. Gesicht und Flug-Häute sind schwarzbraun gefärbt.
Der Körper der Großen Abendsegler ist knapp 8 bis 10 Zentimeter lang. Sie haben eine Flügel-Spannweite von 40 Zentimetern und sind nur 30 bis maximal 40 Gramm schwer.
Heimat
Die verschiedenen Abendsegler-Arten leben in Europa und Asien. Der Große Abendsegler kommt von Spanien über Frankreich und Deutschland bis England und Süd-Skandinavien vor; außerdem von Ost-Europa bis zum Ural und im Westen des Iran.
Lebensraum
Große Abendsegler leben vor allem in Wäldern. Dort bewohnen sie Baum-Höhlen; meist sind das alte, verlassene Höhlen, die von Spechten angelegt wurden. Sie leben aber auch in Parks, in Städten, an Waldrändern und in Alleen.

Wenn sie nicht genug Baum-Höhlen finden, ziehen sie gerne auch in die von Naturschützern aufgehängten Fledermaus-Kästen ein.
Rassen und Arten
Auf der ganzen Welt gibt es 800 verschiedene Fledermaus-Arten. Die kleinste ist die gerade mal zwei Gramm schwere Schweins-Nasen-Fledermaus aus Südost-Asien; die größte der indonesische Flughund mit einem Kilogramm Gewicht und einer Flügel-Spannweite von 180 Zentimetern.
Großer Abendsegler auf der Hand (Bild: SWR)In Deutschland leben 24 verschiedene Fledermaus-Arten, und wiederum sechs von ihnen gehören zu den Abendseglern.

Zu den bekanntesten Fledermaus-Arten zählen bei uns - neben den Abendseglern - das Mausohr und verschiedene Hufeisen-Nasen-Fledermäuse.
Lebenserwartung
Es ist nicht genau bekannt, wie alt Große Abendsegler werden können - aber vermutlich bis zu zehn Jahre.
Alltag
Anders als die meisten Fledermaus-Arten leben die Großen Abendsegler sowohl im Sommer als auch im Winter in Baumhöhlen. Weil sie bei uns immer weniger alte Bäume mit Höhlen finden, weichen sie manchmal in Gebäude aus.

hängende Fledermaus (Bild: SWR)Tagsüber schlafen Fledermäuse. Dabei hängen sie - wie auch im Winterschlaf - mit dem Kopf nach unten in ihrer Baumhöhle und halten sich mit den Krallen ihrer Hinterbeine fest.

Kurz nach Sonnen-Untergang werden die Großen Abendsegler munter und gehen in der Dämmerung auf Insektenjagd. Große Abendsegler jagen bis zu sechs Kilometer von ihrem Quartier entfernt und fliegen bis zu 50 Stundenkilometer schnell.

Sie fliegen ziemlich hoch: in zehn bis 50 Metern Höhe. Im Flug kann man sie daran erkennen, dass sie sehr schnell und gerade fliegen und sich dann immer wieder im Sturzflug in die Tiefe stürzen.

Ähnlich wie Zugvögel wandern die Abendsegler im Lauf des Jahres. Im Herbst ziehen sie zum Beispiel von ihren Fortpflanzungs-Gebieten im Norden Deutschlands und in Süd-Schweden zu ihren Überwinterungs-Plätzen weiter im Süden. Dabei legen sie Strecken von über 2000 Kilometern zurück. Während der Wanderung im Frühjahr und Herbst kann man die Tiere besonders häufig sehen und gut beobachten.
Kopf eines Großen Abendseglers (Bild: SWR)Wie alle Fledermäuse orientieren sich Abendsegler mit Hilfe der so genannten Echo-Ortung. Das heißt, sie senden Laute aus, die so hoch sind, dass wir Menschen sie nicht hören können.
Diese so genannten Ultraschallwellen prallen an Hindernissen oder Beutetieren ab und werden zurückgeworfen.

Durch die Art der Wellen und die Zeit, die sie brauchen, um zurückzukommen, wissen die Fledermäuse, wo und wie weit entfernt ein Hindernis ist. Dies geschieht so schnell, dass sie auch im Flug mühelos Gefahren und Hindernissen ausweichen können.
Fledermaus an der Wand (Bild: SWR)Im Winter halten die Großen Abendsegler in den Höhlen dicker Bäume oder in tiefen Felsspalten, wo sie vor der Kälte etwas geschützt sind, ihren Winterschlaf.
Nur ganz selten suchen sie in Kirchen oder anderen Gebäuden Schutz.

Wer eine Fledermaus im Winterschlaf entdeckt, darf sie auf keinen Fall aufwecken - sie kann dann leicht sterben.
Freunde und Feinde
Meist können die schnellen und geschickten Flieger ihren Feinden entkommen. Nur Greifvögel und Marder können ihnen gefährlich werden.
Jagd
Abendsegler jagen vor allem über Gewässern, Wiesen, Waldrändern und über den Baumwipfeln der Wälder. Sie spüren ihre Beute mit Hilfe von Ultraschall-Wellen auf. Haben sie ein Insekt erbeutet, fressen sie es noch im Flug.
Nachwuchs
Nach der Paarungszeit im Frühjahr kommen im Mai und Juni meist zwei Junge zur Welt. Sie sind noch nackt und blind. Erst nach etwa zwei Wochen haben sie ein richtiges Fell. Mit vier bis sechs Wochen können sie bereits fliegen. Bis dahin müssen sie sich gut am Fell der Mutter festklammern. Mit etwa neun Wochen sind sie selbstständig.
Sprache
Während der Jagd geben die Großen Abendsegler Laute von sich, die sogar wir Menschen hören können: Es ist ein metallisch klingendes "zick, zick".
Ernährung
Fledermaus beim Fressen (Bild: SWR)Große Abendsegler fressen gerne Insekten.

Ganz besonders mögen sie Fliegen, Käfer, Köcherfliegen und Nacht-Schmetterlinge.
Haltung
Fledermaus-Kasten (Bild: SWR)Fledermäuse sind keine Haustiere, aber man kann ihnen mit künstlichen Fledermaus-Kästen ein Zuhause bieten.
Diese Kästen dienen als Ersatz für Höhlen und werden von Naturschützern aufgehängt, um für die Tiere einen Lebensraum zu schaffen.

So ein Kasten muss mindestens fünf Meter über dem Boden hängen und gut mit Dachpappe isoliert sein, damit die Fledermäuse vor Zugluft geschützt sind.