Alltag
Einer der bekanntesten Vertreter der Kopffüßer ist der Gemeine Krake (Octopus vulgaris) - dessen Verhalten hier beschrieben wird:
Kraken sind richtige Einzelgänger. Sie verstecken sich gern in Felsspalten und Höhlen.

Weil sie mit ihrem weichen Körper auch durch die engsten Zwischenräume schlüpfen können, ziehen sie sich auch schon mal in eine leere Getränkedose am Meeresgrund zurück.
Finden sie einmal kein Versteck, türmen sie mit ihren Fangarmen einen Wall aus Steinen rings um sich auf.

Kraken sitzen die meiste Zeit in ihren Höhlen und lauern dort auf ihre Beute, die sie dann aus dem Hinterhalt blitzschnell mit ihren Fangarmen packen und überwältigen.
Oft verraten Kraken ihre Verstecke, weil rund um ihre Höhle die Reste der Schalen ihrer Beutetiere liegen.
Kraken gehören zu den faszinierendsten Lebewesen der Meere: obwohl sie zu einer sehr alten und ursprünglichen Tiergruppe gehören (sie sind zum Beispiel ziemlich nah mit den Schnecken und den Muscheln verwandt), sind sie sehr intelligent.
Außerdem können sie fast so gut sehen wie wir: Angeblich können sich im Aquarium gehaltene Kraken die Gesichter ihrer Pfleger merken.
Forscher haben herausgefunden, dass Kraken ein sehr gut entwickeltes Nervensystem und ein hervorragendes Gedächtnis haben.
Sie können sich Farben und Formen merken und sie sogar voneinander unterscheiden.

Zum Schwimmen pressen Kraken das Atemwasser aus dem Körper und nutzen die Kraft des Rückstroms. So können sie auch schnell vor Feinden fliehen.
Sie haben aber noch eine raffinierte Technik entwickelt: Wenn es richtig gefährlich wird, stoßen Kraken eine tintenähnliche Flüssigkeit aus.
Nun kann der Feind erstens nichts mehr sehen, und zweitens betäubt die Tinte den Geruchssinns des Verfolgers. Bis der wieder richtig riechen und sehen kann, ist der Krake längst auf und davon.
Freunde und Feinde
Die Mittelmeer-Muräne, der Meeraal, Haie und einige Delfin-Arten sind die größten Feinde der Kraken.
Jagd

Kraken machen Jagd auf alle Meerestiere, die sie überwältigen können. Sie packen die Beute mit den Fangarmen, halten sie mit ihren vielen Saugnäpfen fest und ziehen sie zum Mund. Hat die Beute einen festen Panzer - wie Muscheln und Krebse - wird er mit dem kräftigen Horn-Schnabel der Krake geknackt.
Anschließend spritzen die Kraken einen Verdauungssaft in die Beute. Dieser Saft löst die Beute auf; der Brei wird anschließend aufgesaugt.
Nachwuchs
Kraken paaren sich nur einmal in ihrem kurzen Leben - und das ist auch die einzige Zeit, in der diese einzelgängerischen Tiere Gesellschaft suchen.
Meist kämpfen die Männchen erbittert um ein Weibchen. Kommt es dann zur Paarung, sitzen beide weit voneinander entfernt. Nur der so genannte Begattungs-Arm des Männchens reicht bis zum Weibchen herüber. Dieser Arm zieht sich wellenförmig zusammen, und so werden die Samenkapseln in die Geschlechtsöffnung des Weibchens abgegeben. Anschließend stirbt das Männchen.
Krakenmütter passen gut auf ihre Brut auf. Nachdem sie bis zu 150.000 Eier in Steinnestern abgelegt haben, bewachen sie ihren Nachwuchs ohne Pause. Sie fächeln den Eier frisches Atemwasser zu, halten sie sauber und schützen sie vor Feinden. Einen ganzen Monat lang bleibt das Weibchen bei seinem Gelege. In dieser Zeit nimmt es keine Nahrung zu sich. Schlüpfen die jungen Kraken, stirbt das Weibchen.
Die kleinen Kraken sind nun sich selbst überlassen. Die ersten beiden Monate verbringen sie im freien Wasser. Viele fallen hungrigen Feinden zum Opfer. Erst, wenn sie größer sind, suchen sie sich ein sicheres Versteck am Boden.