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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Kranich

Alltag
Kraniche leben in großen Gruppen (Bild: SWR)
Kraniche sind eigentlich tagaktive Vögel, nur während des Vogelzugs sind sie auch nachts unterwegs. Kraniche sind gesellig. Meist leben sehr große Gruppen zusammen, gehen gemeinsam auf Nahrungssuche und schlafen gemeinsam. Auch während des Zugs von und in die Winterquartiere bleiben diese Gruppen zusammen.

Kraniche sind ziemlich scheu. Nähert man sich mehr als 300 Meter an sie, ergreifen sie meist die Flucht. Außerdem merken sie genau, wenn sich in ihrer Umgebung etwas verändert hat. Etwas weniger scheu sind sie an ihren Sammelplätzen, wo sie sich in der großen Gruppe sicherer fühlen.
Kraniche fliegen in einer typischen Formation (Bild: SWR)
Kraniche ziehen auf zwei verschiedenen Routen in ihre Winterquartiere. Vögel aus Finnland und Westrussland fliegen über Ungarn nach Nordostafrika. Kraniche aus Skandinavien und Mitteleuropa ziehen nach Frankreich und Spanien, manchmal auch bis Nordafrika.
In milden Wintern bleiben manche Tiere aber auch in Deutschland.

Auf dem Zug erkennt man sie an der typischen Keilformation und an den trompetenartigen Rufen.
Auf ihrem Zug machen sie Jahr für Jahr an den gleichen Rastplätzen Pause. Dort bleiben sie manchmal zwei oder drei Wochen, um sich auszuruhen und ausgiebig zu fressen.
fliegende Kraniche (Bild: SWR)
Kraniche sind majestätische Vögel und haben Menschen schon seit Jahrtausenden fasziniert.
In China galten sie als Symbol für langes Leben und Weisheit.
Im alten Ägypten wurden sie als "Sonnenvogel" verehrt und den Göttern geopfert. Allerdings galten sie auch als Leckerbissen und wurden gegessen.

In Schweden wurden sie "Vogel des Glücks" genannt, weil mit ihnen im Frühjahr Sonne und Wärme zurückkamen.
Auch in Japan gilt der Kranich als Glücksvogel.
Freunde und Feinde
Erwachsene Kraniche haben kaum Feinde. Den Jungen und dem Gelege können aber Fuchs, Wildschwein, Kolkrabe, Aaskrähe und Rohrweihe gefährlich werden.
Menschen zerstören die Lebensräume der Kraniche (Bild: SWR)
Am meisten sind die Kraniche aber vom Menschen bedroht.
Durch ihre Lebensweise machen sie den Kranichen das Leben schwer: Sie befestigen viele Ufer, legen Feuchtgebiete trocken und stauen die Flüsse und zerstören so die Lebensgrundlage für Kraniche, die ihre Schlafplätze und Brutgebiete verlieren.
Nachwuchs
springender Kranich (Bild: SWR)
Im Frühjahr balzt das Kranichmännchen um die Gunst der Kranichdame. Das Männchen stolziert dabei mit hoch aufgerichtetem Schnabel um das Weibchen herum, verbeugt sich und streckt sich, schlägt mit den Flügeln und tanzt oder springt.
Immer erklingen die lauten Trompetenrufe "gruh-gruh-gurr".

Kraniche tanzen übrigens nicht nur in der Paarungszeit: Im Winter hopsen und trompeten sie in der Gruppe - gerade so, als wollte sie für den nächsten Frühling üben.
Kranichnest mit Eiern (Bild: SWR)
Wenn das Kranichmännchen mit seinem Tanz Erfolg hat, paaren sich die Partner. Gegen Ende April oder Anfang Mai legt das Weibchen dann bis zu drei oliv bis rötlich braune, graubraun getupfte Eier.
Das Nest wird meist auf kleinen erhöhten Inseln in nassen Wiesen oder Sümpfen errichtet und besteht aus Pflanzenmaterial.
Beim Brüten wechseln sich die Eltern ab.
Kranichküken (Bild: SWR)
Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungen im Abstand von zwei Tagen. Sie sind rötlich-braun und haben noch keinen buschigen Schwanz. Bereits nach einem Tag verlassen sie das Nest. Anfangs werden die Jungen noch von den Eltern gefüttert und gehen mit ihnen auf Erkundungstour.

Manchmal begleitet der Vater das eine Junge und die Mutter das andere.

Nach zehn Wochen sind die Jungen flügge. Dann wird es Zeit, in den Süden aufzubrechen. Erst mit etwa sieben Jahren beginnen Kraniche selbst zu brüten. Kraniche leben vermutlich in Dauer-Ehe und bleiben bis zu ihrem Tod zusammen.
Sprache
Die trompetenartigen Balzrufe der Kraniche sind unverkennbar. Ihr Begrüßungsruf hört sich wie "gruh, gruh" an. Aber Kraniche können auch zischen und kreischen.
Autorin: Barbara Kiesewetter