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Zwei Murmeltiere (Bild: picture alliance / dpa)

Murmeltier, Alpenmurmeltier


Marmota marmota

Murmeltiere sind unverkennbar, wenn sie hoch aufgerichtet vor ihrem Bau sitzen. Die großen Nagetiere halten aufmerksam Ausschau nach Feinden. Wer die Gefahr zuerst sieht, warnt die anderen Mitglieder der Gruppe mit einem lauten Pfiff.
Aussehen
Ein Alpenmurmeltier sitzt geduckt  im Gras (Bild: SWR)Das Alpenmurmeltier gehört zur Ordnung der Nagetiere und dort zur Familie der Hörnchen und zur Gattung der Murmeltiere. Es hat einen lang gestreckten, sehr kräftigen Körper. Es misst von der Schnauze bis zum Po 40 bis 50 Zentimeter, dazu kommt der zehn bis 20 Zentimeter lange Schwanz.
Damit ist das Alpenmurmeltier das drittgrößte Nagetier in Europa nach dem Biber und dem in Süditalien vorkommenden Stachelschwein. Die Männchen sind ein größer und wiegen mindestens drei Kilogramm, die Weibchen sind etwas kleiner und leichter.
Auffällig sind die muskulösen Schultern. Die Vorderbeine sind etwas kürzer als die Hinterbeine und als Grabpfoten ausgebildet. Die Vorderfüße haben vier Zehen, die Hinterfüße fünf. Die Fußsohlen besitzen dicke Ballen.
Ein Murmeltier sitzt geduckt im GRas. (Bild: SWR)Das Alpenmurmeltier hat ein sehr dichtes Fell aus der kurzen Unterwolle und längeren, kräftigen Grannenhaaren. Die Farbe kann recht unterschiedlich sein, das Spektrum reicht von grau über hellbraun bis rötlichbraun auf dem Rücken, der Bauch ist meist gelblich.
Das Fell mancher Tiere erscheint fast schwarz. Der Kopf ist dunkel bis grau, die Schnauze ist heller. Murmeltiere können sehr gut sehen und hören, der Geruchssinn ist dagegen nur schwach ausgeprägt.
Heimat
Ein Murmeltier steht aufrecht an einem Felsen und hält Ausschau. (Bild: SWR)Alpenmurmeltiere sind in den Alpen, den Karpaten und der Hohen Tatra verbreitet. Allerdings leben Murmeltiere nicht überall in diesen Gebirgen, sondern immer nur in einigen Regionen.
In einigen Gebieten wurden Murmeltiere auch angesiedelt, zum Beispiel in den Ostalpen, den Pyrenäen und in einem kleinen Gebiet im Schwarzwald.
Lebensraum
Drei Murmeltiere tummeln sich auf einer Wiese, eines schaut direkt in die Kamera. (Bild: SWR)Das Alpenmurmeltier kommt nur von der Baumgrenze bis etwa 200 Höhenmeter darüber vor. Maximal leben sie in 3000 Metern Höhe. Unter einer Höhe von 800 Metern sind sie nie zu finden.
Murmeltiere bevorzugen die Südhänge der Berge, weil diese im Frühjahr als erste frei von Schnee sind. Sie brauen Lebensräume mit sogenannten alpinen Rasen, weil sie nur dort ihre Nahrungspflanzen finden. Außerdem muss der Boden dort so dick sein, dass sie ihre Baue graben können.
Rassen und Arten
Zur Gattung der Murmeltiere gehören 14 verschiedene Arten. Sie sind alle in Eurasien und Nordamerika verbreitet. Neben dem Alpenmurmeltier gibt es zum Beispiel das Steppenmurmeltier. Es kommt von Osteuropa bis Zentralasien vor. Das Sibirische Murmeltier lebt im südlichen Sibirien und in der Mongolei. Das Waldmurmeltier ist in Kanada und den USA zu Hause, das Alaska- Murmeltier im nördlichen Alaska und das Gelbbauchmurmeltier im südwestlichen Kanada.
Lebenserwartung
Alpenmurmeltiere werden in der freien Natur bis zu zwölf Jahre alt.
Alltag
Eine Murmeltier-Familie auf einer Wiese (Bild: SWR)Alpenmurmeltiere sind wie die anderen Murmeltier-Arten sehr soziale Tiere. Sie leben in Familienverbänden von bis zu 20 Tieren. Die Gruppen bestehen aus einem Paar und dessen Nachkommen, das heißt, die Jungen aus mehreren Jahren bleiben zunächst bei der Familie.
Die Tiere einer Gruppe spielen viel miteinander und pflegen sich gegenseitig das Fell.
Ein Murmeltier steht aufrecht zwischen Felsen und hält Ausschau. (Bild: SWR)Murmeltiere leben in Revieren, die sie streng überwachen. Die Männchen markieren die Reviergrenzen mit einem Sekret aus ihren Wangendrüsen. Zudem laufen sie häufig an den Reviergrenzen entlang und bewegen dabei ihren Schwanz auf und ab.
Und da Männchen und Weibchen ihre eigene Rangordnung haben, verteidigt das ranghöchste Männchen das Revier nur gegenüber fremden Männchen, das ranghöchste Weibchen vertreibt nur weibliche Eindringlinge.
Murmeltier-Bau (Bild: SWR)Es gibt drei Typen von Bauten: Der wichtigste ist der Winterbau, seine Nestkammern liegen bis zu siebeneinhalb Meter unter der Erdoberfläche. Dort verbringen die Tiere geschützt den Winter. Die Sommerbaue liegen nur bis zu eineinhalb Meter unter der Erde.
Hier ruhen die Murmeltiere während der warmen Jahreszeit oder suchen Schutz, wenn die Hitze außerhalb des Baus für sie zu stark wird. Außerdem haben Murmeltiere in ihrem Revier sogenannte Fluchtröhren, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen und die nur ein oder zwei Ausgänge haben.
Ein Murmeltier sitzt auf der Wiese vor seinem Bau. (Bild: SWR)Alpenmurmeltiere halten von Oktober bis März einen sechs bis sieben Monate dauernden Winterschlaf. Dabei schlafen die Tiere eines Familienverbands gemeinsam in ihrem Bau. In der Zeit vor dem Winterschlaf bringen sie trockenes Pflanzenmaterial ist ihre Nestkammern, um diese auszupolstern und gegen die Kälte zu isolieren.
Wenn es dann endgültig Zeit für den Winterschlaf ist, verschließen sie den Eingang mit einem ein bis zwei Meter langen Gemisch aus Erde, Steinen, Gras und Kot.
Während des Winterschlafs leben die Tiere von ihren Fettreserven, die sie sich den Sommer über angefressen haben, sie verlieren dabei etwa ein Drittel ihres Körpergewichts, und die Körpertemperatur sinkt auf fünf Grad Celsius. Sie wachen nur alle drei bis vier Wochen kurz auf, um Kot und Harn abzusetzen.
Freunde und Feinde
Hauptfeind der Alpenmurmeltiere ist der Steinadler. Jungen Tieren können auch Füchse, Steinmarder und Kolkraben gefährlich werden. Murmeltiere halten deshalb aufmerksam Wache, wenn sie sich außerhalb ihres Baus befinden. Wenn ein Tier einen Feind sieht, stößt es einen schrillen Pfiff aus, der die anderen warnt.
Nachwuchs
Zwei kleine Murmeltier-Kinder spielen im Gras (Bild: SWR)Murmeltier-Weibchen pflanzen sich nicht jedes Jahr fort, manchmal vergehen von einem Wurf bis zum nächsten vier Jahre. Paarungszeit ist während zwei Wochen im April und Mai. Nur das ranghöchste Weibchen pflanzt sich fort. Nach etwa fünf Wochen Tragzeit kommen zwei bis sechs Junge zur Welt.
Sie sind nackt, blind und taub und wiegen nur 30 Gramm. Nach etwa 24 Tagen öffnen sie die Augen. Sie werden von der Geburt an von der Mutter etwa sechs Wochen lang gesäugt.
Mit etwa 40 Tagen wiegen sie rund 240 Gramm und verlassen zum ersten Mal den Bau. Jetzt beginnen sie auch, Gras zu fressen und werden nur noch ab und zu gesäugt.
Mit etwa drei Jahren werden Murmeltiere geschlechtsreif. Sie verlassen dann ihren Familienverband, suchen sie ein eigenes Revier und gründen einen eigenen Familienverband. Manchmal bleiben die Jungen aber auch noch länger bei ihrer Familie.
Sprache
Ein Murmeltier sitzt auf einer Wiese und schaut neugierig in die Kamera. (Bild: SWR)Murmeltiere sind für ihre lauten Pfiffe bekannt. Ein einzelner Pfiff warnt vor einer Gefahr, die bereits sehr nah ist – etwas wenn ein Adler bereits herabfliegt.
Eine Serie mehrerer Pfiffe bedeutet dagegen, dass sich Feinde oder Menschen im Revier befinden oder sich dem Revier nähern, dass aber noch keine unmittelbare Gefahr droht.
Ernährung
Ein Murmeltier steht aufrecht und hält ein Stück Karotte zwischen den Pfoten (Bild: SWR)Murmeltiere sind reine Vegetarier, das heißt, sie ernähren sich ausschließlich von Pflanzen. Im Frühjahr graben sie zunächst nach Wurzeln und fressen alle Kräuter und Gräser, die sie finden. Am liebsten knabbern sie aber junge Triebe und Blüten.
Wenn es im Sommer reichlich Nahrung gibt, fressen sie vor allem ihre Lieblingspflanzen. Zu diesen gehören Mutterwurz, Alpen- und Berg-Wegerich, Alpenklee, Labkraut und einige andere Pflanzenarten.