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Tierlexikon

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Rabenvögel

Alltag
Rabenkrähen (Bild: SWR)Rabenvögel gelten als die intelligentesten Vögel und wurden deshalb sehr gründlich von Biologen erforscht. Sie sind sehr gesellige und soziale Tiere. Trotzdem sind sie oft unbeliebt, weil sie sich angeblich zu stark vermehren und sogar Lämmer töten sollen oder sich von Eiern und Jungvögeln anderer Vogelarten ernähren.
Elster in einem fremden Nest (Bild: SWR)Doch viele dieser Vorurteile sind falsch, und in Wirklichkeit sind Rabenvögel sehr nützliche Tiere.
Und selbst wenn sich Elstern, Eichelhäher oder Dohlen im Sommer an dem einen oder anderen Vogelnest vergreifen - die Gefahr, dass sie andere Vogelarten ausrotten, besteht nicht.
Zwei Rabenkrähen auf einem Acker (Bild: SWR)Und "Mörder" sind sie schon gar nicht: Sie tauchen nur an Plätzen, an denen tote Tiere liegen auf, um das Aas zu fressen. So spielen sie eine wichtige Rolle im Naturhaushalt.
Ebensowenig stimmt, dass sich Rabenvögel massenhaft vermehren.


Eine Elster beim Nestbau (Bild: SWR)Durch ihr Verhalten sieht es oft nur so aus, als gäbe es sehr viel mehr dieser Tiere: So bauen Elstern zum Beispiel mehrere Nester, brüten aber nur in einem.
Andere Vögel profitieren davon, weil sie in die fertigen Nester einziehen können und selber keine bauen müssen.
Saatkrähenschwarm (Bild: SWR)Saatkrähen kommen in der kalten Jahreszeit aus ihren Brutgebieten zu uns, um zu überwintern und tun sich dann zu großen Schwärmen zusammen. Andere treffen sich abends an Massen-Schlafplätzen, um im Schutz der Gruppe zu übernachten. Rabenvögel, die kein Brutrevier haben, ziehen in Gruppen umher und fallen vor allem durch den Lärm auf, den sie machen.

Wie intelligent Rabenvögel sind, kann man daran sehen, dass Dohlen oder Krähen zum Beispiel Kastanien aus großer Höhe herabfallen lassen, damit die Schale aufplatzt und sie an die Frucht kommen. Elstern können sich sogar im Spiegel selbst erkennen.
Rabenkrähe auf Futtersuche (Bild: SWR)
Weil Rabenvögel so schlau sind, lernen sie auch rasch, wo sie in neuen Lebensräumen wie zum Beispiel in Städten Futter finden können: Sie durchsuchen Abfallhalden, Komposthaufen oder Abfalleimer. Außerdem jagen sie anderen Vögeln die Beute ab und verstecken Nahrungsreste, um sie später wieder hervorzuholen.
Ein fliegender Kolkrabe (Bild: SWR)Rabenvögel sind geschickte Flieger. Kolkraben sind sogar richtige Flugkünstler und kreisen oft gemeinsam in großer Höhe. Bei der Balz zeigen sie Flugkunststücke: Sie drehen sich auf den Rücken, drehen Loopings oder lassen sich im Sturzflug fallen.

Während die Kolkraben eher allein in Paaren leben, leben die Paare der Saatkrähen, Rabenkrähen und Dohlen gern gesellig in Gruppen, im Winter oft auch in großen Schwärmen.
Freunde und Feinde
Der größte Feind der Rabenvögel war und ist der Mensch, der die schönen Tiere durch Jagd und Zerstörung des Lebensraums bedroht.
Nachwuchs
Ein Eichelhäher vor einem Nest (Bild: SWR)Rabenvögel leben in Dauer-Ehe und sind sehr gute Eltern. Sowohl Weibchen als auch Männchen versorgen die Jungen, beschützen sie vor Gefahren und vertreiben Greifvögel, die den kleinen gefährlich werden können. Der Begriff "Rabenmutter" oder "Rabenvater", der verwendet wird, wenn menschliche Eltern ihre Kinder schlecht behandeln, ist also völlig falsch.
Kolkrabennest in einer Felswand (Bild: SWR)Die Balz der Kolkraben zum Beispiel beginnt im Spätwinter. Sie bauen ein großes Nest aus Ästen, Lehm und Moos, das sie an sicheren Plätzen in Nischen an steilen Felswänden oder in hohen Bäumen errichten.

Zwischen Februar und Mai werden drei bis sechs Eier 20 bis 21 Tage lang bebrütet.
Während das Weibchen allein brütet, wird es vom Männchen mit Futter versorgt. Später füttern beide Eltern die Jungen mit Insekten und kleinen Fleischbrocken. Nach 40 Tagen werden die kleinen Raben flügge. Junge Kolkraben sind erst mit etwa zwei Jahren erwachsen. Bis dahin ziehen sie in größeren Trupps gemeinsam umher.
Drei Kolkraben in ihrem Nest (Bild: SWR)Die meisten Rabenvögel legen wie die Kolkraben etwa drei bis sechs Eier und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf.

Mit etwa einem Jahr wird der Nachwuchs geschlechtsreif, aber sie pflanzen sich erst im Alter von zwei bis fünf Jahren fort, wenn sie einen Partner gefunden und ein Revier besetzt haben.
Kolkraben und Rabenkrähen brüten nicht in Kolonien, sondern lieber allein in hohen Baumkronen. Dohlen brüten dagegen gerne in Kolonien von über 100 Tieren und bauen ihre Nester in Baumhöhlen und Felswänden. Auch die Saatkrähen suchen zum Brüten die Gesellschaft und den Schutz ihrer Artgenossen und brüten in Gruppen.
Sprache
Wenn man Rabenvögel krächzen hört, mag man es ja kaum glauben: Aber sie gehören zu den Singvögeln. Das liegt daran, dass sie einen ebenso gebauten Stimmapparat haben wie die übrigen Singvögel.
Eichelhäher im Kirschbaum (Bild: SWR)Kolkraben lassen ein tiefes »kraa« oder »krock« hören, manchmal auch »wärr« oder ein schnarrendes »rrrr«. Rabenkrähen rufen »Kräh«, »kjaah« oder »konk«. Der Ruf der Saatkrähen klingt wie »krah« oder »kro«. Dohlen lassen ein klangvolles, helles »kiack« oder »kja« hören. Bekannt sind die lauten, kreischenden Rufe der Eichelhäher, die wie »ga-hi« oder »rrätsch« klingen. Elstern rufen »tscharrr-ackackack« oder»jäck-jäck«.
Außerdem können Rabenvögel einen schwatzenden Gesang von sich geben. Viele Rabenvögel, vor allem Dohlen, können auch menschliche Stimmen und Laute nachahmen.