Schnee-Eule
Nyctea scandiaca
Alltag
Schnee-Eulen sind Überlebenswanderer. Ihr Lebensraum ist so karg, dass ihre Beute natürlich auch schnell schrumpft. Dann zieht die Schnee-Eule weiter nach Süden, bis sie wieder genug Nahrung findet.
Auf diese Weise kommt die Schnee-Eule manchmal sogar in Mittelrussland, Zentralasien und in den nördlichen USA vor.
Schnee-Eulen sind zwar gerne zur Zeit der Dämmerung aktiv, gehen aber auch tagsüber und nachts auf Beutefang. Das hängt davon ab, wann ihre Hauptbeutetiere, Lemminge und Schneehühner, aktiv sind.
Wenn sie Junge aufziehen, sind sie fast immer unterwegs, um genug Futter herbeizuschaffen. Nach der Aufzucht werden sie wieder zu Einzelgängern und streifen allein durch ihr Revier, das sie gegen Artgenossen verteidigen. Nur in sehr strengen Wintern schließen sie sich manchmal zu lockeren Schwärmen zusammen.
Schnee-Eulen halten auch das ungemütlichste Wetter aus: Oft sitzen sie stundenlang regungslos auf Steinen oder Hügeln und halten Ausschau nach Beute. Das geht nur, weil der ganze Körper, einschließlich Füße, von Federn umhüllt ist - und das Gefieder der Schnee-Eule ist so lang und dicht ist wie bei keiner anderen Eule. So eingemummelt sind sie ausreichend gegen Kälte geschützt.
Außerdem können Schnee-Eulen bis zu 800 Gramm Fett speichern, was zusätzlich zu den Federn gegen Kälte isoliert. Dank dieser Fettschicht können sie auch Hungerzeiten überstehen.
Freunde und Feinde
Polarfüchse und Raubmöwen sind die einzigen Feinde der Schnee-Eulen.
Bei Gefahr reißen sie den Schnabel auf, sträuben das Gefieder, heben die Flügel und fauchen. Zieht der Angreifer dann nicht ab, setzen sie sich mit Krallen und Schnabel zur Wehr oder stürzen sich im Flug auf ihren Feind.
Jagd
Schnee-Eulen gleiten fast lautlos durch die Luft und überraschen so ihre Beute, die sie im Flug mit den Krallen packen und mit einem Biss ihres scharfen Hakenschnabels töten. Erwischen sie sie nicht beim ersten Mal, laufen sie der Beute auch am Boden flatternd nach. Dank der Federn an ihren Füßen sinken sie dabei nicht im Schnee ein.
Nachwuchs
Die Balzzeit der Schnee-Eulen beginnt im Winter. Männchen und Weibchen bleiben jeweils eine Saison zusammen und haben in dieser Zeit auch nur diesen einen Partner.
Die Männchen locken die Weibchen mit Lockrufen und scharrenden Bewegungen an. Das soll das Graben der Nestmulde andeuten.
Dann veranstaltet das Männchen Balzflüge, die immer langsamer werden, bis sie schließlich zum Boden absacken - und sich flugs wieder in die Luft schwingen.
Anschließend singen beide Vögel und das Männchen lockt das Weibchen zu geeigneten Brutplätzen. Dabei trägt das Männchen einen toten Lemming im Schnabel. Erst wenn es den an das Weibchen übergeben hat, kommt es zur Paarung.
Gebrütet wird ab Mitte Mai zwischen Felsen und Hügeln. Das Weibchen scharrt eine Erdmulde und legt die Eier hinein.
Je nach Nahrungsangebot legt das Weibchen im Abstand von zwei Tagen drei bis elf Eier. Es brütet alleine und wird in dieser Zeit vom Männchen gefüttert.
Nach ungefähr einem Monat schlüpfen die Jungen, ebenfalls im Abstand von zwei Tagen. Die Küken sind also unterschiedlich alt. Gibt es zu wenig Nahrung, sterben die jüngsten und kleinsten Küken. Nur bei einem reichen Nahrungsangebot überleben alle. Das Weibchen wacht im Nest über die Jungen, während das Männchen Futter herbeischafft.
Die Jungen sind nach sechs bis sieben Wochen flügge. Geschlechtsreif werden sie zum Ende des zweiten Lebensjahrs.
Sprache
Die meiste Zeit des Jahres sind Schnee-Eulen sehr scheue und stille Vögel. Nur zur Balzzeit geben die Männchen ein lautes Krächzen und ein tiefes, bellendes "Hu" von sich. Diese Rufe sind Kilometer weit zu hören. Von den Weibchen hört man nur eines helleres und viel leiserer Krächzen. Daneben können Schnee-Eulen zischen und Warnrufe von sich geben, die an die Rufe von Möwen erinnern.