OLIs Wilde Welt
Ein Seeadler (Bild: picture alliance / dpa)

Seeadler


Haliaeetus albicilla

Der Seeadler ist einer der mächtigsten und prächtigsten Greifvögel, die es bei uns gibt. Er wird sogar noch etwas größer als sein Verwandter, der Steinadler.
Aussehen
Amerikanischer Weißkopf-Seeadler (Bild: SWR)
Seeadler gehören zur Familie der Habichtartigen. Sie sind mächtige Greifvögel.
Von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze sind sie 60 bis 80 Zentimeter groß, ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 240 Zentimeter.

Ihr Schnabel ist klobig und gelb, der Schwanz keilförmig.
junger Seeadler (Bild: SWR)
Seeadler sind braun, nur Kopf und Hals sind heller und der Schwanz ist sogar weiß.

Jungvögel sind dunkler als erwachsene Tiere, außerdem ist ihr Schwanz braun marmoriert.
Wenn sie zehn Jahre alt sind, sind sie genauso gefärbt wie große Vögel.

Seeadler im Flug (Bild: SWR)
Seeadler haben ein ganz besonderes Flugbild: In der Luft strecken sie den Kopf weit vor, die breiten, langen Flügel erinnern in der Form fast an ein Brett und der Schwanz ist im Verhältnis zum ganzen Vogel relativ kurz.

Dadurch unterscheiden sie sich zum Beispiel von Steinadlern.
Heimat
Seeadler sind in einer etwa 3000 Kilometer breiten Region in Europa und Asien zu Hause. Dort leben sie von Grönland bis zum äußersten Ende von Sibirien. In Mittel- und Westeuropa gibt es Seeadler erst seit einigen Jahren wieder.
In Norddeutschland und sogar in Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden Paare gesehen. In Europa sind sie heute außerdem in Norwegen, im Ostseeraum, in Nordpolen und im Wolgadelta zu finden.
Lebensraum
Seeadler mit seiner seiner Beute am Wasser (Bild: SWR)
Die Vögel leben in ganz verschiedenen Lebensräumen: In ihrem Verbreitungsgebiet sind sie von der Tundra bis hin zu Wäldern und Steppenregionen zu finden.

Sie halten sich aber immer in der Nähe von Flüssen, Seen und Meeresküsten auf.
Rassen und Arten
Es gibt acht Seeadler-Arten. Sie kommen in allen Erdteilen außer in Südamerika vor: Der nordamerikanische Weißkopf-Seeadler ist etwas kleiner als unser Seeadler, ihm aber sehr ähnlich.

Weitere Verwandte sind zum Beispiel der Riesenseeadler, der Bandseeadler oder der Schreiseeadler.
Lebenserwartung
Seeadler können 30 Jahre alt werden - ein Tier soll aber sogar 42 Jahre alt geworden sein.
Alltag
junger Seeadler (Bild: SWR)
Jeder von Euch hat schon einmal einen Seeadler gesehen - wenn auch nur im Bild: Es ist nämlich der Vogel, der im Wappen der Bundesrepublik Deutschland abgebildet ist.

Lange Zeit waren sie in Mitteleuropa sehr verbreitet - noch um das Jahr 1800 waren sie bei uns häufig zu sehen.
Amerikanischer Weißkopf-Seeadler hat etwas im Wasser gefangen (Bild: SWR)
Seeadler fangen Fische. Die Menschen dachten damals deshalb, die Tiere seien schädlich und jagten sie.
Schließlich waren Seeadler in Westeuropa ausgestorben und Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland kaum noch zu finden. Erst als die Jagd auf sie nach dem Zweiten Weltkrieg nachließ, breiteten sie sich wieder aus.
Allerdings mussten sie dann unter anderen Bedrohungen leiden: Weil sie über ihre Nahrung giftige Pestizide aufnahmen, starben die Küken in ihren Eiern.
Seit etwa 1970 werden Seeadler aber stark bewacht und haben sich auch wieder vermehrt.
Seeadler mit ausgebreiteten Flügeln über seiner Beute (Bild: SWR)
Seeadler gehören zu den größten und kräftigsten Greifvögeln, die bei uns zu finden sind: Sie sind die größten Adler Europas.

Sie haben so viel Kraft, dass sie Fische bis zu einem Gewicht von acht Kilogramm fangen und sogar einen Fuchs oder Hasen überwältigen können.
Seeadler sind sehr treue Vögel: Sie leben ihr ganzes Leben mit einen Partner zusammen. Sie bauen mehrere Horste, die sie abwechselnd bewohnen.

Weil sie die Horste immer wieder ausbessern und an ihnen bauen, können sie bis zu zwei Meter breit und fünf Meter hoch werden. Meist errichten sie die Horste auf hohen Bäumen, manchmal auch auf Felsen.
Freunde und Feinde
Seeadler haben kaum natürliche Feinde - nur der Mensch und die Zerstörung ihres Lebensraums kann ihnen gefährlich werden.
Jagd
Seeadler watet im flachen Wasser zu seiner Beute (Bild: SWR)
Seeadler lauern von einem Ansitz aus auf ihre Beute oder streifen im Suchflug umher.
Im flachen Wasser waten sie, um Fische und Krebse oder Muscheln zu fangen.

Sie jagen aber auch Wasservögel, so lange, bis die Tiere zu erschöpft sind, um weiter zu fliehen.
Nachwuchs
Seeadler werden erst mit fünf Jahren geschlechtsreif. Zur Balzzeit kreisen sie mit ihrem Partner in der Luft, zeigen Sturzflüge und berühren sich in der Luft mit den Krallen. Im Frühjahr wählen sie einen ihrer Horste für die Brut aus.

Im Süden brüten sie ab März, im Norden erst ab Juni.
Nach der Paarung legt das Weibchen ein bis drei Eier ab. Beide Eltern brüten abwechselnd, das Weibchen aber meistens etwas mehr. Nach 39 bis 42 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen. Sie sind noch nackt und hilflos. In dieser Zeit besorgen beide Eltern Nahrung.
junger Seeadler (Bild: SWR)
Erst im Alter von 90 Tagen sind die Jungen soweit, dass sie das Nest verlassen können.
Sie werden aber noch weitere ein bis zwei Monate von den Eltern betreut.

Erst wenn sie selbstständig sind, verlassen die Jungen das Revier der Eltern und unternehmen weite Wanderungen.
Sprache
Seeadler lassen laut gellende Rufe hören, die wie "Kjau" klingen.
Ernährung
Seeadler frisst (Bild: SWR)
Seeadler ernähren sich vor allem von Fischen und Wasservögeln, aber auch von kleinen Säugetieren. Sie fressen aber auch Aas und Abfälle.

Dadurch erfüllen sie eine wichtige Aufgabe in der Natur: Sie beseitigen tote Tiere, so dass sich keine Krankheiten ausbreiten können.