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Seehund


Phoca vitulina
Alltag
Ein Seehund unter Wasser (Bild: SWR)Seehunde können bis zu 200 Meter tief und im Extremfall 30 Minuten lang tauchen. Dass dies möglich ist, verdanken sie einer speziellen Anpassung ihres Körpers:
Ihr Blut enthält sehr viel Hämoglobin. Das ist der rote Blutfarbstoff, der das Sauerstoff im Körper speichert.
Außerdem verringert sich beim Tauchen der Herzschlag, so dass die Seehunde weniger Sauerstoff verbrauchen.
Ein Seehund - halb im Wasser, halb an Land (Bild: SWR)Beim Schwimmen benutzen Seehunde ihre Hinterflossen als Antrieb. So erreichen sie Geschwindigkeiten bis zu 35 Kilometer pro Stunde. Die Vorderflossen dienen hauptsächlich zum Steuern. An Land können sie sich dagegen nur unbeholfen bewegen, indem sie raupenartig mithilfe der Vorderflossen über den Boden robben.

Auch das kälteste Wasser macht Seehunden nichts aus: Ihr Fell mit 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter bildet eine isolierende Luftschicht und unter der Haut sitzt eine bis zu fünf Zentimeter dicke Fettschicht.
Seehundfell (Bild: SWR)So können Die Tiere Temperaturen von bis zu -40° Celsius ertragen.
Seehunde können unter Wasser sehr scharf sehen, an Land sehen sie dagegen nur verschwommen.
Auch ihr Gehör ist sehr gut, dafür können sie aber relativ schlecht riechen.
Die faszinierendste Anpassung an das Leben im Wasser sind jedoch ihre Barthaare:
Schnauze von einem, auf dem Rücken liegenden Seehund (Bild: SWR)Diese "Vibrissen" genannten Haare sind von etwa 1500 Nerven durchzogen - das sind rund zehnmal mehr als in den Barthaaren einer Katze. Sie sind hochsensible Antennen: Mit diesen Haaren können Seehunde auch noch die winzigsten Bewegungen im Wasser wahrnehmen.

Sie erkennen sogar, was im Wasser schwimmt: Weil Fische durch ihre Flossenbewegungen typische Wirbel im Wasser hinterlassen, wissen Seehunde genau, welche Beute sich in ihrer Nähe befindet.
Mit ihnen können sie sich auch in trübem Wasser hervorragend orientieren. Selbst blinde Seehunde finden sich mit ihrer Hilfe mühelos im Wasser zurecht.
Ein Seehund im Wasser (Bild: SWR)Seehunde können sogar im Wasser schlafen. Dabei schweben sie im Wasser auf und ab und holen so an der Oberfläche immer wieder Luft, ohne dabei aufzuwachen.
Im Meer sind sie meist allein unterwegs, an Land, wenn sie sich auf Sandbänken ausruhen, kommen sie zu Gruppen zusammen.
Zwischen Männchen kommt es dort aber öfter zu Streitigkeiten.
Freunde und Feinde
Ein Seehund streckt den Kopf aus dem Wasser (Bild: SWR)Neben großen Raubfischen wie etwa Schwertwalen ist der Mensch für Seehunde die größte Bedrohung: Die Tiere werden seit Jahrtausenden vom Menschen gejagt. Ihr Fleisch diente als Nahrung, das Fell zur Herstellung von Kleidung und Schuhen. Außerdem leiden sie unter der Verschmutzung der Meere durch die Menschen.
Nachwuchs
Seehunde paaren sich im Wasser. Zunächst bemühen sich mehrere Männchen um ein Weibchen. Dieses wehrt ihre Verehrer zunächst mit Bissen ab. Schließlich setzt sich ein Männchen durch und paart sich mit dem Weibchen. Danach trennen sich die Partner wieder - Seehundmännchen kümmern sich nicht um die Aufzucht der Jungen.
Ein Seehund, der ein halbes Jahr alt ist (Bild: SWR)Elf Monate nach der Paarung kommt meist ein einzelnes Junges zur Welt. Die Geburt findet an Land statt. Das Junge wiegt etwa zehn Kilogramm und ist rund 85 Zentimeter lang. Die Kleinen können sofort schwimmen. Die Mutter säugt es fünf bis sechs Wochen lang, danach fressen die Kleinen selbstständig. Mit etwa sechs Jahren werden sie geschlechtsreif.
Bei Wattwanderungen finden Menschen manchmal junge Seehunde und streicheln sie. Kehrt das Muttertier zurück, nimmt es sein Junges dann nicht mehr an, weil es nach den Menschen riecht. Diese verlassen Jungen nennt man Heuler. Sind sie gesund, werden sie zum Teil in Zuchtstationen aufgezogen.