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Ein Buckelwal springt aus dem Wasser (Bild: picture alliance / dpa)

Wale


Cetacea (Mysticeti und Odontoceti)

Auf den ersten Blick gleichen Wale Fischen - etwa großen Haien. Sie sind jedoch Säugetiere, die perfekt an das Leben im Wasser angepasst sind. Uns Menschen faszinieren diese riesigen Tiere, die elegant und majestätisch durch das Wasser gleiten.
Mit etwas Glück kann man auf einer Whale Watching Tour beobachten, wie ein Wal mit einem Schlag seiner Schwanzfluke in die Tiefe taucht.
Wale bilden in der Klasse der Säugetiere eine eigene Ordnung, die man in zwei Unterordnungen aufteilt: Die Bartenwale und die Zahnwale.
Aussehen
Schwimmender Pottwal (Bild: SWR)Der Körper der Wale ist stromlinienförmig, und die Vorderbeine sind zu Flossen umgebildet. Auch auf dem Rücken tragen die meisten Walarten eine Flosse, die sogenannte Finne.
An ihrer Form kann man die einzelnen Arten gut unterscheiden. Manche Arten wie der Pottwal haben jedoch keine Finne.
Fluke eine Pottwals (Bild: SWR)Der Schwanz der Wale ist zu einer großen Schwanzflosse, der sogenannte Fluke, umgebildet. Sie dient der Fortbewegung. Die Fluke ist waagrecht zum Körper ausgerichtet und nicht senkrecht wie bei Fischen - etwa bei Haien.
Der gesamt Körper der Wale ist von einer dicken Speckschicht eingehüllt, dem Blubber. Er schützt die Tiere vor Kälte. Bei großen Walen kann der Blubber bis zu 50 Zentimeter dick sein.
Der Kopf der Wale ist lang gestreckt. Besonders auffällig ist dies bei den Bartenwalen, die einen sehr großen Kopf mit riesigen Kiefern haben. Im Kiefer sind die Barten untergebracht. Diese kammartigen, faserigen Hornplatten bilden den Filtrier- oder Filterapparat, mit dem die Tiere das Plankton aus dem Wasser filtern. Die Zahnwale haben - wie ihr Name schon sagt - in ihrem Maul Zähne.
Finnwal bläst Wasser (Bild: dpa Picture-Alliance)Die Nasenlöcher der Wale sind zum Blasloch umgebildet. Zahnwale besitzen nur ein Blasloch, Bartenwale zwei. Die Blaslöcher sitzen am Scheitel des Kopfes oberhalb der Augen. Durch diese Blaslöcher atmen die Wale aus.
Zahnwale zeigen am Kopf zudem eine typische Wölbung, die sogenannte Melone. Sie besteht aus Luft und Fett und dient dem Auftrieb im Wasser sowie der Erzeugung von Lauten. Die Ohren der Wale liegen innerhalb des Kopfs und sind nicht nach außen geöffnet. Die Augen sitzen seitlich am Kopf.
Heimat
Wale sind in allen Meeren der Welt zu finden. Einige Arten wie Schwertwale, Blauwal oder Buckelwal besiedeln fast alle Meere, andere kommen nur in bestimmten Gebieten vor. Der Hector-Delfin etwa lebt nur an Teilen der Küste Neuseelands.
Lebensraum
Fast alle Wale leben im Meer. Ausnahme sind nur einige wenige Flussdelfinarten, die in Flüssen, also im Süßwasser zuhause sind. Ein Beispiel ist der Amazonasdelfin. Manche Wale leben in flachen Küstengewässern, andere in tiefen Meereszonen. Manche Wale wie der Brydewal leben nur in tropischen Meeren, andere wie der Narwal im nördlichen Polarmeer. Viele Walarten wandern: Sie bringen ihre Jungen in warmen tropischen Meeren zur Welt. Danach ziehen sie in die nährstoffreichen polaren Meere, um sich dort eine dicke Speckschicht anzufressen.
Rassen und Arten
Die Vorfahren der Wale waren auf dem Land lebende Säugetiere, die vor rund 50 Millionen Jahren zu einem Leben im Wasser übergingen und sich nach und nach zu perfekten Meeressäugern entwickelten. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wale mit den Paarhufern verwandt sind. Ihr nächster Verwandter auf dem Land ist das Flusspferd.
Heute gibt es etwa 15 verschiedene Bartenwale und 75 Zahnwalarten. In europäischen Meeren leben 32 Walarten. 25 sind Zahnwale, sieben sind Bartenwale. Der größte Wal ist der Blauwal, die kleinsten Walarten sind Delfine, einige von ihnen messen gerade einmal 150 Zentimeter.
Folgende Arten zählen zu den bekanntesten Walen:
Modell eines Blauwals (Bild: dpa Picture-Alliance)Der Blauwal ist das größte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Er wird bis zu 28 Meter, manchmal sogar bis zu 33 Meter lang und wiegt bis zu 200 Tonnen. Im Vergleich dazu sind Elefanten fast Leichtgewichte: Sie werden nur bis zu fünf Tonnen schwer.

Der Blauwal lebt im Nordatlantik, im Pazifik, im Indischen Ozean und in der Antarktis. Der Riese ist heute stark gefährdet, es gibt nur noch etwa 4000 Tiere. Obwohl er so gewaltig ist, ernährt sich der Blauwal von mikroskopisch kleinem Plankton, winzigen Krebsen und kleinen Fischen, die er aus dem Wasser filtert. Tauchen kann er bis in 150 Meter Tiefe.
Der Finnwal ist mit 18 bis 23 Meter Länge und 30 bis 60 Tonnen Gewicht das zweitgrößte lebende Tier. Er ist in allen Meeren der Welt zu finden und kann bis zu 200 Meter tief tauchen. Er ist stark gefährdet.
Buckelwal (Bild: dpa Picture-Alliance)Buckelwale werden bis zu 15 Meter lang und 15 bis 20 Tonnen schwer. Sie leben auf der Nordhalbkugel im Atlantik und Pazifik sowie im Indischen Ozean. Sie können ziemlich weit aus dem Wasser springen.
Die einzelnen Tiere lassen sich an den typischen Einkerbungen an ihrer Schwanzfluke unterscheiden. Wenn sie von der Oberfläche in die Tiefe tauchen, krümmen sie den Körper zu einem Buckel, daher ihr Name.
Grauwal (Bild: dpa Picture-Alliance)Grauwale werden 12 bis 15 Meter lang und wiegen 25 bis 35 Tonnen. Sie kommen nur im Pazifik vor. Auf ihren Wanderungen legen sie bis zu 20.0000 Kilometer zurück.
Grauwale sind oft in Küstennähe zu sehen. Man erkennt sie leicht daran, dass ihr Körper von Seepocken besiedelt ist.
Schwertwal (Bild: dpa Picture-Alliance)Schwertwale sind an ihrer schwarz-weißen Körperzeichnung und der langen Fluke auf dem Rücken gut zu erkennen. Sie werden fünf bis zehn Meter lang und wiegen drei bis zehn Tonnen.
Zu finden sind sie in allen Meeren, allerdings leben sie meist in kühleren Regionen. Schwertwale sind exzellente Jäger und machen in Gruppen Jagd auf Fische, Robben und kleinere Wale. Am bekanntesten ist der "Große Schwertwal", auch Orca genannt.
Der Pottwal wird elf bis 20 Meter lang und wiegt zwischen 20 und 60 Tonnen. Er lebt im Atlantik, im Pazifik und im Indischen Ozean und gilt als gefährdet. Die Tiere können bis zu 3000 Meter tief tauchen.
Ein Belugawal schwimmt im Meer (Bild: SWR)Der Beluga oder Weißwal gehört zur Familie der Gründelwale und wird drei bis sechs Meter lang. Er lebt in arktischen und subarktischen Meeren vor den Küsten Russlands, Kanadas und Alaskas. Manchmal wandert er vom Meer in die Mündung größerer Flüsse.
Die Gestalt der Belugas erinnert etwas an die der Delfine, die ja ebenfalls zu den Walen gehören. Belugas können ihren Gesichtsausdruck verändern und so zeigen, ob sie freudig erregt oder ärgerlich sind.
Kleiner Belugawal schwimmt im Meer (Bild: SWR)Auffällig ist seine weiße Färbung. Neugeborene Tiere sind grau bis braun oder schwarz, mit einem Jahr werden sie blaugrau und erst im Alter von fünf Jahren ist ihre Haut weiß.
Belugas gehören zu den Zahnwalen und ernähren sich von Fischen, Tintenfischen, Muscheln und Krebstieren. Weil sie in Küstennähe leben, jagen sie vor allem im flachen Wasser bis in zehn Meter Tiefe.
Zwei Belugawale tauchen an der Wasseroberfläche auf (Bild: SWR)Belugas sind sehr gesellig und leben in Gruppen mit zehn oder mehr Tieren. Zur Fortpflanzungszeit versammeln sich Gruppen mit teilweise mehreren tausend Tieren in Flussmündungen. Nach vierzehneinhalb Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen je ein Junges zur Welt. Es wird etwa zwei Jahre von der Mutter gesäugt.

Die Tiere können bis zu 40 Jahre alt werden. Zu ihren Feinden zählen Eisbären und Schwertwale.
Lebenserwartung
Die Walarten werden unterschiedlich alt. Delfine wie der La-Plata-Delfin leben etwa 20 Jahre, Pottwale dagegen können zwischen 50 und 100 Jahre alt werden.
Alltag
Pottwal unter Wasser (Bild: dpa Picture-Alliance)Wale atmen wie alle Säuger mit Lungen und müssen deshalb zum Atmen an die Wasseroberfläche. Sie können aber sehr lange tauchen. Die Spanne reicht von einigen Minuten bis zu 40 Minuten. Der Pottwal kann sogar 60 bis 90 Minuten unter Wasser bleiben. Dabei tauchen Wale im Durchschnitt etwa 100 Meter tief, Pottwale sogar bis zu 3000 Meter.

Wale können schnell schwimmen. Der Blauwal etwa ist normal mit 10 bis 20 Kilometern pro Stunde unterwegs, erreicht aber bei Gefahr ein Tempo von 50 Kilometern pro Stunde.
Nachbildung eines Blauwal-Herz (Bild: dpa Picture-Alliance)Möglich ist dies unter anderem, weil Wale ein sehr leistungsfähiges Herz haben, das den aufgenommenen Sauerstoff sehr gut im Körper verteilt. Außerdem können sie mit einem Atemzug bis zu 90 Prozent des Luftvolumens ihrer Lunge austauschen. Bei einem Landsäugetier sind es nur 15 Prozent.
Wale entnehmen der eingeatmeten Luft doppelt so viel Sauerstoff wie Landsäugetiere und sie können den Sauerstoff besser im Körper speichern. Beim Tauchen senken sie außerdem die Herzfrequenz und Blutzirkulation, sodass sie weniger Sauerstoff verbrauchen.
Wenn Wale durch ihre Blaslöcher ausatmen, stoßen sie die Luft mit hohem Druck aus. Durch die niedrigere Außentemperatur kondensiert die in der 37 Grad warmen Atemluft enthaltene Feuchtigkeit. und es entsteht eine Art Nebel-Fontäne, der sogenannte Blas. Bei Walen mit zwei Blaslöchern ist der Blas oft v-förmig. Der Blas des Pottwals, der nur ein Blasloch hat, tritt dagegen in einem 45-Grad-Winkel nach links vorne aus. Beim riesigen Blauwal kann der Blas bis zu zwölf Meter hoch sein. Man kann manche Wale deshalb schon auf weite Entfernung anhand ihres Blas erkennen.
Schwertwal Schule (Bild: dpa Picture-Alliance)Viele Wale sind sehr gesellig, sie leben in Gruppen, die man als Schulen bezeichnet. Andere Arten leben allein oder bilden zur Paarungszeit Gruppen oder sie treffen sich zu bestimmten Zeiten in nahrungsreichen Gewässern. Gesellig lebende Wale wie Delfine oder Schwertwale haben ein sehr komplexes Sozialverhalten.
In der Gruppe gibt es eine Hierarchie. Meist sind die Tiere friedlich, bei Stress können sie aber auch aggressiv miteinander umgehen. Faszinierend ist es, Wale beim Spielen zu beobachten: Sie stupsen sich gegenseitig, schlagen mit den Flossen auf das Wasser oder springen aus dem Wasser.
Gestrandete Wale (Bild: dpa Picture-Alliance)Warum Wale manchmal stranden, ist nicht eindeutig geklärt. Am häufigsten kommt dies bei Grind- und Pottwalen vor. Forscher vermuten verschiedene Gründe: etwa die Störung des magnetischen Sinnes der Tiere, außerdem könnten Verletzungen, Infektionen und Parasitenbefall Gründe sein, oder auch Vergiftungen der Tiere durch ihre Nahrung.
Viele Forscher sehen den Lärm durch Schiffsverkehr, durch Bohrinseln und durch das Sonar militärischer Schiffe als Ursache für das Stranden der Wale, da diese den Orientierungssinn der Tiere und ihre Kommunikation stören.
Denkbar ist auch, dass Wale schwachen oder kranken Artgenossen ins flache Wasser folgen und dann stranden. Liegt ein Wal einmal am Strand, wird er meist von seinem eigenen Körpergewicht erdrückt. Außerdem überhitzen die Tiere schnell und sterben.
Freunde und Feinde
Kleine Walarten können großen Haien zum Opfer fallen. Große Schwertwale (Orcas) fressen ebenfalls kleine Walarten. Vor allem Jungtiere fallen den Schwertwalen zum Opfer.
Der größte Feind der Wale aber ist der Mensch. Durch die Jagd wurden viele Arten fast ausgerottet.
Jagd
Zahnwale machen Jagd auf Fische und Robben. Delfine oder Schwertwale jagen zum Teil gemeinsam in der Gruppe. Zahnwale können ihre Umgebung über Echoortung wahrnehmen. Dies hilft ihnen, Beutetiere aufzuspüren.

Buckelwale tun sich zusammen und bilden mithilfe von Luftblasen eine Art Vorhang, mit dem sie Fischschwärme zusammentreiben und eingrenzen. Dann schwimmen sie von unten mit offenem Maul in den Schwarm und schlucken die Fische.
Nachwuchs
Männchen und Weibchen treffen sich zur Paarung, bilden aber höchsten für eine Saison ein Paar. Die meisten Wale haben jedoch mehrere Partner. Die Tragzeit dauert je nach Art neun bis 16 Monate. Wale gebären wie alle Säuger Jungtiere, die bereits voll entwickelt sind. Meist kommt nur ein Junges zur Welt. Nach der Geburt hilft die Mutter dem Jungen an die Wasseroberfläche, damit es dort den ersten Atemzug machen kann. Bei vielen Arten helfen andere Artgenossen der Mutter bei der Betreuung der Jungen.
Belugawal Baby mit Mutter (Bild: dpa Picture-Alliance)Neugeborene Wale sind schon sehr groß, sie haben etwa ein Drittel der Körpergröße eines erwachsenen Tieres. Sie sind sofort sehr aktiv und schwimmen herum. Da Walkälber in der ersten Zeit mit der sehr fettreichen Milch ihrer Mutter gesäugt werden, wachsen sie schnell heran. Die Säugezeit dauert je nach Art vier Monate bis zu über einem Jahr.
Wale werden relativ spät geschlechtsreif, meist in einem Alter zwischen sieben und zehn Jahren. Der Pottwal wird erst mit 20 Jahren geschlechtsreif.
Sprache
Wale geben Laute von sich, die im Meer über Hunderte von Kilometern zu hören sind. Diese sogenannten Gesänge unterscheiden sich von Art zu Art, und auch die einzelnen Gruppen einer Art entwickeln unterschiedliche Gesänge - sie sprechen also regelrecht verschiedene "Dialekte". Sogar einzelne Tiere lassen sich an ihrem typischen Walgesang erkennen.
Ernährung
Wale ernähren sich völlig unterschiedlich. Die Bartenwale filtern mit ihren Barten winziges Plankton aus dem Meereswasser, indem sie große Mengen Wasser aufnehmen und durch die Barten wieder herauspressen. Die Zahnwale besitzen, wie ihr Name sagt, Zähne und leben als Räuber. Sie machen Jagd auf Fische, aber auch auf kleinere Meeressäuger wie Robben und auf kleinere Walarten.
Haltung
Delfine im Delfinarium springen über ein Seil (Bild: SWR)Delfine und Schwertwale werden immer noch in Delfinarien gehalten. Eine artgerechte Haltung ist dort nicht möglich - viele Tiere leiden und sterben frühzeitig.
Wer Wale sehen möchte, sollte im Urlaub lieber an einer Whale Watching Tour teilnehmen und die Tiere in freier Natur erleben. Möglich ist dies auch in Europa, zum Beispiel in Portugal, Spanien oder Norwegen.