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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Wale

Alltag
Pottwal unter Wasser (Bild: dpa Picture-Alliance)Wale atmen wie alle Säuger mit Lungen und müssen deshalb zum Atmen an die Wasseroberfläche. Sie können aber sehr lange tauchen. Die Spanne reicht von einigen Minuten bis zu 40 Minuten. Der Pottwal kann sogar 60 bis 90 Minuten unter Wasser bleiben. Dabei tauchen Wale im Durchschnitt etwa 100 Meter tief, Pottwale sogar bis zu 3000 Meter.

Wale können schnell schwimmen. Der Blauwal etwa ist normal mit 10 bis 20 Kilometern pro Stunde unterwegs, erreicht aber bei Gefahr ein Tempo von 50 Kilometern pro Stunde.
Nachbildung eines Blauwal-Herz (Bild: dpa Picture-Alliance)Möglich ist dies unter anderem, weil Wale ein sehr leistungsfähiges Herz haben, das den aufgenommenen Sauerstoff sehr gut im Körper verteilt. Außerdem können sie mit einem Atemzug bis zu 90 Prozent des Luftvolumens ihrer Lunge austauschen. Bei einem Landsäugetier sind es nur 15 Prozent.
Wale entnehmen der eingeatmeten Luft doppelt so viel Sauerstoff wie Landsäugetiere und sie können den Sauerstoff besser im Körper speichern. Beim Tauchen senken sie außerdem die Herzfrequenz und Blutzirkulation, sodass sie weniger Sauerstoff verbrauchen.
Wenn Wale durch ihre Blaslöcher ausatmen, stoßen sie die Luft mit hohem Druck aus. Durch die niedrigere Außentemperatur kondensiert die in der 37 Grad warmen Atemluft enthaltene Feuchtigkeit. und es entsteht eine Art Nebel-Fontäne, der sogenannte Blas. Bei Walen mit zwei Blaslöchern ist der Blas oft v-förmig. Der Blas des Pottwals, der nur ein Blasloch hat, tritt dagegen in einem 45-Grad-Winkel nach links vorne aus. Beim riesigen Blauwal kann der Blas bis zu zwölf Meter hoch sein. Man kann manche Wale deshalb schon auf weite Entfernung anhand ihres Blas erkennen.
Schwertwal Schule (Bild: dpa Picture-Alliance)Viele Wale sind sehr gesellig, sie leben in Gruppen, die man als Schulen bezeichnet. Andere Arten leben allein oder bilden zur Paarungszeit Gruppen oder sie treffen sich zu bestimmten Zeiten in nahrungsreichen Gewässern. Gesellig lebende Wale wie Delfine oder Schwertwale haben ein sehr komplexes Sozialverhalten.
In der Gruppe gibt es eine Hierarchie. Meist sind die Tiere friedlich, bei Stress können sie aber auch aggressiv miteinander umgehen. Faszinierend ist es, Wale beim Spielen zu beobachten: Sie stupsen sich gegenseitig, schlagen mit den Flossen auf das Wasser oder springen aus dem Wasser.
Gestrandete Wale (Bild: dpa Picture-Alliance)Warum Wale manchmal stranden, ist nicht eindeutig geklärt. Am häufigsten kommt dies bei Grind- und Pottwalen vor. Forscher vermuten verschiedene Gründe: etwa die Störung des magnetischen Sinnes der Tiere, außerdem könnten Verletzungen, Infektionen und Parasitenbefall Gründe sein, oder auch Vergiftungen der Tiere durch ihre Nahrung.
Viele Forscher sehen den Lärm durch Schiffsverkehr, durch Bohrinseln und durch das Sonar militärischer Schiffe als Ursache für das Stranden der Wale, da diese den Orientierungssinn der Tiere und ihre Kommunikation stören.
Denkbar ist auch, dass Wale schwachen oder kranken Artgenossen ins flache Wasser folgen und dann stranden. Liegt ein Wal einmal am Strand, wird er meist von seinem eigenen Körpergewicht erdrückt. Außerdem überhitzen die Tiere schnell und sterben.
Freunde und Feinde
Kleine Walarten können großen Haien zum Opfer fallen. Große Schwertwale (Orcas) fressen ebenfalls kleine Walarten. Vor allem Jungtiere fallen den Schwertwalen zum Opfer.
Der größte Feind der Wale aber ist der Mensch. Durch die Jagd wurden viele Arten fast ausgerottet.
Jagd
Zahnwale machen Jagd auf Fische und Robben. Delfine oder Schwertwale jagen zum Teil gemeinsam in der Gruppe. Zahnwale können ihre Umgebung über Echoortung wahrnehmen. Dies hilft ihnen, Beutetiere aufzuspüren.

Buckelwale tun sich zusammen und bilden mithilfe von Luftblasen eine Art Vorhang, mit dem sie Fischschwärme zusammentreiben und eingrenzen. Dann schwimmen sie von unten mit offenem Maul in den Schwarm und schlucken die Fische.
Nachwuchs
Männchen und Weibchen treffen sich zur Paarung, bilden aber höchsten für eine Saison ein Paar. Die meisten Wale haben jedoch mehrere Partner. Die Tragzeit dauert je nach Art neun bis 16 Monate. Wale gebären wie alle Säuger Jungtiere, die bereits voll entwickelt sind. Meist kommt nur ein Junges zur Welt. Nach der Geburt hilft die Mutter dem Jungen an die Wasseroberfläche, damit es dort den ersten Atemzug machen kann. Bei vielen Arten helfen andere Artgenossen der Mutter bei der Betreuung der Jungen.
Belugawal Baby mit Mutter (Bild: dpa Picture-Alliance)Neugeborene Wale sind schon sehr groß, sie haben etwa ein Drittel der Körpergröße eines erwachsenen Tieres. Sie sind sofort sehr aktiv und schwimmen herum. Da Walkälber in der ersten Zeit mit der sehr fettreichen Milch ihrer Mutter gesäugt werden, wachsen sie schnell heran. Die Säugezeit dauert je nach Art vier Monate bis zu über einem Jahr.
Wale werden relativ spät geschlechtsreif, meist in einem Alter zwischen sieben und zehn Jahren. Der Pottwal wird erst mit 20 Jahren geschlechtsreif.
Sprache
Wale geben Laute von sich, die im Meer über Hunderte von Kilometern zu hören sind. Diese sogenannten Gesänge unterscheiden sich von Art zu Art, und auch die einzelnen Gruppen einer Art entwickeln unterschiedliche Gesänge - sie sprechen also regelrecht verschiedene "Dialekte". Sogar einzelne Tiere lassen sich an ihrem typischen Walgesang erkennen.
Autorin: Barbara Kiesewetter