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Die ewige Weltordnung

 
Hinduistischer Gott Shiva (Bild: dpa)
Großansicht: Hinduistischer Gott Shiva.Hinduistischer Gott Shiva.
Die Wurzeln des Hinduismus reichen mehr als 3.000 Jahre zurück. Nach Christentum und Islam ist der Hinduismus die drittgrößte Religionsgemeinschaft.
Ihre Anhänger leben fast alle in Indien. Sie werden "Hindus" genannt.
Ursprung
Hindus nennen ihre Religion auch "Sanatana Dharma", die "ewige Religion". Hindus glauben an Brahman, eine "göttliche Kraft", die alles beseelt und lebendig macht.
Hinduistischer Gott Vishnu (Bild: dpa)
Großansicht: Hinduistischer Gott Vishnu.Hinduistischer Gott Vishnu.
Viele Hindus verehren Vishnu, den Gott der Güte. Ab und zu kommt er als Tier oder Mensch auf die Erde, um Unheil abzuwenden.
Eine andere Hauptgottheit ist Shiva. Dieser Gott wird "der Zerstörer" genannt, er zerstört das Alte, damit Neues auf der Welt entstehen kann.
Seine ganze Kraft bekommt er von Shakti, der Göttin der Ur-Energie.
Heilige Schriften
Die älteste heilige Schrift im Hinduismus sind die Veden, das bedeutet "Wissen". Sie sind vor ungefähr 3.000 Jahren entstanden und enthalten uralte Erzählungen über Götter, magische Beschwörungen und Lieder, die früher von Priestern gesungen wurden.
Tempel in Goa (Bild: dpa)
Großansicht: Tempel in Goa.Tempel in Goa.
Heute zählen die Lehren der Upanishaden zu den wichtigsten heiligen Schriften. Das Wort bedeutet: "Sitze zu Füßen deines Lehrers". Die Lehrer geben darin den Menschen das Wissen über den Kreislauf von Leben und Tod weiter.
Die Bhagavadgita der "Gesang des Erhabenen", ist die bekannteste heilige Schrift der Hindus. Sie ist besonders beliebt bei Kindern, denn sie erzählt wunderbare Geschichten über den Helden Arjuna und seine Begegnungen mit dem Gott Krischna. Im Alltag der Hindus spielen Geschichten göttlicher Helden überhaupt eine große Rolle. Sie werden auf religiösen Festen vorgelesen, in Kinofilmen und sogar in Comics gezeigt.

Religiöse Gebote
Kühe sind für Hindus heilige Tiere (Bild: dpa)
Großansicht: Kühe sind für Hindus heilige Tiere.Kühe sind für Hindus heilige Tiere.
Das Dharma bestimmt für Hindus die Ordnung der Welt, der Tiere, Pflanzen und auch der Menschen. Das Karma, das Konto der guten oder schlechten Taten, bestimmt in welche Kaste ein Hindu geboren wird.
Ein gutes Karma bewirkt, dass die Seele in einem besseren Leben wiedergeboren oder sogar erlöst wird. Für Hindus kehrt die Seele nach dem Tod in einem anderen Lebewesen wieder auf die Erde zurück. Geburt, Tod und Wiedergeburt bilden einen ewigen Kreislauf, Samsara.
Allgemein gelten die zehn Lebensregeln, um ein gutes Leben im Alltag zu führen.
 
Autorin: Sabine Stadtmüller
 
Letzte Änderung am 23. Januar 2007
 
Im Text hervorgehobene Wörter:
Hinduismus: Der Hinduismus ist eine der ältesten Religionen. Heute ist er vor allem in Indien verbreitet. Hindus glauben an das Karma und die Wiedergeburt.
Dharma: Dharma ist die buddhistische Lehre. Das Dharma wird als ein Floß oder Schiff angesehen, das die Menschen über das Meer von Leiden in das Nirwana bringt. Die buddhistischen Glaubensrichtungen werden deshalb auch als "Fähren" oder "Fahrzeuge" bezeichnet: Hinayana, das kleine Fahrzeug und Mahayana, das große Fahrzeug.
Brahman: Brahman bedeutet für viele Hindus die "ewige Kraft", die allem zugrunde liegt, was existiert. Von Brahman geht alles aus, zu Brahman kehrt alles zurück. Wenn die Seele des Menschen eins wird mit dem Brahman, der "Weltseele", ist sie erlöst und muss nicht wiedergeboren werden.
Vishnu: Die meisten Hindus entscheiden sich für Vishnu als Hauptgottheit. Er ist "der Erhalter", der Gott der Güte und des Lichts. Ab und zu kommt er als Tier oder Mensch auf die Erde, um Unheil abzuwenden. Oft ist er mit einer sechsköpfigen Kobra, der Weltschlange, dargestellt. In der Hand hält er ein Scheibe, als Zeichen des Dharma, der Weltordnung.
Shiva: Shiva ist nach Vishnu die am meisten gewählte Hauptgottheit der Hindus. Er wird "der Zerstörer" genannt, denn er zerstört das Alte, damit Neues auf der Welt entstehen kann. Als Zeichen seiner Kraft wird er oft mit vielen Armen dargestellt. Er tanzt in einem Feuerkreis und unter seinen Füßen zertritt er das Böse. Seine ganze Kraft bekommt er von Shakti, der Göttin der Urenergie. Shiva ist Teil der Trimurti, der Dreieinigkeit.
Shakti: Shakti, die weibliche Urkraft und -energie des Universums, wird als "Gott in Gestalt der Mutter" verehrt. Für ihre AnhängerInnen ist sie die Kraft, durch die Götter, Welten und Menschen entstehen. Neben Vishnu und Shiva ist Shakti die wichtigste Hauptgottheit der Hindus.
Veden: Die Veden ("Wissen") sind eine Sammlung der ältesten und wichtigsten heiligen Schriften der Hindus. Sie sind vor ungefähr 3.500 Jahren entstanden und enthalten uralte Erzählungen über Götter, magische Beschwörungen und Lieder, die früher von Priestern gesungen wurden. Diese Texte werden meist nur von den Priestern, den Brahmanen verstanden. Größere Bedeutung für das religiöse Leben der Hindus haben heute die Lieder der Bhagavadgita.
Upanishaden: Upanishaden ist eine Sammlung heiliger Schriften der Hindus und heißt etwa "setze dich zu Füßen deines Lehrers". Die weisen Lehrer geben darin den Menschen das Wissen über den Kreislauf von Leben und Tod weiter. Diese Texte entstanden etwa 1000 Jahre v. Chr. und haben bis heute große Bedeutung für den Hinduismus.
Bhagavadgita: Bhagavadgita heißt "Gesang des Erhabenen" und ist heute die bekannteste heilige Schrift der Hindus. Sie ist besonders beliebt bei Kindern, denn sie erzählt die Geschichten des Fürsten und Helden Arjuna und seine Begegnungen mit dem Gott Krishna. Arjuna muss in eine große Schlacht ziehen und berät sich mit seinem Wagenlenker, der in der Gestalt Krishnas erscheint. Diese Unterhaltung enthält wichtige Lehren für Hindus über die Vergänglichkeit des Lebens, die Ewigkeit der Seele und ihre Erlösung, Moksha.
Dharma: Dharma bezeichnet die "ewige Ordnung" der Welt. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen sind den Gesetzen des Dharma unterworfen. Menschen werden nach der Ordnung des Dharma in Kasten eingeteilt. Wer die Regeln seiner Kaste befolgt, folgt dem Dharma und kann aus dem Kreislauf der Wiedergeburt erlöst werden. Hindus nennen ihre Religion auch "Sanatana Dharma", das "ewige Gesetz".
Karma: Karma heißt übersetzt "Tat" oder Wirken". Für Buddhisten und Hindus bedeutet Karma die Ansammlung guter oder schlechter Taten während eines Lebens. Ein schlechtes Karma zieht eine Wiedergeburt in einem schlechten Leben nach sich. Bei gutem Karma gehen die Gläubigen ins Nirwana ein und ihre Seele wird erlöst.
Kaste: In der indischen Gesellschaft sind die Menschen entsprechend ihrer Herkunft in Gruppen unterteilt, die Kasten genannt werden. In welche Kaste jemand hineingeboren wird, bestimmt das Karma. Es gibt vier Hauptkasten mit jeweils einigen hundert Unterkasten. Die Brahmanen, die Priester, bilden die höchste Kaste. Die Menschen, die keiner Kaste angehören, heißen , "Unberührbare".
Im modernen Indien sind vor dem Gesetz alle Menschen gleich. Die Bedeutung der Kasten ist jedoch spürbar.
Wiedergeburt: Buddhisten und Hindus glauben, dass ein Mensch nach seinem Tod wiedergeboren wird. Man kann als Tier oder Mensch wiedergeboren werden, das hängt ganz vom Karma ab. Buddhisten streben als höchstes Ziel die Befreiung aus diesem Kreislauf an, um ins Nirwana einzugehen. Bei den Hindus heißt der Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiedergeburt Samsara und auch für Hindus ist die Befreiung daraus das höchste Ziel.
Samsara: Samsara nennen die Hindus den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Ein Mensch wird nach seinem Tod so oft in ein anderes Leben hineingeboren, bis seine Seele Erlösung findet. Die Befreiung aus dem Samsara ist das höchste Ziel eines jeden Hindu.
Zehn Lebensregeln: Die Zehn Lebensregeln helfen den Hindus im Alltag ein gutes Leben zu führen:
1. Sich rein halten
2. Zufrieden sein
3. Freundlich und geduldig sein
4. Sich bilden
5. Sich ganz nach den Göttern richten
6. Nicht zerstören und verletzen
7. Nicht lügen
8. Nicht stehlen
9. Andere nicht beneiden
10. Nicht unbeherrscht und gierig sein.
Kastensystem (Bild: SWR)

Kastensystem

Nach der Lehre der Hindus wird jeder Mensch in eine Kaste hineingeboren.
Rituelles Bad im Ganges. (Bild: dpa)

Hindu sein

Was bedeutet es eigentlich Hindu zu sein? Und was ist mit den Frauen?
Besucher beim Kirchentag mit Transparenten (Bild: dpa)

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