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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Afrikanischer Strauß

Alltag
Afrikanischer Strauß (Bild: SWR)Strauße sind die Ferraris unter den Laufvögeln: Sie können ein Tempo von 50 Stundenkilometern ohne Mühe längere Zeit durchhalten, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 70 bis 80 Stundenkilometer.
Dabei machen sie Schritte von etwa dreieinhalb Metern Länge. Außerdem können sie etwa eineinhalb Meter hoch springen.
Die Tiere sind tagaktiv und vor allem in den Dämmerungsstunden am Morgen und Abend unterwegs auf Nahrungssuche.
Afrikanische Strauße mit erhobenen Köpfen (Bild: SWR)Wenn sie schlafen, legen sie sich auf den Boden, Hals und Kopf bleiben aber hoch erhoben. Nur im Tiefschlaf legen sie den Hals und Kopf auf den Boden oder in ihr Rückengefieder.
Strauße sind sehr gut an ein Leben in ihrer heißen, trockenen Heimat angepasst: Sie müssen nicht trinken, sondern können ihren Wasserbedarf aus der Nahrung decken.
Deshalb können sie lange Trockenzeit überdauern und auch Wüsten durchqueren.
Sie sind gesellige Vögel, die außerhalb der Brutzeit in unterschiedlich großen Gruppen leben: Meist sind es nur fünf, manchmal bis zu 50 Tiere. An Wasserlöchern sammeln sich noch größere Gruppen an.
Ein afrikanischer Strauß schlägt drohend mit den Flügeln (Bild: SWR)Obwohl es in diesen Gruppen eine klare Rangfolge gibt, ist der Zusammenhalt nicht sehr eng: Die einzelnen Strauße kommen schließen sich immer wieder zu neuen Gruppen zusammen.
Bei Rangeleien innerhalb der Gruppe zeigen die Tiere typische Drohgebärden: Sie stellen Flügel und Schwanzfedern auf und recken den Hals in die Höhe.
Ergibt sich ein Vogel dem ranghöheren, biegt er den Hals u-förmig durch und senkt den Kopf.
Immer wieder heißt es, dass Strauße bei Gefahr ihren Kopf in den Sand stecken. Das stimmt natürlich nicht. Aber wie kam es zu diesem Gerücht? Vermutlich liegt es daran, dass sich die Vögel bei Gefahr manchmal flach hinlegen und Hals und Kopf auf den Boden ausstrecken - dann sind Kopf und Hals aus der Ferne nicht mehr zu sehen.
Freunde und Feinde
Löwen und Leoparden können den Straußen gefährlich werden. Die Vögel schützen sich vor ihnen, indem sie in Gruppen leben und nach den Raubtieren Ausschau halten.
Außerdem können Strauße nicht nur schnell davonlaufen, sondern sich auch sehr gut zur Wehr setzen: Mit einem Tritt ihrer kräftigen Beine können sie einen Menschen und sogar einen Löwen töten. Und ihre gewaltigen, bis zu 10 Zentimeter langen Krallen an den Zehen sind gefährliche Waffen.
Nachwuchs
Die Paarungszeit liegt in manchen Regionen Afrikas zwischen Juni und Oktober, in anderen Gebieten können sich die Vögel das ganze Jahr über paaren.
Balzverhalten eines afrikanischer Straußen: er sitzt auf dem Boden und schwingt seine Flügel und seinen Hals hin und her (Bild: SWR)Wenn Paarungszeit ist, sieht man dies den Straußen-Männchen deutlich an: Dann leuchtet die Hautfarbe ihres Halses besonders intensiv.
Jetzt leben die Vögel nicht mehr in lockeren Gruppen zusammen, sondern die Männchen versuchen, nach und nach, einen Harem aus drei bis fünf Weibchen um sich zu scharen.
Dabei sucht sich der Straußen-Hahn eine Haupthenne sowie Nebenhennen. Meist handelt es sich dabei um jüngere Weibchen.
Um die Weibchen zu erobern, schwingt der Strauß seine Flügel auf und ab, er bläst seinen Hals auf, pendelt mit ihm nach rechts und links und geht auf das Weibchen zu.
Ein großes aufgebrochenes Straußenei und daneben ein Hühnerei, das sehr viel kleiner ist (Bild: SWR)Nach der Paarung wählt die Haupthenne aus den Nestgruben, die das Männchen angelegt hat, eine aus. In diese legt sie acht bis zwölf Eier. Auch die Nebenhennen legen ihre Eier in dieses Nest - allerdings an den Rand rund um die Eier der Haupthenne. So fallen zuerst die Eier der Nebenhennen eventuellen Nesträubern zum Opfer.
Ein Straußenei wiegt zwischen 1,3 und 1,8 Kilogramm und entspricht etwa 24 Hühnereiern.
Eine Gruppe von Vogelstrauß-Küken (Bild: SWR)Nach der Eiablage werden die Nebenhennen vertrieben, und das Männchen und die Haupthenne kümmern sich gemeinsam um die Brut.
Tagsüber brütet meist die Henne, nachts der Hahn. Nach etwa 42 Tagen schlüpfen die Küken. Unter den ausgebreiteten Flügeln der Eltern werden sie vor Sonne und Regen geschützt.
Kleine afrikanische Straußen-Küken auf Futtersuche (Bild: SWR)Schon nach drei Tagen können die Kleinen zum ersten Mal das Nest verlassen.
Noch tragen sie weiche Daunenfedern, doch nach drei Monaten bekommen sie ihre Jugend-Federkleid.
Mit einem Jahr sind sie schließlich ausgewachsen. Geschlechtsreif sind die Weibchen mit zwei, die Männchen mit drei bis vier Jahren.
Sprache
Vor allem bei der Balz und bei Rangstreitigkeiten lassen Straußen-Männchen ein gewaltiges, "bu bu buuuuu huuu" hören, das manchmal sogar an das Gebrüll eines Löwen erinnert. Außerdem können Männchen und Weibchen pfeifende, knurrende und grunzende Laute von sich geben.
Autorin: Barbara Kiesewetter