OLIs Wilde Welt
Ein männliches Birkhuhn im Schnee (Bild: picture-alliance/ dpa)

Birkhuhn


Lyrurus tetrix

Von den Hähnen der Birkhühner haben sich Menschen angeblich einen Tanz abgeschaut: Nach ihrem Balztanz soll der bayerische Schuhplattler entstanden sein!
Aussehen
Birkhuhnweibchen (Bild: SWR)
Birkhühner gehören wie die Auerhähne zu den Rauhfußhühnern und zu den schönsten unserer einheimischen Vögel. Sie sind etwa so groß wie ein Haushuhn, also ca. 40 bis 55 cm lang.
Die Männchen wiegen zwischen 1200 und 1300 Gramm, die Weibchen bringen es nur auf 750 bis 1000 Gramm. Während die Weibchen ein braun-beiges Federkleid tragen, mit dem sie hervorragend getarnt sind, sind die Männchen blauschwarz schillernd gefärbt und besitzen an den Flügeln je einen weißen Flecken und einen Streifen.
Kopf eines Birkhuhns (Bild: SWR)
Auf dem Kopf sitzen über den Augen die so genannten Rosen: Das sind zwei leuchtend rote Verdickungen.
Insgesamt sehen Birkhähne den Auerhähnen recht ähnlich, sie sind aber deutlich kleiner.
Außerdem sind die Schwanzfedern der Männchen nach außen gebogen. Daran lassen sich Birkhähne von den Auerhähnen auf den ersten Blick unterscheiden. Die Schwanzfedern der Weibchen sind deutlich gegabelt.

Birkhühner sind an ein Leben in rauem Klima angepasst. Ihr Federkleid schützt sie auch gegen grimmige Kälte und bedeckt sogar ihre Beine.
Heimat
Birkhühner waren einst von England über Mittel- und Nordeuropa, durch Osteuropa und Sibirien bis hin zur Pazifikküste verbreitet. In Deutschland sind sie heute sehr selten geworden. Nur in der norddeutschen Tiefebene, im bayerischen Wald und in den Alpen gibt es noch einige dieser Vögel.
Lebensraum
Birkhuhn (Bild: SWR)
Birkhühner leben in Moor- und Heidegebieten zwischen Sträuchern und Heidekraut.
Weil viele Moore bei uns trockengelegt wurden, um sie als Felder für die Landwirtschaft zu nutzen, finden die Birkhühner bei uns immer weniger geeignete Lebensräume.

In den Bergen leben sie zwischen der Wald- und Baumgrenze, wo sie offene Flecken, kleine Baumgruppen und Sträucher finden.
Rassen und Arten
Am nächsten mit dem Birkhuhn verwandt ist das Kaukasische Birkhuhn, das im Kaukasus und in Nordwestkleinasien lebt. Weitere Verwandte sind der Auerhahn, die Schneehühner und die Haselhühner. In Nordamerika leben ebenfalls Verwandte des Birkhuhns: die Waldhühner und die Präriehühner.
Alltag
Birkhühner sind standorttreue Vögel. Wenn sie einmal ein Revier erobert haben, leben sie dort über viele Jahre. Birkhühner sind tagaktiv und werden schon in den frühen Morgenstunden munter. Auf der Suche nach Nahrung streifen sie durch das Gebüsch und das Heidekraut. Sie halten sich aber immer in Gebieten auf, in denen sie bei Gefahr rasch Zuflucht unter Bäumen und dichten Sträuchern suchen können.
Balztanz eines Birkhahnes (Bild: SWR)
Im März und April ist bei den Birkhühnern Balzzeit. Tiere, die im Hochgebirge leben, beginnen mit der Balz jedoch erst im Mai und Juni.
Die Balz ist ein großartiges Schauspiel. Die Birkhähne balzen entweder allein oder in Gruppen von fünf und mehr Tieren.

Früher, als es noch viele Birkhühner gab, sollen sogar bis zu 50 Tiere gleichzeitig ihren Balztanz aufgeführt haben.
Birkhahn (Bild: SWR)
Frühmorgens fliegen die Birkhähne auf dem Balzplatz ein. Dann lassen sie viele merkwürdige Geräusche hören: Sie blasen und zischen, kullern, kollern, und gurgeln. Dabei fächern sie die Federn ihres Schwanzes auseinander und heben die Flügel etwas an.
Und obendrein springen sie zwischendurch immer wieder bis zu einem Meter hoch in die Luft.
Weil sie auch ihr übriges Gefieder bei diesem Balztanz aufplustern, wirken die Hähne viel größer, als sie wirklich sind.

Balztanz eines Birkhahnes (Bild: SWR)
Mit diesem Tanz locken sie die Hennen an, werben um sie und paaren sich schließlich mit ihnen. Manchmal kommt es vor, dass sich Birkhühner und Auerhühner paaren. Die daraus entstehenden Mischlinge werden Rackelhühner genannt.
Im Winter legen Birkhühner selbst gegrabene Schneehöhlen an, in denen sie die Nächte, aber auch sehr kalte Tage verbringen, um vor der Kälte geschützt zu sein. Dann verbringen sie bis zu 22 Stunden in dieser Höhle und verlassen sie nur am frühen morgen, um kurz zu fressen.
Freunde und Feinde
Vor allem Greifvögel wie der Habicht können Birkhühnern gefährlich werden. Ihnen fallen vor allem kleine Birkhuhnküken zum Opfer. Aber auch Füchse und Rabenkrähen machen Jagd auf Birkhühner. Früher wurden sie aber auch häufig vom Menschen gejagt und ausgestopft.
Nachwuchs
Das Brüten und die Aufzucht der Jungen ist bei den Birkhühnern Sache der Weibchen. In ein muldenförmiges Nest auf dem Boden legen sie sieben bis zwölf Eier und brüten sie in etwa 25 Tagen aus.
Küken (Bild: SWR)
Die kleinen Birkhühner sind Nestflüchter, das heißt, sie verlassen sofort das Nest und folgen ihrer Mutter.

Schon mit zwei Wochen können sie fliegen und mit vier Wochen sind sie selbstständig. Oft bleiben sie aber noch bis in den Winter hinein zusammen.

Im August färben sich bei den Junghähnen die Federn am Hals langsam blauschwarz, und im Oktober tragen sie schon das Federkleid eines erwachsenen Birkhahns.
Sprache
Vor allem bei der Balz lassen Birkhähne viele Geräusche wie Blasen, Zischen, Kullern, Kollern und Gurgeln hören. Manchmal krähen sie aber auch.
Ernährung
Junge Birkhühner, die noch tüchtig wachsen müssen, brauchen Nahrung mit viel Eiweiß. Sie fressen Würmer, Spinnen, Schnecken und Insekten. Erwachsene Birkhühner sind dagegen überwiegend Vegetarier: Sie ernähren sich von Blättern, Sprossen, Samen, Früchten und im Winter von den Nadeln der Bäume, von Knospen und von Baumrinde.
Wichtig ist, dass ihre Nahrung vielfältig ist, also aus vielen verschiedenen Pflanzen-Arten besteht, sonst werden die Birkhühner krank.