OLIs Wilde Welt
Blutegel auf einer Hand. (Bild: dpa picture-alliance )

Blutegel


Hirudo medicinalis

Blutegel werden seit Jahrhunderten in der Medizin verwendet. Nachdem sie eine Zeit lang fast vergessen waren, kommen sie heute wieder häufiger zum Einsatz.
Aussehen
Zwei Blutegel auf einer Hand (Bild: SWR)
Blutegel gehören zur Klasse der Gürtelwürmer und dort zur Ordnung der Egel und zur Unterordnung der Kieferegel. Damit zählen sie zu den Ringelwürmern und sind mit dem Regenwurm verwandt.

Blutegel bestehen aus 32 Körpersegmenten.

Allerdings entsprechen die äußerlich zu erkennenden Abschnitte nicht den inneren Körpersegmenten.

Ein Blutegel hat sich an einer Scheibe festgesaugt (Bild: SWR)
Am vorderen und am hinteren Ende befindet sich je ein Saugnapf, der aus mehreren Körpersegmenten besteht.

Mit dem hinteren Saugnapf halten sich Blutegel am Untergrund fest, der vordere enthält die Mundöffnung und dient zum Saugen.
Im Mund befinden sich drei Kiefer und etwa 80 Kalkzähnchen.


Ein Blutegel schwimmt im Wasser (Bild: SWR)
Blutegel sind nicht rund wie Regenwürmer. Sie haben einen ovalen Körperquerschnitt. Ihr Rücken ist dunkelgrün gefärbt und an beiden Körperseiten verlaufen je drei braune Längsstreifen.

Erwachsene Blutegel sind, wenn sie sich ausstrecken, bis zu 15 Zentimeter lang.
Heimat
Blutegel sind auf der ganzen Welt verbreitet. Die meisten leben im Süßwasser, nur wenige im Meer.
Lebensraum
Mehrere Blutegel im Wasser (Bild: SWR)
Blutegel können nur in einer feuchten Umgebung überleben.

Sie tummeln sich in meist im Süßwasser, also in Tümpeln, Teichen und Pfützen, aber auch in langsam fließenden Gewässern. Das Wasser muss viele Pflanzen haben und sehr sauber sein.

Und natürlich muss es tief genug sein, so dass es im Winter nicht zufriert und die Egel dort überleben können.
Rassen und Arten
Auf der Welt gibt es rund 600 verschiedene Blutegel-Arten. Je nach Art werden sie zwischen einem halben Zentimeter und 30 Zentimeter lang und ernähren sich vom Blut verschiedener Tiere.
Lebenserwartung
Im Labor können Blutegel bei guter Halten bis zu 20 Jahre alt werden. Das ist für ein so kleines Tier ein enorm hohes Alter.
Alltag
Ein Blutegel auf einer Hand (Bild: SWR)
Der Blutegel heißt offiziell "Medizinischer Blutegel", weil er schon seit Jahrhunderten in der Medizin eingesetzt wird. Dazu werden aber nur Blutegel verwendet, die im Labor gezüchtet wurden.
Zum Saugen halten sich die Blutegel mit dem hinteren Saugnapf auf der Haut fest, mit dem vorderen suchen sie eine geeignete Stelle zum Zubeißen.
Viele Blutegel im Wasser (Bild: SWR)
Beim Saugen geben sie verschieden Substanzen in die Wunde. Sie hemmen die Blutgerinnung, bekämpfen Entzündungen und lindern Schmerzen. Deswegen werden Blutegel auch an Menschen angesetzt.
Meistens werden sie gegen Blutgerinnsel und Blutergüsse sowie bei Krampfadern und Venenentzündungen, bei Rheuma und Arthrosen eingesetzt. Neuere Forschungen zeigen, dass Blutegel eine sehr heilsame Wirkung bei Gelenkentzündungen haben und die Schmerzen besser lindern als viele Schmerzmittel.
Schwimmender Blutegel (Bild: SWR)
Blutegel können sehr gut schwimmen, sie bewegen sich aber auch an Land recht geschickt. Dazu verwenden sie ihre Saugnäpfe, mit denen sie sich am Untergrund festhalten und den Körper so Stück für Stück fortbewegen.

Für den Laien können sie dabei von weitem schon mal aussehen wie ein dicker Regenwurm.
Nachwuchs
Ein Blutegel an Land (Bild: SWR)
Blutegel sind Zwitter, das heißt jedes Tier hat männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane. Meist befruchten sich zwei Tiere gegenseitig.
Zur Fortpflanzung brauchen Blutegel ein Gewässer mit gleichbleibendem Wasserstand. Die Befruchtung findet zwischen April und Oktober statt.
Ein Blutegel legt bis zu 30 Eier in einem Kokon in die feuchte Ufererde ab, so dass sie nicht austrocknen können. Nach etwa sechs Wochen schlüpfen die jungen Blutegel. Sie messen nur 16 Millimeter. Erst im Alter von etwa vier Jahren können Blutegel zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden.
Ernährung
Zwei Blutegel auf einer Hand (Bild: SWR)
Blutegel sind Parasiten, das heißt, sie leben vom Blut anderer Tiere. Junge Blutegel ernähren sich zunächst von kleinen Tieren im Wasser, die sie fressen. Aber sie saugen auch schon Blut an Fröschen, Kröten und Fischen.

Erwachsene Blutegel saugen bevorzugt am Säugetieren oder Menschen.
Je mehr Blut von warmblütigen Tieren sie saugen, umso früher werden sie geschlechtsreif und umso mehr Eier legen sie.
Zunächst saugen sich Blutegel an der Haut der Tiere fest und beißen sie auf. Weil sie gleichzeitig ein natürliches Schmerzmittel in die Wunde abgeben, tut dieser Biss nicht weh. Anschließend saugen sich die Tiere bis zu 30 Minuten lang voll Blut. Sie können dabei das Fünffache ihres Körpergewichts aufnehmen
Beim Saugen dicken Blutegel das Blut ein und scheiden das darin enthaltene Wasser über ihre Haut aus. Haben sie sich vollgesaugt, lassen sie sich von selbst wieder abfallen.
Blutegel können das gesaugte Blut über lange Zeit in ihrem Magen speichern und innerhalb mehrerer Monate verdauen. Das kann bis zu 18 Monate dauern.
Haltung
Blutegel werden in medizinischen Labors gehalten und gezüchtet.