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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Brillenkaiman

Alltag
Brillenkaiman im flachen Wasser  (Bild: SWR)
Obwohl Brillenkaimane große Tiere sind, sind sie nur schwer in ihrem natürlichen Lebensraum zu entdecken:
Den größten Teil ihrer Zeit verbringen sie damit, am Ufer oder im Wasser auf Beute zu lauern oder sich zu sonnen.
Meist liegen die Tiere dabei still im Wasser. Nur Augen und die Schnauzenspitze mit den Nasenlöchern ragen über die Wasseroberfläche.
Brillenkaiman und Schildkröte im Wasser  (Bild: SWR)
Wie alle Krokodile sind Brillenkaimane perfekt an ein Leben im Wasser angepasst. Wenn sie schwimmen oder tauchen, können sie sich geräuschlos bewegen und sind so kaum zu entdecken.
Beim Schwimmen unter Wasser verschließen sie ihre Nasenlöcher und Ohren durch spezielle Klappen.
Die Augen werden durch ein durchsichtiges Augenlid - die so genannte Nickhaut - geschützt.

Brillenkaiman im Wasser  (Bild: SWR)
Durch besondere Anpassungen ihres Blutkreislaufes können sie über eine Stunde lang tauchen, ohne zum Luft holen an die Wasseroberfläche kommen zu müssen.

Brillenkaimane leben zwar meist in Gruppen, der Zusammenhalt zwischen den Tieren ist aber nur locker und es gibt keine ausgeprägte Rangordnung. Brillenkaimane gelten als ziemlich angriffslustig und bissig.
Freunde und Feinde
Während viele junge Brillenkaimane von Vögel oder Reptilien gefressen werden, haben erwachsene Kaimane keine Feinde. Nur der Mensch bedroht sie sehr stark: in den letzten 150 Jahren wurden Kaimane so stark gejagt, dass sie an manchen Orten fast ausgerottet wurden. Außerdem finden sie immer seltener geeignete Lebensräume, in denen sie ungestört sind.
Nachwuchs
Bei der Paarung umklammert das Brillenkaiman-Männchen das Weibchen mit den Vorderbeinen und dreht den Schwanz seitwärts nach unten, so dass die Körper der Tiere eng aneinander liegen.

Danach baut das Brillenkaiman-Weibchen ein Nest, in das es 25 bis 35 etwa 5,5 bis 6,5 Zentimeter große Eier legt und diese mit Pflanzenresten zudeckt. Das Pflanzenmaterial verrottet wie in einem Komposthaufen, und so entsteht die für das Ausbrüten der Eier notwendige Wärme. Dabei gibt es eine Besonderheit: Liegt die Temperatur im Nest unter 31°C, entwickeln sich in den Eiern nur weibliche Tiere, liegt die Temperatur über 32° C, entstehen nur Männchen. Das Weibchen bewacht sein Gelege.

junger Brillenkaiman  (Bild: SWR)
Nach etwa 85 bis 90 Tagen, kurz bevor die Brillenkaiman-Babys schlüpfen, beginnen sie, noch im Ei zu rufen. Dann legt das Weibchen die Eier wieder frei und zerbricht vorsichtig die Eierschalen, damit die Kleinen leichter aus dem Ei kriechen können.
Frisch geschlüpfte Brillenkaimane sind gelb-braun gefärbt und haben sechs schwarze Querstreifen auf dem Körper und sieben Querstreifen auf dem Schwanz.

Nach dem Schlüpfen trägt die Mutter die 15 bis 20 Zentimeter großen Jungen in ihrem Maul zum Wasser.

junger Brillenkaiman  (Bild: SWR)
In der nächsten Zeit versucht sie, ihren Nachwuchs vor Fressfeinden wie Vögeln, Schildkröten und anderen Reptilien zu beschützen.
Zum Sonnen klettern die jungen Brillenkaimane oft auf den Rücken ihrer Mutter.

Trotz aller Achtsamkeit werden sehr viele junge Brillenkaimane gefressen - zum Beispiel von Raubfischen und Schlangen, aber auch von anderen Alligatoren und Kaimanen.
Nur zwei bis fünf Prozent der Jungen erreichen die Geschlechtsreife. Diese tritt ein, wenn die Weibchen 1,2 bis 1,5 und die Männchen 1,4 bis 1,6 Meter lang sind.
Sprache
Junge Brillenkaimane lassen bei Gefahr quäkende Rufe hören. Erwachsene Tiere fauchen oder geben ein Bellen oder Brüllen von sich.
Autorin: Barbara Kiesewetter