OLIs Wilde Welt
Ein Buntspecht (Bild: picture alliance / dpa)

Buntspecht


Dendrocopos major

Die schwarz-weiß-roten Buntspechte verraten sich schon von weitem durch ihr lautes Trommeln. Oft lassen sie sich sogar an Bäumen in unseren Gärten beobachten.
Aussehen
Ein Buntspecht schaut nach links (Bild: NABU / Frank Derer)Buntspechte gehören zur Familie der Spechte und dort zur Gattung der Buntspechte.
Sie messen vom Schnabel bis zur Schwanzspitze maximal 25 Zentimeter und wiegen 74 bis 95 Gramm.
Weil ihr Gefieder ganz auffällig schwarz-weiß-rot gefärbt ist, sind sie wirklich kinderleicht zu erkennen: Auf der Oberseite sind sie schwarz mit zwei großen weißen Flecken auf den Flügeln, der Bauch ist gelblich grau.
Rechts und links des Schwanzansatzes befindet sich je großer roter Fleck. Die Männchen haben zusätzlich einen roten Fleck im Genick.
Der Kopf ist an den Seiten weiß mit schwarzen Bartstreifen. Jungvögel haben eine rote Kopfoberseite.
Buntspecht hängt an einem Baumstamm (Bild: dpa Picture-Alliance)Typisch für Spechte sind auch die spitzen, gebogenen Krallen an den Füßen, mit denen sie gut an Baumstämmen klettern können. Zwei Zehen zeigen nach vorne, zwei nach hinten. So können sich die Vögel an Ästen und Baumstämmen gut festhalten.
Buntspechte haben noch eine Besonderheit: Sie besitzen eine ungewöhnlich dicke Haut. So sind sie vor den Stichen der Insekten - ihrer liebsten Beute – gut geschützt.
Heimat
Buntspechte sind die bei uns häufigste Spechtart. Sie kommen außer in Europa in Teilen Asiens und in Nordafrika vor.
Lebensraum
Ein Buntspecht sitzt an einem Futterhäuschen (Bild: dpa Picture-Alliance)Buntspechte finden man in Laub- und Nadelwäldern, aber genauso gut in Parks und Gärten - also überall dort, wo es Bäume gibt.
Je mehr altes oder totes Holz es in einem Gebiet gibt, umso lieber siedeln sich dort Buntspechte an.
Oft kann man sie ganz einfach rund ums Haus in den Bäumen im Garten beobachten.
Rassen und Arten
Schwarzspecht (Bild: dpa Picture-Alliance)Von dem bei uns heimischen Buntspecht gibt es in den unterschiedlichen Regionen seines Verbreitungsgebiets etwa 20 Unterarten.
Diese kommen von den Kanarischen Inseln über Nordafrika und ganz Europa bis nach Kleinasien und in Teilen Asiens vor.
Verwandte des Buntspechts, die ebenfalls bei uns leben, sind beispielsweise der Mittelspecht, der Kleinspecht, der Dreizehenspecht, der Grünspecht und der Schwarzspecht.
Lebenserwartung
Buntspechte können bis zu acht Jahre alt werden.
Alltag
Buntspecht pickt Würmer aus dem Baumstamm (Bild: SWR)Buntspechte sind tagaktive Vögel, die nicht nur an ihrer auffälligen Färbung leicht zu erkennen sind. Auch ihre Haltung ist typisch: Meist sieht man sie aufrecht an Ästen sitzen oder geschickt an Stämmen empor laufen. Wenn sie nach unten wollen, laufen sie niemals mit dem Kopf voran, sondern klettern rückwärts hinunter.
Buntspechte sind keine großen Flugkünstler. Sie können natürlich fliegen und ihr wellenförmiger Flug ist unverkennbar. Aber sie legen keine großen Strecken zurück, sondern bleiben meist in ihrem Revier und klettern dort auf den Bäumen umher.
Buntspecht-Männchen klopft gegen Baumstamm (Bild: dpa Picture-Alliance)Der Schnabel der Buntspechte ist ein vielseitiges Werkszeug: Er dient zum Aushöhlen einer Nisthöhle, zum Hacken in Ästen und zum Bohren nach Nahrung in der Baumrinde. Um Larven und Insekten aus dem Holz zu ziehen, benutzen sie ihren Schnabel wie eine Pinzette.
Und natürlich dient der Schnabel zum Trommeln, Klopfen und Hämmern: Buntspechte trommeln auf allem, was laut ist: Auf hohlen Baumstämmen, toten Ästen, aber auch auf Regenrinnen oder Fensterrahmen. Aber wie halten Buntspechte das heftige Hämmern aus?

Ganz einfach: Sie besitzen zwischen Schnabelbasis und Schädel eine gelenkartige, federnde Verbindung, die wie ein Stoßdämpfer wirkt. Außerdem haben sie im Hinterkopf starke Muskeln und stabile Knochen.
Ein Buntspecht-Weibchen blickt aus seinem Bau (Bild: dpa Picture-Alliance)Buntspechte bleiben bei uns das ganze Jahr über in ihrem Revier. Vögel aus Nord- und Osteuropa ziehen dagegen im Winter in Richtung Süden, zum Beispiel nach Norddeutschland.
Buntspechte zimmern im Laufe ihres Lebens viele Höhlen, die auch von anderen Vogelarten genutzt werden. Sperlingskäuze brüten immer in alten verlassenen Spechthöhlen, aber auch Stare, Meisen und sogar Fledermäuse, Eichhörnchen oder Siebenschläfer ziehen als Nachmieter gern in alte Spechthöhlen ein.
Freunde und Feinde
Kleine Raubtiere wie Marder sowie Greifvögel wie Sperber und Habichte oder Waldkäuze und andere Eulen werden vor allem jungen Buntspechten gefährlich.
Nachwuchs
Wenn Buntspecht-Männchen bei der Balz sich um ein Weibchen streiten, reißen sie den Schnabel weit auf und stellen die Kopffedern auf.
Hat ein Männchen ein Weibchen erobert, bleiben die beiden für eine Brutsaison zusammen. Sie zimmern - meist gemeinsam - mit dem Schnabel eine 30 bis 50 Zentimeter tiefe Bruthöhle.
Junge Specht-Küken in ihrem Nest (Bild: SWR)Nach der Paarung legt das Weibchen vier bis sieben weiße Eier. Diese bebrüten Männchen und Weibchen abwechselnd elf bis zu 13 Tage lang.
Die Jungen werden von beiden Eltern drei bis vier Wochen gefüttert, bis sie flügge und selbstständig sind. Mit einem Jahr werden sie geschlechtsreif.
Sprache
Rufe wird man von Buntspechten kaum hören, höchstens kurze Kick- oder Kix-Laute. Dafür ist das Trommeln der Buntspechte unverkennbar. Meist folgen 10 bis 20 Schläge blitzschnell aufeinander. Ab Dezember, wenn die Balzzeit beginnt, trommeln Buntspechtmännchen länger und häufiger als sonst.

Dieses Trommeln dient ihnen nun dazu, ihr Revier abzugrenzen und Weibchen anzulocken. Auch Buntspechtweibchen trommeln und machen so die Männchen auf sich aufmerksam.
Ernährung
Buntspecht frisst einen Wurm (Bild: dpa Picture-Alliance)Buntspechte sind Allesfresser. Von Frühjahr bis Herbst ernähren sie sich von Insekten und deren Larven. Diese holen sie mit ihrem Schnabel unter der Baumrinde hervor.
Sie mögen auch Früchte oder hacken Löcher in die Baumrinde, um Baumsäfte zu trinken. Im Winter, wenn es nur wenige Insekten gibt, fressen Buntspechte Samen, Nüsse und Beeren.
Ein Buntspecht frisst von einem Meisenknödel (Bild: dpa Picture-Alliance)Samen aus Zapfen und Nüsse müssen sie vor dem Fressen mit dem Schnabel knacken: Sie halten Nüsse und Zapfen aber nicht mit dem Fuß fest, sondern klemmen sie in Spalten oder in selbst gehackten Löcher in Ästen und Stämmen ein. Solche Spalten und Löcher nennt man dann Spechtschmieden.
Buntspechte lassen sich im Winter auch an Futterhäuschen sehen und machen auch vor Meisenknödeln nicht Halt.