OLIs Wilde Welt
Madagaskar-Fauchschabe (Bild: imago/blickwinkel)

Fauchschabe


Gromphadorrhina portentosa

Ihren Namen trägt die Fauchschabe, weil sie fauchende und zischende Geräusche von sich geben kann. Da sie aus Madagaskar stammt, wird sie auch Madagaskar-Fauchschabe genannt.
Aussehen
Fauchschabe (Bild: SWR)
Die Madagaskar-Fauchschaben gehören zur Ordnung der Schaben und damit zu den ältesten Insekten: Sie krabbeln bereits seit etwa 350 Millionen Jahren über die Erde. In dieser Zeit haben sie sich - anders als andere Tiergruppen - nur wenig verändert.
Schaben sehen heute noch fast genauso aus wie ihre urzeitlichen Vorfahren. Ihr länglich-ovaler Körper hat sechs Beine, Kopf und Brust sind meist braunschwarz gefärbt, der Hinterleib ist braun gebändert. Fauchschaben-Weibchen sind bis zu sechs Zentimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner und werden bis zu 5,5 Zentimeter groß.

Riesenfauchschabe (Bild: SWR)Männchen und Weibchen lassen sich gut voneinander unterscheiden: Ausgewachsene Männchen tragen auf dem Halsschild zwei hörnerförmige Höcker, außerdem sind ihre Fühler, die so genannten Antennen, dichter mit feinen Härchen besetzt als bei den Weibchen. Sie sehen fast buschig aus.
Heimat
Die Madagaskar-Fauchschabe stammt, wie ihr Name schon sagt, von der tropischen Insel Madagaskar, die vor der Südostküste Afrikas liegt. Die Schaben leben vor allem an der Ostküste der Insel.
Lebensraum
Madagaskar-Fauchschaben halten sich gerne auf Bäumen und in Büschen auf, man findet sie aber auch zwischen Laub auf dem Boden.
Rassen und Arten
Totenkopfschabe (Bild: SWR)
Es gibt etwa 3500 verschiedene Schaben-Arten, aber nur 15 davon leben in Mitteleuropa.
Bei uns bekannt ist die Deutsche Schabe und die Küchenschabe, die sich gerne in Küchen oder Bäckereien breit macht.
Eine nahe Verwandte der Madagaskar-Fauchschabe ist die Riesenfauchschabe, die ebenfalls nur in Madagaskar zu finden ist. Beide Arten gleichen sich in der Lebensweise und im Aussehen sehr stark. Allerdings wird die Riesenfauchschabe deutlich größer, sie erreicht eine Körperlänge von bis zu zehn Zentimetern. Auch bei Riesenfauchschaben sind die Männchen etwas kleiner als die Weibchen.
Anders als die meisten anderen Schaben besitzen Riesenfauchschaben keine Flügel. Ihr Panzer ist fest am Körper verankert, sie können also nicht vom Boden abheben.
Lebenserwartung
Fauchschaben können bis zu drei Jahre alt werden. Das ist für Insekten sehr alt.
Alltag
Fauchschaben (Bild: SWR)
Über das Leben der wilden Madagaskar-Fauchschaben ist nur wenig bekannt, sie sind kaum erforscht.

Sicher ist, dass sie am Tag ziemlich versteckt in den Büschen und Bäumen sitzen.
Erst nachts werden sie im Schutz der Dunkelheit aktiv. Manchmal sind sie aber auch tagsüber zu sehen.

Dann suchen sie Nahrung und verteidigen ihr Revier gegen Eindringlinge. Reichen Drohgebärden nicht aus, um einen ins Revier eindringenden Artgenossen zu vertreiben, kann es zwischen Fauchschaben-Männchen zum Kampf kommen.
Kopf einer Riesenfauchschabe mit Rückenschild und "Höckern" (Bild: SWR)Dabei setzen sie die beiden kleinen Hörner auf ihrem Rückenschild ein. Die Männchen berühren sich zunächst mit den Fühlern, rammen ihren Gegner dann mit diesen Hörnern und versuchen, ihn weg zu stoßen.
Sie beißen sich auch gegenseitig und führen mit ihren Fühlern regelrechte Fechtkämpfe aus.
Während dieser Revierkämpfe heben sie auch ihren Hinterleib an und wackeln mit ihm hin und her.

Jemand berührt den Rücken einer Riesenfauchschabe mit einem Finger, dabei gibt sie Fauchgeräusche von sich (Bild: SWR)Den Namen "Fauchschabe" tragen sie, weil sie beim Zusammenpressen ihres Hinterleibs fauchende Laute erzeugen.
Bei Zusammenpressen können sie Luft durch die Atemlöcher im Körper, die so genannten Tracheen, ausstoßen.
So kommt dieses fauchende oder zischende Geräusch zustande.
Freunde und Feinde
Hauptfeinde der Schaben sind andere Insekten sowie Vögel und Reptilien.
Nachwuchs
Fauchschaben pflanzen sich für Insekten sehr ungewöhnlich fort: Die Weibchen legen keine Eier, sondern bringen lebende Junge zur Welt. Das heißt, dass sich die Eier im Körper der Mutter entwickeln und die Jungtiere noch in der Mutter aus den Eiern schlüpfen, bevor sie zur Welt kommen.

Die Entwicklung vom Ei bis zum Jungen dauert 60 bis 70 Tage. Danach bringt ein Weibchen innerhalb von zwei Tagen 20 bis 40 Junge zur Welt. Diese sind etwa 1,2 Zentimeter groß und müssen sich noch sechsmal häuten, bis sie erwachsen sind.
Fauchschabe (Bild: SWR)
Kurz vor der Häutung lässt sich am Rücken die Häutungsnaht erkennen, an der der alte Panzer aufplatzt. Er besteht aus Chitin.

Unter dem alten Panzer wird dann der neue, helle Chitin-Panzer sichtbar. Er wird erst innerhalb von 24 Stunden fest und färbt sich dabei bräunlich.

Je nach Temperatur und Futterangebot kann die Entwicklung vom Jungtier bis zur erwachsenen Schabe fünf bis zehn Monate dauern.
Sprache
Die zischenden und fauchenden Laute der Fauchschaben dienen nicht nur dazu, Feinde abzuwehren. Sie sind auch dazu da, mit Artgenossen zu kommunizieren.

Forscher haben fünf verschiedene Zisch-Laute der Schaben entdeckt. Man hört diese Laute meist bei Revierkämpfen.
Ernährung
Fauchschabe (Bild: SWR)
Ganz genau ist nicht bekannt, was wilde Madagaskar-Fauchschaben fressen. Vermutlich ernähren sie sich von frischen und verrotteten Pflanzenteilen; manchmal fressen sie aber auch Aas.

Im Terrarium werden sie mit Salat, Obst wie Äpfeln und Karotten sowie Blättern von Laubbäumen gefüttert.

Bekommen sie genug feuchtes Futter, brauchen die Tiere keine extra Tränke.
Haltung
Auch wenn Fauchschaben nicht besonders schön sind, werden sie doch von manchen Insekten-Liebhabern gehalten. Dazu reicht ein einfaches Plastikaquarium oder Terrarium oder ein anderer großer Glasbehälter. Dabei ist es wichtig, dass die Terrarien gut geschlossen und absolut dicht sind. Denn Schaben sind wahre Ausbruchskünstler - sie können sogar glatte Glasscheiben hochlaufen.

Rindenstücke (Bild: SWR)
Ein Terrarium für zwei Schaben sollte 30 x 20 x 20 Zentimeter groß sein. Am besten hält man aber mehrere Tiere in einem größeren Behälter, weil man dann ihr Verhalten besser beobachten kann.
Der Boden des Terrariums wird mit Laubstreu und Rindenstücken, Erde und Rindenmulch (so wird zerkleinerte und gesiebte Baumrinde genannt) sowie Zweigstückchen eingestreut.

Außerdem verteilt man größere Steine und Rindenstücke sowie Äste in dem Behälter, damit sich die Tiere wohl fühlen und Reviere abgrenzen können.
Fauchschabe auf Hand (Bild: SWR)
Will man eine Schabe in die Hand nehmen, greift man sie am besten mit Daumen und Zeigefinger an beiden Seiten der Brust und hebt sie auf. Dabei muss man vorsichtig ziehen, weil sich die Schaben mit den Füßen am Boden festheften.
Setzt man sie sich auf die Hand, bleiben sie meist ruhig sitzen oder krabbeln nur langsam umher. Fauchschaben beißen nicht und sind für den Menschen ungefährlich.
Oft werden Fauchschaben in Schulen gehalten, weil sich an ihnen gut das Verhalten von Insekten beobachten lässt.
Pflegeplan
Fauchschaben kommen aus den Tropen, deshalb mögen sie es warm und feucht. Der Boden muss daher regelmäßig eingesprüht werden, darf aber nicht nass sein.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 60 % liegen, und die Temperatur zwischen 23°C und 28°C. Als Heizung eignen sich Heizstrahler oder Heizmatten.
Eine extra Beleuchtung ist nicht notwendig, das normale Tageslicht reicht völlig aus.

Alle vier bis fünf Monate muss die Einstreu gewechselt werden und natürlich muss man jeden Tag alte Futterreste entfernen.