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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Faultiere

Alltag
Ein Zweifinger-Faultier frisst eine Möhre, die es mit seinen Krallen festhält (Bild: SWR)Faultiere sind recht gemütliche Zeitgenossen und gelten als die langsamsten Säugetiere. Sie verbringen fast die ganze Zeit ruhig auf einem Baum.
Meist hängen sie dort mit den Krallen an einem Ast, rollen sich ein, legen den Kopf auf die Brust und schlafen bis zu 15 Stunden pro Tag. Oder sie sitzen in dieser Haltung in einer Astgabel.
Wenn sie wach werden, machen sie sich auf die Futtersuche, aber auch dabei bewegen sie sich wie in Zeitlupe: Die Tiere hangeln sich mit dem Rücken nach unten hängend an Ästen entlang. Wenn sie ihr Futter, also Blätter, Früchte und Blüten, nicht direkt mit dem Maul erreichen, angeln sie es sich mit den Krallen heran.
Ein junges Zweifinger-Faultier streckt sich nach den Blättern einer Pflanze aus (Bild: SWR)Faultiere verlassen die Baumkronen nur, wenn es dort kein Futter mehr gibt und auch kein anderer Baum auf direktem Weg erreichbar ist. Dann klettern sie auf den Boden und krabbeln sehr unbeholfen zu einem anderem Baum.
Sie können dabei nur auf dem Bauch liegend mit den Beinen vorwärts robben. Im Wasser erweisen sie sich dagegen als ziemlich gute Schwimmer.
Doch tragen diese friedlichen Urwaldbewohner den Namen "Faultier" wirklich zu Recht? Auch wenn sie etwa 15 Stunden täglich schlafen: Die Antwort lautet "Nein".
Ein junges Zweifinger-Faultier liegt flach auf seinem Bauch (Bild: SWR)Denn Faultiere sind nicht faul, sondern haben sich an ihre besonderen Lebensbedingungen clever angepasst.

Weil ihre Nahrung leicht erreichbar ist, ist es gar nicht nötig, dass sie sich schnell bewegen.
Auch weil pflanzliche Kost nicht so viel Energie liefert, hat sich die langsame Lebensweise der Tiere bewährt. Sie verbrauchen so weniger Energie und kommen mit dem Pflanzenfutter zurecht.
Ein Zweifinger-Faultier (Bild: SWR)Außerdem hat ihre Langsamkeit noch einen großen Vorteil: Wer nicht hektisch durch das Geäst der Bäume springt, wird auch von eventuellen Feinden kaum bemerkt.
Ein Raubtier wird die Faultiere, die sich gerade mal im Schneckentempo bewegen, nicht so schnell entdecken. Außerdem sorgt das durch die Algen grünlich getönte Fell dafür, dass die Tiere perfekt getarnt und fast unsichtbar sind.
Freunde und Feinde
Neben Raubtieren ist vor allem der Mensch eine Gefahr: Faultiere werden in manchen Regionen Südamerikas gejagt. Ihr Fleisch wird gegessen und ihr Fell als Satteldecke verwendet.
Nachwuchs
Faultier, das ein Junges auf seinem Bauch trägt, während es an einem Ast hängt. (Bild: SWR)Faultiere können sich rund ums Jahr fortpflanzen. Die Tragzeit dauert bei Dreifinger-Faultieren drei bis viereinhalb Monate, bei Zweifinger-Faultieren acht bis neun Monate. Meist kommt nur ein Jungtier zur Welt. Die Weibchen gebären die Jungen, indem sie im Baum hängen.

Die Babys kommen mit dem Kopf voran zur Welt, krabbeln auf den Bauch der Mutter zur Brust. Dort krallen sie sich fest und saugen an den Zitzen, die in den Achseln der Vorderbeine sitzen.
Junges Zweifinger-Faultier klammert sich an OLIs Hals (Bild: SWR)Faultier-Junge bleiben die ganze Zeit im Fell der Mutter festgeklammert. Wird es beim Hangeln durch das Geäst einmal zu eng, klettern schon kleine Faultierbabys geschickt auf den Rücken der Mutter und später wieder zurück auf den Bauch.
Junge Faultiere fangen bereits früh an, vom Futter der erwachsenen Tiere zunaschen, und schon mit zweieinhalb Monaten fressen sie selbstständig.
Doch die Kleinen werden bis zu fünf Monate lang gesäugt, und erst mit neun Monaten verlassen sie den Körper der Mutter. Mit zweieinhalb bis drei Jahren werden sie geschlechtsreif.
Sprache
OLI hält ein junges Zweifinger-Faultier (Bild: SWR)Viel ist von diesen ruhigen Tieren nicht zu hören. Wenn sie sich unwohl fühlen, sollen sie laut schnaufende Geräusche von sich geben.
Dreifinger-Faultiere geben vor allem während der Paarungszeit Laute von sich, die wie "Ai" klingen - deshalb werden sie im Volksmund auch Ai genannt.
Autorin: Barbara Kiesewetter