OLIs Wilde Welt
Ein Fischotter (Bild: picture alliance / dpa)

Fischotter


Lutra lutra, Eurasischer Fischotter

Der Name "Otter" stammt vom indogermanischen Wort "udros" ab.
Ins Deutsche übersetzt bedeutet das "Wassertier".
Aussehen
Fischotter kommt aus dem Wasser (Bild: SWR)Fischotter gelten als Landraubtiere, obwohl sie sich an Land und im Wasser wohl fühlen. Die flinken Räuber gehören zur Familie der Marder.

Wie Marder und Wiesel haben sie einen langen, schlanken Körper mit ziemlich kurzen Beinen.
Ihr Fell ist sehr dicht: 50.000 bis 80.000 Haare können auf einem Quadratzentimeter Fischotterhaut wachsen.

Ein nasser Fischotter guckt aus dem Wasser (Bild: SWR)Auf dem Rücken und am Schwanz glänzt das Fell dunkelbraun. Am Hals und an den Seiten des Kopfes liegen hellere Stellen, die hellgrau bis weiß sein können.
Der Kopf des Fischotters ist flach und breit. An seiner stumpfen Schnauze sprießen kräftige, starre Tasthaare, die "Vibrissen" heißen. Fischotter haben kleine Augen.
Auch ihre Ohren sind klein und im Fell versteckt, so dass man sie kaum sieht.
Ein Fischotter schwimmt unter Wasser (Bild: SWR)Als besonderes Merkmal tragen Fischotter Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen, damit sie schneller schwimmen können.
Fischotter können bis zu 1,40 Meter lang werden. Dabei macht ihr Rumpf etwa 90 Zentimeter aus. Dazu kommt noch der Schwanz, der zwischen 30 und 50 Zentimetern lang ist.

Männliche Fischotter wiegen bis zu zwölf Kilo. Die Weibchen sind etwas leichter und kleiner.
Heimat
Fischotter kommen in Europa (außer Island), in Nordafrika (Algerien, Marokko, Tunesien) und in weiten Teilen Asiens vor.
Weil sie nur an Gewässern leben können, gibt es in Wüsten, Steppen und im Hochgebirge keine Fischotter.
Lebensraum
Ein Fischotter räkelt sich zwischen einem Gestrüpp aus Ästen (Bild: SWR)Die Uferstreifen von sauberen, fischreichen Gewässern bieten Fischottern den besten Lebensraum.
Sie brauchen eine intakte natürlich Uferlandschaft mit Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten.

Wenn also Sträucher und Bäume am Ufer stehen, können Fischotter an Bächen, Flüssen, Teichen, Seen und sogar an der Meeresküste leben.
Rassen und Arten
Der Eurasische Fischotter ist eine von 13 Otterarten. Von allen Otterarten bevölkert der Fischotter das größte Verbreitungsgebiet.

Die weiteren Arten sind: Kanadischer Otter, Chilenischer Otter, Zentral Amerikanischer Otter, Süd Amerikanischer Otter, Haarnasenotter, Fleckenhalsotter, Weichfellotter, Asiatischer Kurzkrallenotter, Kapotter, Kongootter, Riesenotter und der Seeotter.
Lebenserwartung
Fischotter können ein Alter von etwa 22 Jahren erreichen.
Alltag
Ein Fischotter am Ufer (Bild: SWR)Fischotter sind Einzelgänger, die amphibisch leben, also am Land und im Wasser.

Sie gehen hauptsächlich nachts und während der Dämmerung auf Beutefang. Nur wenn Fischotter völlig ungestört sind, trauen sie sich auch am Tag aus ihrem Bau.
Fischotter bevorzugen Baue, die unmittelbar an der Wasserlinie und an den Wurzeln von Bäumen liegen.

Ein Fischotter versteckt im Gestrüpp (Bild: SWR)Allerdings nutzen Fischotter viele verschiedene Verstecke als Schlafplatz. Etwa alle 1000 Meter haben sie einen Unterschlupf, den sie unregelmäßig bewohnen und immer wieder wechseln.

Nur die Verstecke, die sie als Schlafplatz und als Kinderstube verwenden, sind aufwendig gebaut.
Bei ihnen achten die Otter auch darauf, dass sie dort ungestört bleiben, und dass diese Baue nicht überschwemmt werden.
Ein Fischotter untersucht seine Umgebung (Bild: SWR)Die Uferstreifen von Gewässern bilden die Reviere der Fischotter. Jeder Fischotter markiert sein Gebiet mit einem Duftstoff und mit Kot. Die Reviere können zwei bis 50 Kilometer lang sein, je nachdem, wie viel Nahrung ein Fischotter in dem Gewässer findet.
Weil sie gerne nahe am Wasser bleiben, reichen die Otter-Reviere nur etwa 100 Meter ins Land hinein.
Ein Fischotter schwimmt (Bild: SWR)Mit ihrem schlanken Körper und ihren Schwimmhäuten sind Fischotter bestens an das Leben im Wasser angepasst. Sie können gut tauchen und schneller als sieben Stundenkilometer schwimmen. Ein Fischotter kann bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben. Dann muss er an die Oberfläche, um Luft zu schnappen.

Manchmal tauchen Fischotter 300 Meter weit und 18 Meter tief. Beim Tauchen sind Nase und Ohren verschlossen. Im Winter tauchen Fischotter lange Strecken unter dem Eis.

Aber auch an Land bewegen sie sich sehr schnell und geschmeidig. Oft wandern sie 20 Kilometer weit. Dabei schlängeln sich Fischotter wieselflink durchs Gras und durchs Unterholz. Wenn sie sich einen Überblick verschaffen wollen, stellen sie sich auf ihre Hinterbeine.
Jagd
Ein Fischotter hebt den Kopf halb aus dem Wasser (Bild: SWR)Fischotter orientieren sich vor allem mit den Augen. Im trüben Wasser spüren sie ihre Beute mit den Schnurrbarthaaren auf.
Mit diesen Haaren, die bis zu sechs Zentimeter lang sind, können Fischotter die Bewegungen von Beutetieren fühlen. Der Schnurrbart dient auch als Tastorgan.
Kleine Fische verspeisen Fischotter sofort.

Ein Fischotter schnappt sich einen Fisch im Wasser (Bild: SWR)Größere Beutetiere bringen sie zunächst an einen sicheren Uferplatz. Erst dort fressen sie diese unter lautem Schmatzen, wobei sie die Beute zwischen den Vorderpfoten halten.

Fischotter greifen Fische meistens vom Grund eines Gewässers an, weil Fische schlecht nach unten schauen können. Fische flüchten oft Richtung Ufer, um sich dort zu verstecken. Deshalb schlagen Fischotter manchmal mit dem Schwanz, um Fische in Buchten zu treiben, wo sie diese leicht jagen können.
Nachwuchs
Fischotter sind nach zwei bis drei Lebensjahren geschlechtsreif. Sie haben keine feste Paarungszeit. Deshalb können Junge das ganze Jahr über zur Welt kommen.

Nach der Paarung ist das Otterweibchen zwei Monate lang trächtig. Danach wirft sie meist ein bis drei Junge, seltener vier oder fünf. Ein Baby-Otter wiegt gerade einmal 100 Gramm, ist anfangs blind und öffnet erst nach etwa einem Monat die Augen.

Die Mutter säugt ihre Kinder sechs Monate lang, obwohl die Jungen schon nach sechs Wochen auch feste Nahrung fressen. Nach zwei Monaten verlassen sie erstmals den Bau.
Manchmal sind junge Fischotter ziemlich wasserscheu. Dann muss die Mutter ihre Jungen am Nacken packen und sie ins Wasser tauchen.
Ernährung
Fischotter mit seiner Beute (Bild: SWR)
Der Name sagt es schon: Fischotter lieben Fisch. Und Fische machen rund zwei Drittel des Otter-Speiseplans aus.
In manchen Jahreszeiten fangen Fischotter aber weniger Fische. Dann begnügen sie sich auch mit Fröschen, Muscheln, Schnecken, Krebsen, Wasservögeln, Wasserinsekten und Kleinsäugern wie Bisamratten.

Wenn der Fischotter bei seinen Streifzügen an Land süßes Obst oder Vogeleier findet, dann verschmäht er auch diese Leckereien nicht.

In Naturparks werden Fischotter meist mit Fischen, Küken, Hasen- und Rindfleisch gefüttert.
Haltung
Fischotter brauchen ein großes Revier an einem Gewässer, um leben zu können. In Gefangenschaft kommen sie deshalb nur in Zoos oder Naturparks vor.