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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Gänsegeier

Alltag
Fliegender Gänsegeier  (Bild: SWR)
Gänsegeier sind majestätische Flieger: Zwar können sie nur mit einem Anlauf starten, aber dann schwingen sie sich elegant in die Luft und fliegen im Segelflug, fast ohne die Flügel zu bewegen.
Aus den im Flug fast rechteckig aussehenden Flügeln ragen lange Federn - die so genannten Handschwingen - heraus.

An diesem typischen Flugbild, dem geraden Schwanzende sowie dem im Flug eingezogenen Kopf sind Gänsegeier recht gut zu erkennen
Zwei Gänsegeier  (Bild: SWR)
Zur Brutzeit sind Gänsegeier gesellig und leben oft in Kolonien mit bis zu 100 Brutpaaren. Auch außerhalb der Brutzeit haben sie kein eigenes Revier.

Dies liegt auch daran, dass sie auf der Suche nach Nahrung so hoch in der Luft kreisen, dass sich die einzelnen Tiere dabei nicht in die Quere kommen.

Dank ihres hervorragenden Sehvermögens können sie auch aus sehr großer Höhe ihre Beute erkennen.
Streiterei um das Futter  (Bild: SWR)
Es gibt auch Hinweise, dass Gänsegeier tote Tiere aus großer Entfernung riechen können. Dann stürzen sie sich mit angelegten Flügeln auf die Beute.

Hat ein Gänsegeier ein totes Tier entdeckt, werden weitere Geier von der Beute angelockt. Dabei kommt es auch zu Streitereien um das Futter.
Freunde und Feinde
Gänsegeier wurden früher sehr stark vom Menschen verfolgt, weil man glaubte, dass sie Jagd auf das Vieh auf der Weide machen - was jedoch nicht richtig ist. Außerdem starben viel Geier an vergifteten Ködern, die eigentlich für Wölfe gedacht waren.
Nachwuchs
Gänsegeier sind Felsenbrüter. Sie bauen ihr Nest im Gebirge an kleinen Vorsprüngen und in Höhlen und Nischen in steilen Felswänden. Die Horste haben einen Durchmesser von 60 Zentimeter bis zu einem Meter und werden mit Gras ausgepolstert.
Männchen und Weibchen leben in lebenslanger Einehe miteinander. Vor der Paarung umwirbt das Männchen sein Weibchen mit einem merkwürdigen Balztanz auf dem Boden. Brutzeit ist Anfang Februar bis März. Meist legt ein Gänsegeier-Weibchen nur ein einziges Ei. Es ist weiß gefärbt und trägt einige rostfarbene Flecken am Ende. Nur ganz selten legt ein Weibchen auch einmal zwei Eier.
Junger Gänsegeier  (Bild: SWR)
Bei Gänsegeiern herrscht Arbeitsteilung: Männchen und Weibchen beteiligen sich gemeinsam am Nestbau. Es kümmern sich auch beide um das Junge, das ca. 54 Tage nach der Eiablage schlüpft.

Gänsegeier sind Nesthocker. Das frisch geschlüpfte Junge bleibt noch etwa 115 Tage im Nest und wird dort von den Eltern versorgt.
Im Juli oder August verlassen die jungen Geier dann das Nest. Erst nach vier bis fünf Jahren hat sich das Gefieder der jungen Gänsegeier so umgefärbt, dass sie genauso aussehen wie ihre Eltern. Geschlechtsreif werden sie erst mit vier bis sechs Jahren.
Sprache
Gänsegeier sind normalerweise sehr still. Nur zur Brutzeit lassen sie krächzende, grunzende und pfeifende Laute hören.
Autorin: Barbara Kiesewetter