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Eine Strandkrabbe lugt bei Ebbe aus dem Wattenmeer (Bild: picture alliance / dpa)

Gemeine Strandkrabbe


Carcinus maenas

Ihre Rückenpanzer sind auf so gut wie jedem Strandspaziergang zu finden: Die Gemeine Strandkrabbe ist eine der häufigsten Krabbenarten an fast allen Küsten Europas.
Aussehen
Eine Strandkrabbe im Watt (Bild: SWR)Die Gemeine Strandkrabbe gehört zu den Krebstieren und dort zur Ordnung der Zehnfußkrebse. Wie bei allen Krebstiere ist ihr Körper von einem harten Panzer umgeben, einem sogenannten Exoskelett. Kopf und Rücken sind von einem durchgehenden Schild bedeckt, dem fünfeckigen Rückenpanzer. Am Kopf sitzen vorn auf der Stirn die beiden gestielten Facettenaugen. Sie können zum Schutz in die Augengrube eingeklappt werden. Zwischen den Augen sitzen wiederum zwei kurze Antennen, mit ihnen können die Krabben fühlen und riechen.
Eine Strandkrabbe droht mit ihrer Schere (Bild: SWR)Typisch sind die fünf Beinpaare. Das erste Paar ist zu kräftigen Scheren umgewandelt. Eine Schere ist größer als die andere, man bezeichnet sie als Knackschere. Die kleinere Schere nennt man Kneifschere. Die übrigen vier Beinpaare dienen als Laufbeine. Der als Schwanz ausgebildete Hinterleib ist meist nicht zu sehen, da er klein und unter dem Körper eingeschlagen ist. Der Rückenschild ist bis zu acht Zentimeter breit, zusammen mit den Beinen messen die Tiere bis zu zehn Zentimeter. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. Man erkennt sie außerdem an dem spitzen, die Weibchen an dem eher runden Hinterleib.
Eine Strandkrabbe in einer Hand (Bild: SWR)Wegen ihres harten Panzers kann die Strandkrabbe wie alle Krebstiere nur wachsen, indem sie sich häutet: Der alte Panzer platzt auf. Die Krabbe pumpt sich dann mit Wasser auf, damit der darunterliegende neue, noch weiche Panzer gedehnt wird. Es dauert etwa drei Tage, bis er ausgehärtet ist. Geschlechtsreife Krabben häuten sich nur einmal im Jahr, Jungtiere öfter. Die Oberseite der Krabbe ist meist dunkelgrün bis gräulich, die Körperunterseite ist gelblich. Ist eine Krabbe älter oder hat sie sich längere Zeit nicht gehäutet, ist ihr Rücken eher bräunlich gefärbt und ihr Bauch wird rötlich.
Heimat
Ursprünglich war die Gemeine Strandkrabbe nur an der Atlantikküste von Europa und Nordafrika zu Hause sowie in der Nord- und Ostsee. In der Ostsee kommt sie aber nur bis Rügen vor, weiter östlich fehlt sie. Denn dort ist der Salzgehalt des Wassers für die Strandkrabbe zu gering. Weil die Gemeine Strandkrabbe früher im Holz von Schiffen oder im Ballastwasser von modernen Schiffen verschleppt wurde und sehr anpassungsfähig ist, findet man sie heute auch an der Ost- und Westküste von Nordamerika und an der Ostküste Südamerikas. Sogar an der Küste von Südafrika und Australien wurde sie schon entdeckt.
Lebensraum
Das Wattenmeer (Bild: SWR)Die Gemeine Strandkrabbe ist ein Bewohner des Watts. Das ist der Lebensraum an der Meeresküste, der von Ebbe und Flut geprägt ist: Dort fällt der Boden zweimal am Tag trocken und wird zweimal täglich wieder vom Meer überflutet. Die Krabben leben in dieser Zone bis in eine Meerstiefe von 60 Metern, meist bleiben sie jedoch im flachen Wasser und in der Nähe des Ufers. Bevorzugt findet man sie an Küsten, an denen die Brandung nicht allzu stark ist. Dort besiedeln sie Stände mit Sandboden, Felsen oder Schlick.
Rassen und Arten
Weltweit gibt es etwa 6800 verschiedene Arten von Krabben. Sie kommen überwiegend im Meer vor, manche auch im Süßwasser, wenige auf dem Land.
Ein sehr bekannter Verwandter der Gemeinen Strandkrabbe ist der Einsiedlerkrebs. Er gehört ebenfalls zu den Zehnfußkrebsen, genauso wie die Nordseegarnele, der Taschenkrebs oder die Chinesische Wollhandkrabbe.
Lebenserwartung
Die Gemeine Strandkrabbe kann erstaunlich alt werden: Sie lebt zwischen fünf und zehn Jahre lang. Wie alt die Tiere werden, hängt unter anderem von der Wassertemperatur ab: Je kälter es ist, umso langsamer wachsen die Krabben heran und umso älter werden sie.
Alltag
Eine Strandkrabbe im Watt (Bild: SWR)Als Erstes entdeckt man am Strand meist die leeren Rückenpanzer von. Die Panzer wurden bei der Häutung abgestoßen oder stammen von toten Tieren. Doch mit etwas Glück kann man auch lebende Exemplare beobachten: Besonders bei Flut und in der Nacht sind die Strandkrabben aktiv und wandern dann am Strand hin und her. Dabei laufen sie nicht nach vorn, sondern seitwärts, wie es für Krebse typisch ist. Sie sind blitzschnell und können mit bis zu einem Meter pro Sekunde über den Strand sausen.
Wenn sie bei Ebbe nicht ins tiefere Wasser abwandern, suchen sie sich ein Versteck unter Seetang und Steinen oder im Sand. In diesen feuchten Schupfwinkeln können sie die mehrere Stunden dauernde Ebbe an Land überstehen. Das ist erstaunlich, denn Strandkrabben atmen mithilfe von Kiemen. Damit die Kiemen in dieser Zeit mit sauerstoffhaltigem Wasser versorgt werden, tragen sie in den Kiemenkammern links und rechts unter dem Rückenpanzer einen Wasservorrat mit sich.
Eine Strandkrabbe droht mit ihrer Schere (Bild: SWR)Fühlt sich eine Strandkrabbe bedroht, reckt sie dem Feind ihre Scheren entgegen, spreizt sie auseinander und klappt sie drohend zusammen. Gefährlich sind die Tiere aber nicht – weder für ihre Fressfeinde noch für uns Menschen. Sie können uns bestenfalls in die Finger kneifen. Miteinander gehen Strandkrabben wenig freundlich um: In ihren Verstecken sitzen sie zwar dicht beieinander, wenn sie sich aber am Strand über den Weg laufen, drohen sie sich mit den Scheren. Die Männchen kämpfen sogar miteinander, wenn es darum geht, wer sich mit einem Weibchen paaren darf. Weil sie ihr Panzer schützt, verletzen sie sich aber kaum.
Im Gegensatz zu anderen Krabben wird die Gemeine Strandkrabbe nicht kommerziell gefischt. Sie wird nur regional in wenigen Gegenden gegessen.
Freunde und Feinde
Die Gemeine Strandkrabbe hat viele Feinde: Für Seevögel sind sie ein Leckerbissen, aber auch Fische und Tintenfische fressen sie. Gegenüber diesen Feinden haben die Krabben trotz Scheren und Panzer kaum eine Überlebenschance. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu fliehen. Allerdings haben die Krabben eine clevere Überlebensstrategie entwickelt: Packt sie ein Angreifer, etwa eine Möwe, an einem Bein, können sie dieses abwerfen und entkommen. Im Lauf der Zeit wächst das Bein bei den Häutungen wieder nach. Verlieren sie bei einem Angriff die Knackschere, wandelt sich die schwächere Schere sogar in eine neue Knackschere um.
Nachwuchs
Je nach Region findet die Paarun zu verschiedenen Zeiten statt. Die Weibchen können sich jedoch nur dann paaren, wenn sie sich gerade gehäutet haben. Nach der Paarung tragen sie einen großen Klumpen mit bis zu 185 000 orangefarbenen Eiern am Hinterleib mit sich herum, bis die Larven schlüpfen. Das dauert je nach Wassertemperatur bis zu vier Monate. Wenn es soweit ist, wandern die Weibchen in tieferes Wasser, da sich die Larven frei schwimmend bewegen. Schließlich häuten sich die Larven mehrmals und wandeln sich in winzige, gerade mal einen Millimeter große Jungkrabben um. Diese leben dann auf dem Meeresboden.
Ernährung
Eine Strandkrabbe im Watt (Bild: SWR)Die Gemeine Strandkrabbe ist ein Allesfresser. Ihr Speiseplan reicht von Muscheln, Würmern, Seeigeln über kleine Fische bis hin zu anderen Krebstieren. Selbst Artgenossen fallen ihnen zum Opfer, vor allem dann, wenn diese noch klein sind oder sich gerade gehäutet haben. Auch vor Pflanzen wie Seetang und sogar vor Aas machen sie nicht Halt. Die harten Schalen von Muscheln und Krebsen brechen sie mit ihrer Knackschere mühelos auf. Mit der kleineren Pinzettschere zerteilen sie weiche Beutetiere.
Weil die Gemeine Strandkrabbe einen gewaltigen Appetit hat, ist sie als Einwanderer an fremden Küsten nicht gern gesehen: Die Tiere fressen fast alles, was ihnen vor die Scheren kommt und in der Folge geht die Zahl anderer dort heimischer Arten zurück.