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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Grottenolm

OLI landet kopfüber in einer Tropfsteinhöhle. Als er sich endlich in der Dunkelheit zurecht findet, traut er seinen Augen kaum. Sind das etwa Drachenbabys, die dort in diesem unterirdischen See schwimmen?
Ein Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)

Proteus anguinus

Auf den ersten Blick könnte man den Grottenolm für eine Art Wurm oder einen kleinen Aal halten: Doch der unscheinbare Lurch ist ebenso interessantes wie ungewöhnliches Tier.
Das Besondere an ihm: Er verbringt sein ganzes Leben als eine Art Larve, das heißt, er wird nie ganz erwachsen, ist aber fortpflanzungsfähig.
Aussehen
Zwei Grottenolme im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Der Grottenolm gehört zur Klasse der Amphibien und dort zur Ordnung der Schwanzlurche. Der Grottenolm ähnelt einem großen Wurm oder einem kleinen Aal. Er wird 25 bis 30 Zentimeter lang. Der Kopf ist schmal und vorn spatelförmig, die Augen sind unter der Haut verborgen und kaum zu erkennen. Mit ihnen kann der Grottenolm nicht mehr sehen, er ist blind.
Auch die Vorder- und Hinterbeine sind kaum zu erkennen, sie sind winzig und dünn und besitzen jeweils nur drei Finger bzw. Zehen. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und hat dünne flossenartige Säume.
Ein Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Weil Grottenolme in dunklen Höhlen leben, ist ihr Körper fast farblos. Die Haut ist gelblich-weiß, und man kann die Blutgefäße und zum Teil auch innere Organe durch sie erkennen. Ist ein Grottenolm dem Licht ausgesetzt, zeigen sich auf der Haut dunkle Flecken. Dies beweist, dass Grottenolme keine Albinos sind, sondern einfach keine Körperpigmentierung entwickeln. Diese Pigmente brauchen sie nicht, weil sie in dunklen Höhlen leben.
Der Grottenolm atmet mit der Lunge. Er besitzt zusätzlich am Hinterkopf jedoch drei Paare rote Kiemenbüschel. Solche Kiemenbüschel haben alle Amphibienlarven, zum Beispiel auch die Kaulquappen der Frösche. Beim Grottenolm haben aber auch die alten Tiere Kiemenbüschel. Das Phänomen, dass auch fortpflanzungsfähige Tiere Merkmale von Larven besitzen, nennt man Neotonie.
Heimat
Tropfsteinhöhle (Bild: SWR)Der Grottenolm kommt nur im Kalkgebirge östlich der Adria vom äußersten Nordosten Italiens über Slowenien und das westliche Kroatien bis nach Herzegowina vor.
Weil Grottenolme als Sensation gelten, wurde einige Tiere im 20. Jahrhundert in Deutschland - in der Hermannshöhle im Harz - in Frankreich und in verschiedenen Regionen Italiens ausgesetzt.
Lebensraum
Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Der Grottenolm lebt ausschließlich in den überfluteten Teilen beziehungsweise in Quellen in dunklen, feuchten Höhlen. Das Wasser muss sauber und sauerstoffreich sein.
Die Wassertemperatur muss acht bis 17 Grad Celsius betragen. Kurze Zeit vertragen die Tiere auch kältere Temperaturen. Ist das Wasser wärmer als 18 Grad Celsius, können sich die Eier und Larven nicht mehr entwickeln.
Rassen und Arten
Der Grottenolm ist die einzige Art der Gattung Proteus. Seine nächsten Verwandten sind die nordamerikanischen Furchenmolche. Mit ihnen zusammen bildet der Grottenolm die Familie der Olme.

Die einzige oberirdisch lebende Form der Grottenolme wurde in Slowenien gefunden. Die Tiere sind schwarz gefärbt und haben entwickelte Augen. Die Forscher sind noch nicht sicher, ob es sich bei diesen Tieren um eine Unterart handelt.
Lebenserwartung
Nach Beobachtung ausgesetzter Tiere vermutet man, dass Grottenolme 70 Jahre alt werden können. Manche Forscher denken, dass sie sogar über 100 Jahre lang leben.
Autorin: Barbara Kiesewetter