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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Grottenolm

Alltag
OLI mit Stirnlampe in einer Höhle (Bild: SWR)Der Grottenolm wurde erst im 17. Jahrhundert entdeckt. Weil man zunächst keine Idee hatte, um was für ein seltsames Tier es sich dabei handelt, wurden sie sogar als "Drachenbabys" bezeichnet. Dass eine Art nie das Stadium eines erwachsenen Tiers erreicht, kommt sehr selten vor.
Neben dem Grottenholm gibt es dieses Phänomen bei einigen Lungenlosen Salamandern, wie zum Beispiel dem Texanischen Brunnenmolch.
Ein Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Grottenolme können sowohl über ihre Lunge atmen als auch mithilfe ihrer Kiemen. Wenn sie in Terrarien gehalten werden, krabbeln sie manchmal für kurze Zeit sogar an Land.

Weil Grottenolme in dunklen Höhlen leben, sind sie rund ums Jahr und zu jeder Tageszeit aktiv. Sie besitzen einen magnetischen Sinn - das sogenannte Seitenlinienorgan. Mit dem können sie sich in ihrem Lebensraum orientieren. Außerdem haben sie ein sehr gutes Gehör und einen guten Geruchssinn. Dringt Licht in die Höhle, können sie dies über Sinneszellen in der Haut wahrnehmen.
Drei Grottenolme im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Das ungewöhnlichste am Grottenolm ist, dass er sehr alt werden kann, ohne dass an seinem Körper Anzeichen von Alterung zu erkennen sind. Das heißt, die Tiere verändern sich über Jahrzehnte hinweg äußerlich kaum. Woran dies liegt, wissen die Forscher noch nicht. Sie arbeiten aber daran, um herauszufinden, wie man den Alterungsprozess bei Wirbeltieren und auch beim Menschen vielleicht hinauszögern könnte.
Freunde und Feinde
Über natürliche Feinde des Grottenolms weiß man wenig. Vermutlich gehören dazu Flusskrebse sowie ein Parasit, der ausschließlich im Körper von Grottenolmen gefunden wurde.
Nachwuchs
Grottenolme im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Dass ein Grottenolm fortpflanzungsfähig ist, erkennt man an der verdicken Region rund um die Kloake. Beim Männchen ist die Schwellung dicker, beim Weibchen ist sie weniger ausgeprägt und man kann manchmal die Eier durch die Haut hindurch erkennen. Weil die Tiere in Höhlen leben, konnte man bislang die Entwicklung der Tiere in der Natur kaum beobachten. Es wurden auch noch nie Eier von Grottenolmen in Höhlen gefunden. Auch junge Larven hat man nur selten entdeckt.
Wie sich die Tiere entwickeln, weiß man deshalb nur aus Beobachtungen in Aquarien bzw. von den ausgesetzten Tieren in Höhlen in Frankreich. Die Weibchen werden mit etwa 15 bis 16 Jahren geschlechtsreif, sie pflanzen sich aber etwa nur alle 12,5 Jahre fort. Hält man die Tiere in Aquarien, werden sie früher geschlechtsreif. Das liegt vermutlich daran, dass sie dort mehr Nahrung bekommen.
Ein Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Die Männchen haben zur Balzzeit kleine Reviere, die sie gegen Konkurrenten in heftigen Kämpfen verteidigen. Die Tiere beißen sich, manchmal verlieren sie bei diesen Kämpfen sogar Kiemenbüschel. Kommt ein Weibchen ins Revier, wird es mit wedelnden Bewegungen des Schwanzes umkreist. Dann setzt das Männchen am Gewässergrund ein Päckchen mit Samen ab, eine sogenannte Spermatophore. Das Weibchen schwimmt darüber und nimmt mit seiner Kloake das Samenpäckchen auf.
Ein Grottenolm im Wasser in einer Höhle (Bild: SWR)Anschließend schwimmt das Weibchen zu einem Versteck. Die Umgebung ihres Verstecks, das Laichrevier, verteidigt sie mit Bissen gegenüber Eindringlingen. Nach zwei bis drei Tagen beginnt das Weibchen mit der Eiablage und legt etwa 35 Eier ab, die vier Millimeter groß sind. Sind die Jungen geschlüpft, verteidigt das Weibchen weiterhin das Laichrevier und beschützt so seine Jungen. Unbewachte Eier und Jungtiere werden meist von anderen Grottenolmen gefressen.
Die Entwicklung der Larven dauert etwa 180 Tage. Wenn sie eine Größe von 31 Millimetern erreicht haben, werden sie aktiv. Im Unterschied zu den "erwachsenen" Tieren ist der Körper der Larven rundlich und gedrungen. Sie haben kleinere Hinterbeine und einen breiten Flossensaum, der bis über den Rumpf reicht. Nach etwa drei bis vier Monaten sind sie viereinhalb Zentimeter lang und ihre Gestalt gleicht denen der "erwachsenen" Tiere.
Autorin: Barbara Kiesewetter