OLIs Wilde Welt
Eine Hausmaus (Bild: SWR)

Hausmaus


Mus musculus

Niedlich oder eklig? Bei der Hausmaus scheiden sich die Geister: Die einen finden das kleine Nagetier mit den Knopfaugen und dem langen Schwanz süß, für die anderen ist es ein Schädling.
Aussehen
Eine Hausmaus sitzt auf einer Hand (Bild: dpa)Die Hausmaus gehört zur Unterfamilie der Altweltmäuse und zur Familie der Langschwanzmäuse und damit zur Ordnung der Nagetiere. Vom Kopf bis zum Po misst sie sieben bis elf Zentimeter. Dazu kommt noch der Schwanz mit sieben bis zehn Zentimeter Länge. Er ist geringelt und nur wenig behaart. Ein Tier bringt gerade mal 20 bis 25 Gramm auf die Waage. Das Fell der Hausmaus ist meist grau bis braun gefärbt, der Bauch ist heller. Außerdem zeichnet sich jedes Tier durch einen ganz speziellen Geruch aus, der es unverkennbar macht.
Eine Variante der Hausmaus sind sogenannte Farbmäuse, die mit verschiedenen Fellfarben gezüchtet wurden und die als Heimtiere gehalten werden, sowie die weißen Labormäuse. Farbmäuse und Labormäuse können fast doppelt so schwer werden als ihre wilden Verwandten.
Heimat
Ursprünglich stammt die Hausmaus vermutlich aus Indien. Heute ist sie auf der ganzen Welt verbreitet.
Lebensraum
Hausmaus im Wald (Bild: SWR)Natürliche Lebensräume der Hausmaus sind Steppen und Wüsten. Dort leben die Tiere unterirdisch. Sie graben im Boden Gänge und Bauten, in denen sie ihre Nester bauen und ihre Nahrungsvorräte anlegen.

Im Umfeld des Menschen findet man die Hausmaus in Häusern, Wohnungen, Vorratskammern, Kellern, Scheunen, auf Feldern und an vielen anderen Orten, an denen sie sich sicher fühlen und genug Futter finden.
Rassen und Arten
Bei uns gibt es zwei Unterarten der Hausmaus: Fossilien beweisen, dass die Östliche Hausmaus (Mus musculus musculus) von Indien über Zentralasien nach Westeuropa (Belgien) gelangte. Dort gab es sie schon etwa 4000 v. Chr. Die Westliche Hausmaus (Mus musculus domesticus) wanderte über Westasien in das Mittelmeergebiet und erreichte etwa 4000 v. Chr. Griechenland. Von dort gelangte sie bis Spanien und – vermutlich mit römischen Schiffen – zu den Britischen Inseln. Schließlich hat die Hausmaus als blinder Passagier auf Schiffen auch Afrika, Amerika, Asien und Australien erobert.

Heute drängt die Westliche Hausmaus die Östliche immer mehr Richtung Osten zurück.
Es gibt noch drei weitere Unterarten der Hausmaus, die aber nicht bei uns vorkommen: Die Asiatische Hausmaus, die Mandschurische Hausmaus und die Wagner-Hausmaus.

Der Hausmaus sehr ähnlich ist die Waldmaus (Apodemus sylvaticus). Sie ist von West- bis Osteuropa und vom südlichen Skandinavien bis Nordafrika verbreitet. Bei uns lebt sie in offenen Lebensräumen wie Feldern und Wiesen, aber auch in Parks.
Lebenserwartung
Im Umfeld des Menschen können Hausmäuse zwei bis drei Jahre alt werden, im Freiland leben sie deutlich weniger lang – oft nur ein paar Monate.
Alltag
Eine Hausmaus (Bild: SWR)Wo Menschen leben, gibt es auch Mäuse: Die Hausmaus ist sehr anpassungsfähiger Kulturfolger. So nennt man Tiere, die im direkten Umfeld des Menschen leben, weil sie hier zum Beispiel reichlich Nahrung finden. Ausgrabungen in Anatolien in der Türkei zeigen, dass schon vor rund 10 000 Jahren Mäuse in den Behausungen der Menschen Unterschlupf suchten. Hausmäuse sind gesellig, meist leben sie in Familien zusammen. Sie sind ursprünglich tagaktiv. Wenn sie in der Nähe des Menschen leben, zeigen sie sich aber meist nur bei Dämmerung und nachts, da sie sich dann sicherer fühlen.
Hausmaus im Wald (Bild: SWR)Im freien Gelände benutzen Hausmäuse immer wieder die gleichen Wege, die sie – wie auch ihre Reviere – mit Urin markieren. Diese Wege kann man manchmal – zum Beispiel im Rasen – als kleine „Trampelpfade“ erkennen. Die Tiere können sehr gut laufen, springen, klettern und auch schwimmen. Sie haben einen sehr guten Gehör- und Geruchssinn. Hausmäuse kann man das ganze Jahr über beobachten. Nur wenn das Futterangebot sehr knapp ist, fallen sie im Freiland in eine sogenannte Winterstarre. Einen Winterschlaf halten sie jedoch nicht.
Weil Hausmäuse von den Vorräten der Menschen fressen und dort auch Kot und Urin hinterlassen und die Vorräte so ungenießbar machen, gelten Sie als Schädlinge. Außerdem können sie gefährliche Krankheitserreger übertragen. Zudem knabbern Mäuse manchmal auch elektrische Leitungen an und verursachen so Schäden, oder sie zerbeißen Papier oder Pappe, die sie zum Auspolstern ihrer Nester verwenden
Auf der anderen Seite hat die gezüchtete Variante der Hausmaus, die Labormaus eine große Bedeutung für den Menschen. Sie wird für Tests von Medikamenten und in der Krebsforschung verwendet, aber auch in der Verhaltensforschung eingesetzt.
Freunde und Feinde
eine Katze "spielt" mit ihrer Beute, einer Hausmaus (Bild: picture alliance / dpa)Hausmäuse haben zahlreiche Feinde: Wenn sie in der Umgebung des Menschen leben sind das neben Hauskatzen und Hunden Steinmarder sowie Wanderratten und Schleiereulen. In der freien Wildbahn fallen sie verschiedenen Greifvögeln und Eulen zum Opfer, außerdem Wieseln, verschiedenen Mardern, Füchsen und auch Schlangen. Und natürlich können auch Menschen Feinde der Hausmaus sein: Weil sie nicht möchten, dass sich Hausmäuse an ihren Vorräten vergreifen, stellen sie Fallen für die kleinen Nager auf oder legen vergiftete Köder aus. Ein Hausmaus-Männchen wirbt um ein Weibchen, indem es bestimmte Ultraschall-Töne hören lässt. Die Tiere können sich anhand der individuellen Tonfolgen und auch an ihrem Geruch genau erkennen und vermeiden es so, dass sich nah verwandte Tiere miteinander paaren.
Nachwuchs
Wenn sie genug zu fressen finden, können sich Hausmäuse das ganze Jahr über fortpflanzen. Dann kann ein Weibchen in einem Jahr bis zu zehn Mal Junge werfen. Wenn Futter und Lebensraum knapp sind, die Tiere also unter Stress leiden, pflanzen sie sich weniger häufig fort. So verhindern die Mäuse, dass sie sich übermäßig vermehren.
Ein Hausmaus-Männchen wirbt um ein Weibchen, indem es bestimmte Ultraschall-Töne hören lässt. Die Tiere können sich anhand der individuellen Tonfolgen und auch an ihrem Geruch genau erkennen und vermeiden es so, dass sich nah verwandte Tiere miteinander paaren
Nach der Paarung baut das Weibchen ein Wurfnest, in dem es nach etwa drei Wochen Tragzeit vier bis acht Junge zur Welt bringt. Die Mäusebabys sind bei der Geburt blind, nackt und taub und wiegen weniger als ein Gramm. Nach etwa zehn Tagen sind sie von kurzen Haaren bedeckt, nach 15 oder 16 Tagen öffnen sie schließlich die Augen. Die Jungen werden drei Wochen lang von der Mutter gesäugt. Dann wiegen sie etwa sechs Gramm. Doch schon mit etwa 18 Tagen beginnen sie, nach und nach die erste feste Nahrung aufzunehmen. Im Alter von sechs Wochen sind die Jungen dann selbstständig, werden geschlechtsreif und verlassen das Nest.
Da in den Gängen oder Bauten oft mehrere Weibchen einer Mäusefamilie Junge haben, werden diese zum Teil auch gemeinsam aufgezogen. Stirbt eine Mutter, versorgen die anderen ihre Jungen mit.
Sprache
Forscher haben herausgefunden, dass Mäuse zum einen über Gerüche miteinander kommunizieren, aber auch über verschiedene Laute, darunter auch Laute im Ultraschallbereich, die wir Menschen nicht hören können.
Ernährung
Eine Hausmaus frisst (Bild: SWR)Hausmäuse sind zwar Allesfresser, ernähren sich jedoch überwiegend von Pflanzenteilen wie Wurzeln und Samen von wilden Gräsern und Kräutern, von Getreide sowie von Nüssen. Sie verschmähen aber auch Insekten nicht.
In freier Wildbahn können Hausmäuse Vorräte von fünf bis sieben Kilogramm anlegen, manchmal sogar noch mehr. In der Nähe des Menschen, wo sie das ganze Jahr über Futter finden, legen sie kleinere oder gar keine Vorräte an.
Haltung
Eine Hausmaus schaut in einem Terrarium aus einem Loch (Bild: picture alliance / dpa)Gezüchtete Varianten der Hausmaus, sogenannte Farbmäuse, werden als Heimtiere gehalten. Um die Tiere artgerecht zu halten, gibt es strenge Vorschriften: Die Tiere dürfen nicht einzeln gehalten werden und der Käfig muss groß genug sein, eine Einstreu haben und Möglichkeiten zum Klettern, Spielen und zum Verstecken. Wer Mäuse halten will, muss sich deshalb vorher ganz genau informieren, was die Tiere brauchen und sich gut überlegen, ob er ihnen wirklich ein artgerechtes Leben bieten kann. In Forschungslabors hält man die weiße Labormaus und verwendet sie für Tests und Experimente.
Wild gefangene Hausmäuse können nicht als Heimtier gehalten werden: Weil sie nicht genug Auslauf haben, werden sie sehr schnell krank und sind in ihrem Verhalten gestört. Das kann so weit gehen, dass sie sich selbst verletzen oder ihre Jungen töten.