OLIs Wilde Welt
Heiliger Pillendreher mit Dungkugel (Bild: picture alliance / Jürgen Schwen)

Heiliger Pillendreher


Scarabaeus sacer

Seine Lieblingsbeschäftigung ist alles andere als heilig. Der Pillendreher rollt große Kugeln aus dem Kot pflanzenfressender Säugetiere über den Boden.
Aussehen
Der Pillendreher hat eine rundlich-ovale Form. Sein Körper ist etwas knubbelig und wie bei allen Käfern durch einen harten Panzer aus Chitin geschützt. Der Panzer ist schwarz gefärbt und schimmert grünlich, bläulich oder dunkelviolett.
Männchen und Weibchen sehen gleich aus und sind auch gleich groß. Der Pillendreher wird bis zu drei Zentimeter lang und bringt gerade mal eineinhalb bis zwei Gramm auf die Waage. Wie alle Insekten besitzt er sechs Beine. Kopf und Vorderbeine des Heiligen Pillendrehers  (Bild: picture alliance/blickwinkel/H)

Auffällig sind seine Vorderbeine: Sie sind abgeflacht und gezackt und sehen deshalb ganz anders aus, als die mittleren und hinteren Beine. Auch Kopf und Halsschild sind ungewöhnlich breit und flach und haben einen gezackten Rand. Mit den kräftigen Vorderbeinen und dem Halsschild kann der Käfer fast wie mit einer Schaufel graben. Die Fühler sind kurz und am Ende keulenförmig verdickt. Sie stehen seitlich vom Kopf ab.
Heimat
Man findet den Heiligen Pillendreher in Kleinasien, in ganz Afrika und in Teilen Südamerikas. Er ist sehr weit verbreitet. In Europa ist er aber nur im Mittelmeerraum zu Hause.
Lebensraum
Der Pillendreher lebt vor allem in Steppen, Savannen und Halbwüsten.
Rassen und Arten
Es gibt etwa 90 verschiedene Arten von Pillendrehern. Sie gehören zur Familie der Blatthornkäfer und zur Ordnung der Käfer und damit zur Klasse der Insekten.
Und es gibt auch noch eine Vielzahl von Mistkäfer-Arten aus anderen Käfer-Familien. Manche von ihnen sind auf den Dung einer ganz bestimmten Tierart spezialisiert, andere nutzen den Dung verschiedener Tierarten. Manche rollen den Dung zu Kugeln, andere ziehen ihn einfach in den Boden, und wieder andere setzen sich in den Kothaufen hinein und fressen dort.
Lebenserwartung
Pillendreher können etwa ein halbes Jahr alt werden.

Besondere Bedeutung
Skarabäus-Armreif aus ägyptischer Grabkammer (Bild: picture alliance / Heritage Images)Das Wort "sacer" im wissenschaftlichen Namen des Pillendrehers ist lateinisch und bedeutet "heilig". Es weist auf die besondere Bedeutung hin, die der Pillendreher im Alten Ägypten hatte.
Weil man beobachtet hatte, dass sich der Käfer mitsamt der Dungkugel im Boden eingräbt und nach ein paar Wochen junge Käfer aus dem Boden krochen, war der Skarabaeus für die Menschen ein Symbol für die Auferstehung .
Er galt als Erscheinungsform des Sonnengottes Re: Aus Edelsteinen oder Metall gefertigte Amulette des Pillendrehers wurden den Toten mit ins Grab gegeben, um sie im Jenseits zu begleiten. Lebende Menschen trugen solche Amulette, sogenannte Skarabäen, als Glückbringer. Auch auf vielen Abbildungen in alten ägyptischen Tempeln ist der Pillendreher zu sehen.

Alltag
Heiliger Pillendreher rollt Dungkugel im Rückwärtsgang (Bild: SWR)Meistens entdeckt man den Pillendreher bei seiner typischen Tätigkeit: Er wälzt eine Kugel aus Dung über den Boden. Dabei bewegt er sich im Rückwärtsgang: Er richtet sich wie im Handstand auf den Vorderbeinen auf und rollt die Kugel mithilfe seiner übrigen vier Beine über die Erde. Auf diese Weise kann er die Kugel bis zu fünfzehn Meter weit transportieren.
Die Kugeln fertigt der Käfer selbst an: Er schneidet große Portionen aus frischen Dunghaufen und formt sie dann zu einer Kugel. So eine Dungkugel kann bis zu vierzig Gramm schwer sein. Sie wiegt also etwa zwanzig Mal so viel wie der Käfer! Die Dungkugeln werden an einer geeigneten Stelle im Boden vergraben. Kleinere Kugeln dienen als Nahrungsvorrat, deutlich größere Kugeln als Brutkammer für den Nachwuchs.
Heiliger Pillendreher vergräbt Dungkugel (Bild: SWR)Das Vergraben der Dungkugeln nützt aber nicht nur den Käfern: Weil weniger Kothaufen auf der Erde rumliegen, können sich dort weniger Fliegen entwickeln. Das ist ein großer Vorteil für Menschen und Tiere, die oft unter den lästigen Krabbeltieren zu leiden haben. Außerdem lockern die Käfer beim Graben den Boden und reichern ihn mit Nährstoffen an.
Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Der Dung enthält die Samen vieler Pflanzen, die von den Weidetieren gefressen und wieder ausgeschieden wurden. Durch das Wegrollen und Vergraben der Kugeln sorgen die Käfer dafür, dass die Samen weiter verbreitet werden und direkt in den Boden gelangen, wo sie beste Bedingungen zum Keimen finden.
viele Pillendreher auf einem Haufen Elefantendung (Bild: picture alliance/Matthias Tödt)Pillendreher haben einen sehr guten Geruchssinn und können die Ausscheidungen anderer Tiere auch aus großer Entfernung riechen. Große Dunghaufen, wie zum Beispiel die von Elefanten, locken deshalb oft in kurzer Zeit eine riesige Anzahl von Pillendrehern an.
Dann sieht man die Käfer auch mal fliegen, damit sie den Dung möglichst vor der Konkurrenz erreichen und bevor er austrocknet und zu hart wird. Sehr elegante Flieger sind sie allerdings nicht, meist brummen sie etwas schwerfällig knapp über dem Boden.
Am Dunghaufen angelangt, kommt es dann oft zum Streit: Die Käfer versuchen, sich die Beute gegenseitig abzujagen. Um das zu verhindern, klettern sie auf ihre Kugel, klammern sich mit dem mittleren und hinteren Beinpaar fest und versuchen mit den Vorderbeinen die Artgenossen abzuwehren. 
Forscher haben herausgefunden, dass sich die Käfer tagsüber am Licht der Sonne und nachts am Mondlicht und am Licht der Milchstraße orientieren. 
Freunde und Feinde
Vor allem Vögel, aber auch Reptilien und Fledermäuse sind für den Pillendreher gefährlich: Für sie sind die Käfer nahrhafte Leckerbissen.
Nachwuchs
zwei Pillendreher rollen Dungkugel für Eiablage (Bild: picture alliance / Arco Images)Die Dungkugel ist die Kinderstube des Pillendrehers. Dazu vergraben die Käfer die Kugeln im Boden und wandeln sie zu sogenannten "Brutbirnen" um. Sie legen einen birnenförmigen Hohlraum in der Kugel an. In diesen Hohlraum legt das Weibchen nach der Paarung ein acht mal fünf Millimeter großes Ei. Pro Brutsaison legt ein Weibchen nur fünf bis zehn Eier ab. Für Käfer ist das eine ziemlich niedrige Anzahl.
Nach ein paar Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven. Die Dungkugel ist für sie gleichzeitig Brut- und Vorratskammer: In ihr wachsen sie geschützt heran und der Dung dient ihnen als kraftspendende Nahrung. Schließlich verpuppen sich die Larven, und nach einiger Zeit schlüpfen die Käfer. Sie sind dann sofort zur Fortpflanzung fähig, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Ernährung
Heiliger Pillendreher vergräbt Dungkugel (Bild: SWR)
Der Pillendreher gehört zu den "Kotfressern“. Er ernährt sich von den Ausscheidungen pflanzenfressender Säugetiere, wie zum Beispiel Elefanten oder Antilopen. Aus den Kothaufen rollt er Kugeln und vergräbt sie als Futtervorrat im Boden. Allerdings saugen die Käfer nur die Nährstoffe aus dem Kot. Die darin enthaltenen Pflanzenreste können sie – im Gegensatz zu ihren Larven – nicht fressen.
Haltung
Es gibt Zoos, die versuchen, Pillendreher zu halten. Das ist aber ganz schön schwierig: Die Käfer brauchen eine ganz bestimmte Boden- und Lufttemperatur. Auch sonst muss der Boden genau den Bedürfnissen der Käfer entsprechen, damit sie sich wohlfühlen und sich fortpflanzen können.