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Tierlexikon für Kinder- Archiv

Heiliger Pillendreher

Alltag
Heiliger Pillendreher rollt Dungkugel im Rückwärtsgang (Bild: SWR)Meistens entdeckt man den Pillendreher bei seiner typischen Tätigkeit: Er wälzt eine Kugel aus Dung über den Boden. Dabei bewegt er sich im Rückwärtsgang: Er richtet sich wie im Handstand auf den Vorderbeinen auf und rollt die Kugel mithilfe seiner übrigen vier Beine über die Erde. Auf diese Weise kann er die Kugel bis zu fünfzehn Meter weit transportieren.
Die Kugeln fertigt der Käfer selbst an: Er schneidet große Portionen aus frischen Dunghaufen und formt sie dann zu einer Kugel. So eine Dungkugel kann bis zu vierzig Gramm schwer sein. Sie wiegt also etwa zwanzig Mal so viel wie der Käfer! Die Dungkugeln werden an einer geeigneten Stelle im Boden vergraben. Kleinere Kugeln dienen als Nahrungsvorrat, deutlich größere Kugeln als Brutkammer für den Nachwuchs.
Heiliger Pillendreher vergräbt Dungkugel (Bild: SWR)Das Vergraben der Dungkugeln nützt aber nicht nur den Käfern: Weil weniger Kothaufen auf der Erde rumliegen, können sich dort weniger Fliegen entwickeln. Das ist ein großer Vorteil für Menschen und Tiere, die oft unter den lästigen Krabbeltieren zu leiden haben. Außerdem lockern die Käfer beim Graben den Boden und reichern ihn mit Nährstoffen an.
Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Der Dung enthält die Samen vieler Pflanzen, die von den Weidetieren gefressen und wieder ausgeschieden wurden. Durch das Wegrollen und Vergraben der Kugeln sorgen die Käfer dafür, dass die Samen weiter verbreitet werden und direkt in den Boden gelangen, wo sie beste Bedingungen zum Keimen finden.
viele Pillendreher auf einem Haufen Elefantendung (Bild: picture alliance/Matthias Tödt)Pillendreher haben einen sehr guten Geruchssinn und können die Ausscheidungen anderer Tiere auch aus großer Entfernung riechen. Große Dunghaufen, wie zum Beispiel die von Elefanten, locken deshalb oft in kurzer Zeit eine riesige Anzahl von Pillendrehern an.
Dann sieht man die Käfer auch mal fliegen, damit sie den Dung möglichst vor der Konkurrenz erreichen und bevor er austrocknet und zu hart wird. Sehr elegante Flieger sind sie allerdings nicht, meist brummen sie etwas schwerfällig knapp über dem Boden.
Am Dunghaufen angelangt, kommt es dann oft zum Streit: Die Käfer versuchen, sich die Beute gegenseitig abzujagen. Um das zu verhindern, klettern sie auf ihre Kugel, klammern sich mit dem mittleren und hinteren Beinpaar fest und versuchen mit den Vorderbeinen die Artgenossen abzuwehren. 
Forscher haben herausgefunden, dass sich die Käfer tagsüber am Licht der Sonne und nachts am Mondlicht und am Licht der Milchstraße orientieren. 
Freunde und Feinde
Vor allem Vögel, aber auch Reptilien und Fledermäuse sind für den Pillendreher gefährlich: Für sie sind die Käfer nahrhafte Leckerbissen.
Nachwuchs
zwei Pillendreher rollen Dungkugel für Eiablage (Bild: picture alliance / Arco Images)Die Dungkugel ist die Kinderstube des Pillendrehers. Dazu vergraben die Käfer die Kugeln im Boden und wandeln sie zu sogenannten "Brutbirnen" um. Sie legen einen birnenförmigen Hohlraum in der Kugel an. In diesen Hohlraum legt das Weibchen nach der Paarung ein acht mal fünf Millimeter großes Ei. Pro Brutsaison legt ein Weibchen nur fünf bis zehn Eier ab. Für Käfer ist das eine ziemlich niedrige Anzahl.
Nach ein paar Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven. Die Dungkugel ist für sie gleichzeitig Brut- und Vorratskammer: In ihr wachsen sie geschützt heran und der Dung dient ihnen als kraftspendende Nahrung. Schließlich verpuppen sich die Larven, und nach einiger Zeit schlüpfen die Käfer. Sie sind dann sofort zur Fortpflanzung fähig, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Autorin: Barbara Kiesewetter