OLIs Wilde Welt
Eine Hornisse frisst (Bild: picture alliance / dpa)

Hornisse


Vespa cabro

Hornissen sehen zwar aus wie große Bienen oder Wespen, machen sich im Sommer aber nicht über unseren Kuchen und unsere Limonade her; sie jagen lieber andere Insekten.
Aussehen
Kopf einer Hornisse (Bild: SWR)Hornissen gehören zu den Wespen.
Die Weibchen werden bis zu 35 mm groß, die Arbeiterinnen und Männchen nur etwa 25 bis 30 mm.

Zwischen Brust und Hinterleib liegt eine ganz dünne Stelle, die außer den Hornissen auch allen anderen Wespen haben.

Während die Brust der Hornissen rot-braun oder schwarz gefärbt ist, trägt der Hinterleib gelb-schwarze oder gelb-braune Streifen. Mit dieser Färbung wollen Hornissen ihre Feinde warnen, denn sie können stechen.
Heimat
Hornissen kommen in ganz Mitteleuropa vor.
Lebensraum
Hornissen bauen ihre Nester über der Erde. Am liebsten mögen sie geschützte Höhlungen. Deshalb sind Hornissennester oft in hohlen Bäumen, aber auch im Dachgebälk oder in Brutkästen zu finden. In einem Nest können bis zu 5000 Hornissen leben.
Lebenserwartung
Die Hornissenstaaten bestehen, wie alle anderen Wespenstaaten, nur ein Jahr lang. Im Spätherbst sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen. Nur junge, starke Weibchen überwintern und gründen im nächsten Frühjahr einen neuen Staat.
Alltag
Hornisse auf einem Ast (Bild: SWR)Im Winter sitzen die Weibchen der Hornissen, auch Königinnen genannt, ganz starr an geschützten Orten. Sie verstecken sich etwa unter Moosen und Rinden von Bäumen oder an anderen verborgenen Stellen.

Wenn der Frühling kommt, beginnen sie wieder, sich zu bewegen und gründen einen neuen Hornissenstaat.

Dazu suchen die Königinnen einen hohlen Baumstamm und bauen dort ein neues Nest.
Jemand hält ein Hornissennest in der Hand (Bild: SWR)Aus abgenagtem, altem Holz und Speichel mischen Hornissen eine Art Pappmaché zusammen. Damit bauen sie ihre kunstvollen, wabenförmigen Nester, die meistens eine dicke Hülle besitzen.
Diese schützt vor Hitze und Kälte. Außerdem benutzen die Hornissen sie als Klimaanlage.
Wenn es im Sommer heiß ist, verteilen sie etwas Wasser auf der Hülle und in den Waben. Das Wasser verdunstet langsam und kühlt so das ganze Hornissennest.
Eine Hornisse auf einem Ast (Bild: SWR)Aber die Hornissen können auch selbst "heizen": Wenn es ihnen zu kalt ist, zittern sie mit den Flügeln. Dabei entsteht Wärme und das Nest heizt sich auf. Die Wohlfühltemperatur der Hornissen liegt bei etwa 30 Grad.

Die Hornissen gehören zu den Stechwespen.
Sie können ihren Legestachel als wirksame Waffe benutzen. Mit dem Stachel verteidigen sie sich gegen ihre Feinde und erlegen Beutetiere. Der Satz "3 Hornissenstiche töten einen Menschen, 7 töten ein Pferd" ist ein oft gehörter Unfug. Sicher schmerzt ein Hornissenstich genau so wie ein Wespenstich. Er ist aber nicht gefährlicher.
Lebensbedrohlich können Hornissen nur dann werden, wenn sie direkt in ein Blutgefäß oder in die Zunge stechen. Dann kann die Zunge anschwellen, so dass der Gestochene keine Luft mehr bekommt und erstickt. Das Gift der Hornissen ist ein Gemisch aus chemischen Substanzen. Diese können einen lebensgefährlichen Schock auslösen, wenn sie direkt ins Blut gelangen.
Nachwuchs
Hornisse auf einer Wabe mit Larven (Bild: SWR)Im Frühling legen die Königinnen nach dem Nestbau ihre Eier in kleine Waben ab. Aus ihnen entwickeln sich Larven.

Die Larven werden mit Nektar und mit erbeuteten Insekten gefüttert. Wenn sie groß genug sind, verpuppen sich die Larven. Bald darauf schlüpfen neue Hornissen aus den Waben.
Sie sind kleiner als die Königin und werden als Arbeiterinnen bezeichnet. Sie helfen ihrer Königin dabei, noch mehr Nachwuchs aufzuziehen, indem sie am Nest weiter bauen, Feinde vertreiben, Beute jagen und Nahrung suchen. Arbeiterinnen legen normalerweise keine Eier. Das tun sie nur dann, wenn die Königin stirbt. Aus den Eiern der Arbeiterinnen schlüpfen aber nur männliche Hornissen.

Im Herbst bauen die Hornissen größere Waben. Darin wachsen Männchen und neue Königinnen heran. Nachdem sie geschlüpft sind, werden sie von den Arbeiterinnen gefüttert. Später paaren sich die Königinnen mit den Männchen entweder im Nest oder auf einem Hochzeitsflug. Die Männchen und das Hornissenvolk sterben bald darauf. Die Königinnen überwintern bis zum Frühjahr und gründen wieder ein neues Volk.
Ernährung
Auf dem Speiseplan der Hornissen stehen oft süßes Obst, Pflaumen, reife Äpfel, Mirabellen, Kirschen, Pflanzensäfte oder auch mal Kuchenkrümel und Limonade. Zudem erlegen die Arbeiterinnen auch oft Insekten, die sie zu Futterbrei verarbeiten und wie die andere Nahrung im Kropf transportieren. Zurück im Nest würgen sie das Futter heraus und füttern damit die Larven und andere Arbeiterinnen.
Eine Hornissenlarve in einer Wabe (Bild: SWR)Zudem produzieren die Larven einen süßlich schmeckenden Tropfen, den die Arbeiterinnen gerne essen. Wenn es nämlich draußen nass und kalt ist, können die Arbeiterinnen nicht mehr ausfliegen. Dann wird die Nahrung knapp.

Jetzt können die Arbeiterinnen für eine gewisse Zeit von den süßen Tropfen der Larven leben. Die Larven dienen so als lebende Futterspeicher.