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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Kreuzotter

Alltag
Eine Kreuzotter kriecht durch Laub (Bild: SWR)Kreuzottern halten sich am liebsten immer am selben Ort auf. Sie haben auch Überwinterungsplätze, die sie immer wieder aufsuchen und wo sie gemeinsam mit anderen Kreuzottern von Oktober bis März den Winter über ruhen. Solche Überwinterungsplätze sind meist verlassene Höhlen von kleinen Säugetieren wie zum Beispiel Wieseln.
Wenn die Frühlingssonne wieder scheint, kommen als erstes die Männchen aus ihren Höhlen hervor. Ein bis drei Wochen später folgen die Weibchen.
Mehrere Kreuzottern (Bild: SWR)Weil sie wie alle Schlangen zu den Kriechtieren gehören und wechselwarm sind, legen sie sich in den ersten Wochen nach dem Winter jeden Tag viele Stunden lang in die Sonne, um ihren Körper aufzuwärmen. In diesen Wochen nach der Winterruhe fressen sie nichts.

Eine Kreuzotter auf einer Wiese (Bild: SWR)Zwischen Ende April und Ende Mai ist bei den Kreuzottern Paarungszeit. Dazu wählen die Tiere am liebsten warme, sonnige Tage aus.
Etwa drei bis vier Wochen später wandern sie in ihre Sommergebiete, in denen sie bis zum nächsten Winter auf Jagd gehen.
Eine Kreuzotter kriecht zwischen Steinen (Bild: SWR)Wenn es im Herbst wieder kälter wird, wandern sie zu ihren Überwinterungsplätzen zurück.
Kreuzottern sind am Tag und in der Dämmerung aktiv, im Sommer auch in der Nacht. Meist kommen sie bei Sonnenaufgang aus ihren Verstecken und verschwinden am späten Morgen wieder.
Eine Kreuzotter streckt ihren Kopf aus dem Wasser (Bild: SWR)Oft suchen sie in Steinhaufen oder Mauselöchern Schutz.
Am Nachmittag kriechen sie dann zu ihren Sonnenplätzen und nehmen ein ausgiebiges Sonnenbad.
Am wohlsten fühlen sie sich, wenn es in der Sonne 30 bis 33° Celsius hat. Dann sind die Schlangen beweglich und können blitzschnell reagieren.
Eine Kreuzotter im Gras (Bild: SWR)Kreuzottern sind nicht wirklich gefährlich. Sie sind sehr scheue Tiere.
Weil sie Erschütterungen sehr gut wahrnehmen können, sind sie längst geflohen, wenn Menschen in die Nähe kommen.
Nur wenn sie sich bedroht fühlen, greifen sie an und beißen.
Freunde und Feinde
Vor allem Iltisse und Igel machen Jagd auf Kreuzottern. Manchmal jagen aber auch Füchse, Dachse oder Marder diese Schlangen. Gefährlicher werden ihnen jedoch Adler und Störche. Junge Kreuzottern werden sogar von Dohlen oder Elstern gefressen. Und natürlich ist der Mensch ein Feind der Kreuzotter. In früherer Zeit hatten Menschen große Angst vor Schlangen und haben sie erbarmungslos getötet.
Jagd
Eine Kreuzotter auf einem Stein (Bild: SWR)Kreuzottern sind geschickte Jäger. Tagsüber lauern sie ihrer Beute auf, nachts kriechen sie auf der Suche nach Nahrung langsam durch ihr Revier.
Lautlos nähern sie sich bis auf wenige Zentimeter ihren Beutetieren, richten das vordere Drittel des Körpers auf und beißen blitzschnell zu.
Dabei richten sich die normalerweise eingeklappten Giftzähne auf und dringen in das Beutetier ein. Das Gift tötet die Beute und beginnt außerdem, sie zu verdauen.

Meist versuchen die gebissenen Beutetiere noch zu fliehen, aber sie kommen nicht besonders weit: Das Gift lähmt sie und sie sterben innerhalb weniger Minuten. Die Kreuzotter spürt mit ihrer Zunge die Duftspur ihrer Beute auf. Wenn sie sie gefunden hat, verschlingt sie sie mit dem Kopf voran.
Nachwuchs
Kreuzottern werden mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Nachdem sich die Männchen im Frühjahr zum ersten Mal gehäutet haben, beginnt die Paarungszeit. Die Männchen kriechen umher und suchen ein zur Paarung bereites Weibchen.
Zwei kämpfende Kreuzottern mit aufgerichteten Körpern (Bild: SWR)Treffen sie dabei auf ein anderes Männchen, führen sie miteinander Scheinkämpfe aus:

Beide richten ihre in S-Form gebogenen Vorderkörper auf. Sie wiegen sich seitlich hin und her, umschlingen sich und pressen ihre Körper so fest aneinander, bis sie schließlich umfallen.

Das wiederholen sie mehrere Male, bis das schwächere Männchen schließlich flieht. Meist werden diese Kämpfe in der Nähe eines Weibchens ausgetragen.
Anschließend paart sich der Sieger mit dem Weibchen. Dazu betastet er mit der Zunge die Seiten und den Rücken des Weibchens, zieht sich wieder zurück und verfolgt das Weibchen wieder. Schließlich kriecht er ganz eng an das Weibchen heran, berührt sie etwa 100 mal pro Minute mit der Zunge und legt dann seinen Kopf auf ihren Kopf. Mit der Schwanzspitze umfasst er den Körper des Weibchens. Dann findet die Begattung statt, indem beide ihre Körperöffnung - die so genannte Kloake - aneinander pressen. Die Paarung kann bis zu zweieinhalb Stunden dauern.

Im Lauf des Sommers - meist gegen Ende August - kommen fünf bis 18 Junge zur Welt. Kreuzottern werden lebend geboren, das heißt, die Eier entwickeln sich im Bauch der Mutter. Die kleinen Ottern kommen in einer weichen Eihülle zur Welt. Ein paar Minuten nach der Geburt zerreißen sie sie und kriechen davon. Sie sind gleich sehr selbstständig und beginnen bereits kurze Zeit nach der Geburt zu jagen.
Autorin: Barbara Kiesewetter