OLIs Wilde Welt
Eine Kreuzspinne im Netz (Bild: SWR/Stösser)

Kreuzspinnen


Araneus

Die meisten Kreuzspinnen sind ganz leicht an der kreuzförmigen Zeichnung auf ihrem Rücken zu erkennen. Die bekannteste Vertreterin bei uns ist die Gartenkreuzspinne.
Aussehen
Das Maul einer Kreuzspinne (Bild: SWR)Kreuzspinnen haben das typische Aussehen von Spinnen: Sie bestehen aus dem Vorder- und dem Hinterkörper, dem Kopf mit den Cheliceren (Giftklauen), sowie acht Beinen. An diesen kann man sie auf den ersten Blick von Insekten unterscheiden, die nur sechs Beine besitzen.
Kreuzspinnen besitzen, wie alle Spinnen, ein festes Außenskelett aus Chitin, der Hinterleib ist jedoch weich, sodass er sich ausdehnen kann. Wenn Spinnen wachsen, müssen sie sich häuten. Gleich wenn sie aus dem Ei schlüpfen, streifen sie die erste Hülle ab, dann häuten sie sich im Abstand von ein paar Wochen mehrmals. Nach der letzten Häutung sind sie geschlechtsreif.
Eine Kreuzspinne sitz auf einem Finger (Bild: SWR)Einige Kreuzspinnen-Arten tragen das typische helle Kreuz auf dem Rücken. Es setzt sich aus länglichen Flecken und Punkten zusammen. Die Farben Spinnen variieren je nach Lebensraum. Sie reichen von Beige, Hellbraun über Rot bis fast Schwarz, die Tiere können aber auch mehrfarbig sein. Je nach Art werden Kreuzspinnen fünf bis 17 Millimeter lang, manche Arten sind sogar noch größer. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Unsere heimische Gartenkreuzspinne misst bis zu 17 Millimeter und ist damit eine der größten unserer einheimischen Spinnen.
Heimat
Kreuzspinnen sind auf der ganzen Welt zu Hause, weltweit gibt es mehrere hundert verschiedene Arten. In Mitteleuropa leben jedoch nur rund zehn Arten. Die bei uns bekannteste ist die Gartenkreuzspinne.
Lebensraum
Kreuzspinnen bevorzugen leicht schattige Wiesen, Waldränder und Gärten. Wichtig ist, dass die Lebensräume nicht zu offen sind, sondern dass die Vegetation etwas höher ist. In solchen Lebensräumen findet man auch die Gartenkreuzspinne. Sie ist bei uns bis in den Herbst hinein zu sehen.
Rassen und Arten
Neben der Gartenkreuzspinne findet man bei uns zum Beispiel die Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus), die Marmorierte Kreuzspinne (Araneus marmoreus), die Gehörnte Kreuzspinne (Araneus angulatus) und die Radnetzspinne (Araneus alsine). Letztere ist eine der Spinnen, die auf der Roten Liste steht und gefährdet ist. Von Südeuropa bis Zentralasien lebt die Riesenkreuzspinne. Sie wird bis zu 23 Millimeter groß.
Lebenserwartung
Kreuzspinnen werden bis zu 3 Jahre alt.
Alltag
Eine Kreuzspinne sitz auf einem Finger (Bild: SWR)Auch wenn manche Menschen Angst vor Spinnen haben und diese Spinnen mit ihrem Kreuz auf dem Rücken vielleicht etwas unheimlich aussehen: Unsere einheimischen Kreuzspinnen sind für den Menschen harmlos, auch wenn sie, wie fast alle Spinnen, giftig sind. Zu einen können sie mit ihren kurzen Giftklauen die Haut des Menschen kaum durchdringen, zum anderen ist ihr Gift für uns zu schwach. Höchstens bei kleinen Kindern kann die Bissstelle etwas jucken, ähnlich wie bei einem Mückenstich, und nur bei Menschen, die allergisch reagieren, könnte ein Biss problematisch sein.
Eine Kreuzspinne baut ihr Netz (Bild: SWR)Kreuzspinnen gehören zu den Radnetzspinnen. Ihre großen Radnetze sind faszinierend und je nach Art unterschiedlich gebaut. Ein Netz kann aus rund 20 Metern Spinnfaden bestehen, und die Spinne kann es in rund 45 Minuten weben. Meist findet man es knapp über dem Boden an Zweigen von Bäumen und Sträuchern. Zunächst produziert die Spinne einen sogenannten Brückenfaden, der vom Wind weitergetragen wird und sich an einem benachbarten Zweig verfängt. Von der Mitte dieses Fadens aus spinnt sie einen weiteren Faden nach unten, den sie ebenfalls an einem Zweig befestigt.
Eine Kreuzspinnen baut ein Netz (Bild: SWR)Dann spinnt sie zwischen diesen Punkten die Rahmenfäden sowie die Stützfäden (Radialspeichen), die von der Netzmitte zu den Rahmen-fäden führen. Schließlich baut sie von der Netzmitte aus die Hilfsspirale und vom Netzrand zur Netzmitte die Fangspirale. Diese besteht aus dem Fangfaden, der mit Klebetröpfchen besetzt ist. Beim Spinnen der Fangspirale löst die Spinne die Hilfsspirale auf und frisst den Faden. Das Netz oder Teile davon werden jeden Morgen neu gewebt oder repariert, da die Fäden durch Staub etc. nicht mehr so klebrig sind und das Netz beschädigt wird, wenn sich Beute darin verfängt.
Die Seidenfäden der Kreuzspinnen gehören zu den festesten und elastischsten Materialien, die es gibt: Sie können um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden, ohne zu reißen. Die Fäden bestehen aus verschiedenen Eiweißen und werden in den Spinndrüsen im Hinterleib der Spinne hergestellt und dann durch die sechs Spinnwarzen am Hinterleib ausgeschieden.
Freunde und Feinde
Spinnen haben viele Feinde: Sie stehen auf dem Speiseplan von Vögeln, Amphibien und Reptilien.
Jagd
Eine Kreuzspinne im Netz (Bild: SWR/Stösser)Um ihrer Beute aufzulauern, sitzt die Spinne entweder in der Mitte des Netzes oder am Rand in den oberen Ecken. Dann ist sie über einen Signalfaden mit dem ganzen Netz verbunden. So kann sie, sobald sich ein Insekt im Netz verfängt, die Bewegungen der zappelnden Beute wahrnehmen. Nun umwickelt die Spinne die Beute mit einem Spinnfaden, indem sie sie ständig dreht. Wenn sich die Beute nicht mehr wehren kann, injiziert sie ihr mit einem Biss ihr lähmendes Gift. Anschließend transportiert die Spinne ihre Beute in eine ungestörte Ecke und frisst sie, oder sie bewahrt sie als Vorrat auf.
Nachwuchs
Paarungszeit bei unserer Gartenkreuzspinne ist der Spätsommer. Etwas ab August machen sich die Männchen auf die Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen. Zuerst spinnen sie ein kleines Netz, auf das sie ihr Sperma abgeben. Dieses nehmen sie dann mit den sogenannten Tastern (Pedipalpen) auf.
Eine Kreuzspinne baut ihr Netz (Bild: SWR)Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, spinnt es einen Werbefaden zu ihrem Netz. Um zu prüfen, ob das Weibchen paarungsbereit ist, zupft es in einem bestimmten Rhythmus an diesem Faden. Außerdem weiß das Weibchen dann, dass es sich um ein Männchen handelt und nicht um Beute. Will es sich paaren, läuft es zum Männchen und präsentiert ihm seinen Bauch mit der Geschlechtsöffnung. Schnell springt das Männchen auf das Weibchen und führt seine Taster mit dem Sperma ein. Nach wenigen Sekunden entfernt es sich rasch. Die Paarung wird meist mehrere Male wiederholt.
Ab September legt das Weibchen dann jeweils 40–50 Eier in mehreren umsponnenen gelblichen Kokons ab, die sie zum Beispiel unter Blättern versteckt. Die Jungspinnen schlüpfen zwar noch vor dem Winter, sie bleiben jedoch über Winter noch in ihrem schützenden Kokon und verlassen ihn erst im folgenden Frühjahr. Die nur stecknadelkopfgroßen Jungspinnen halten sich dann erst in gemeinsam in einem Gespinst auf, bevor sie etwa Mitte Mai auseinander gehen und jede Jungspinne ihre eigenes kleines Netz spinnt. Bis sie zum ersten Mal Beute machen, ernährt sich jede Jungspinne von ihrem Dottervorrat.
Ernährung
Eine Kreuzspinne hat eine Fliege gefangen (Bild: SWR)Kreuzspinnen ernähren sich von Insekten wie Blattläusen, Käfern, Fliegen und Bienen, aber auch Schmetterlingen. Da Spinnen nicht kauen können, erbricht sie etwas Verdauungssaft über der Beute, der das Gewebe des Opfers auflöst. Diese Flüssigkeit wird dann von der Spinne aufgesaugt.