OLIs Wilde Welt
Ein Kugelgürteltier erkundet seine Umwelt (Bild: picture alliance / dpa)

Kugelgürteltier


Tolypeutes

Der Körper der Kugelgürteltiere ist mit einem Panzer aus Hornplatten bedeckt. Bei Gefahr können sie sich zu einer richtigen Kugel zusammenrollen und sind dann perfekt geschützt.
Aussehen
Kopf, Körper und Schwanz sind von einem lederartigen Panzer bedeckt.  (Bild: SWR)
Kopf, Körper und Schwanz sind von einem lederartigen Panzer bedeckt. Dieser besteht aus vielen sechseckigen Horn- und Knochenplatten, die von der Haut gebildet werden.

Weil diese Platten in Reihen angeordnet sind, erinnern sie im Aussehen an Gürtel - daher kommt auch der Name Gürteltier.

Bei jungen Gürteltieren ist der Panzer noch lederartig, mit zunehmendem Alter wandeln sich die einzelnen Platten in harte Knochenplatten um.
Kopf eines Gürteltiers  (Bild: SWR)
Kugelgürteltiere sind dunkel- bis graubraun gefärbt. Sie besitzen einen schmalen Kopf mit spitzer Schnauze, einen sechs bis acht Zentimeter langen Schwanz und sind relativ hochbeinig.

Ein erwachsenes Kugelgürteltier wiegt etwa eins bis 1,6 Kilogramm und wird zwischen 35 und 45 Zentimeter lang.

Typisch sind auch die unterschiedlich ausgebildeten Vorder- und Hinterfüße:
Die Vorderfüße haben vier Zehen mit scharfen Krallen, die mittleren drei Zehen der Hinterfüße sind dagegen ähnlich wie ein Huf zusammengewachsen. Auf der Bauchseite besitzen Kugelgürteltiere haarartige harte Borsten.
Heimat
Kugelgürteltiere sind im mittleren Südamerika zu Hause. Dort kommen sie in Brasilien, Bolivien, Paraguay sowie im Norden von Argentinien vor.
Lebensraum
Kugelgürteltiere leben im offenen Grasland, in Savannen und in trockenen Waldgebieten.
Rassen und Arten
zusammengerolltes Kugelgürteltier  (Bild: SWR)
Der nächste Verwandte des Kugelgürteltiers, das auch südliches Kugelgürteltier genannt wird, ist das Dreibinden-Gürteltier, das man auch als nördliches Kugelgürteltier bezeichnet.

Daneben gibt es noch andere Gürteltiergattungen, wie zum Beispiel die Nacktschwanzgürteltiere, die Riesengürteltiere, die Weichgürteltiere und die Gürtelmulle.
Lebenserwartung
In Gefangenschaft gehaltene Kugelgürteltiere können bis zu 20 Jahre alt werden. In ihrem natürlichen Lebensraum leben sie vermutlich nicht so lange.
Alltag
Kugelgürteltier von vorne  (Bild: SWR)
Kugelgürteltiere gehören zu einer der ältesten Gruppen der Säugetiere: Man zählt sie zu den so genannten Nebengelenktieren, zu denen auch Faultiere und Ameisenbären gehören.

Die Bezeichnung "Nebengelenktiere" kommt daher, dass diese Tiere an den Brust- und Lendenwirbeln zusätzliche Gelenkhöcker haben.

Diese sorgen dafür, dass die Wirbelsäule besonders fest und stabil ist und deshalb haben Gürteltiere besonders viel Kraft, um im Boden nach Nahrung zu graben.
Die Vorfahren und Verwandten dieser Tiergruppe lebten im Tertiär, also vor 65 Millionen Jahren auf der Erde. Allerdings kamen sie schon damals ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vor.

Und weil Südamerika zur Tertiärzeit von Mittel- und Nordamerika und von den übrigen Kontinenten getrennt war, hat sich diese Tiergruppe nur hier entwickelt. Erst als zum Ende der Tertiärzeit eine Landbrücke zu Mittelamerika entstand, konnten sie sich weiter nach Norden ausbreiten.
Zwei Kugelgürteltiere im Stroh  (Bild: SWR)
Kugelgürteltiere sind meist nachtaktiv. Sie suchen sich in verlassenen Bauen anderer Tiere ein Zuhause, nur selten graben sie selber einen Bau.
Manchmal schlafen sie auch im Gestrüpp dichter Büsche. Die meiste Zeit leben sie als Einzelgänger, aber zum Schlafen ziehen sich manchmal mehrere Tiere in einen Bau zurück.
Kugelgürteltiere besitzen Zähne, die ein Leben lang nachwachsen, wenn sie durch das Zerkauen der Nahrung abgenützt werden.
Ungewöhnlich ist auch der Blutkreislauf und die Regulierung der Körpertemperatur: Die zum Herzen führenden Adern bilden ein dichtes Netz aus Äderchen, so dass die Herzmuskeln besonders gut mit Sauerstoff versorgt werden.

Ihre Körpertemperatur können die Gürteltiere jedoch nicht so gut regeln wie die übrigen Säugetiere: Bei bis zu 16 oder 18°C Außentemperatur bleibt ihre Körpertemperatur relativ stabil. Sinkt die Außentemperatur aber zum Beispiel auf 11°C ab, sinkt auch die Körpertemperatur der Gürteltiere. Deshalb kommen sie auch nur in warmen subtropischen und tropischen Gebieten vor.
Freunde und Feinde
Bei Gefahr rollt sich das Kugelgürteltier zusammen  (Bild: SWR)
Kugelgürteltiere haben wenig natürliche Feinde, weil sie eine perfekte Verteidigungsstrategie besitzen:

Bei Gefahr und wenn sie angegriffen werden, rollen sie sich zu einer Kugel zusammen. Die Beine werden im Inneren der Kugel versteckt. Die Panzerplatten des Kopfs und des Schwanzes bilden den Verschluss der Kugel.

So kann kein feindlicher Räuber wie Fuchs oder Mähnenwolf an das Kugelgürteltier herankommen - der harte Panzer schützt es.

Der gefährlichste Feind für das Kugelgürteltier ist der Mensch: Weil sein Fleisch sehr schmackhaft ist, werden die Tiere gerne gejagt. Außerdem wird ihr Lebensraum immer knapper.
Nachwuchs
Zwei Kugelgürteltiere  (Bild: SWR)
Kugelgürteltier-Weibchen bringen immer nur ein Junges zur Welt. Es wird nach 120 Tagen Tragzeit zwischen November und Januar geboren.
Zwei bis drei Monate werden sie von der Mutter gesäugt, dann werden sie entwöhnt und rasch erwachsen.
Im Alter von neun bis zwölf Monaten werden sie geschlechtsreif.
Sprache
Kugelgürteltiere geben kaum Laute von sich. Aber wenn sie sich einrollen, atmen sie aus und lassen dabei einen zischenden Laut hören.
Ernährung
Krallen eines Gürteltiers  (Bild: SWR)
Kugelgürteltiere ernähren sich vor allem von Insekten und Insektenlarven. Am liebsten mögen sie Ameisen und Termiten.

Mit ihren starken Krallen können sie sogar die Bauten der Termiten aufbrechen oder Rinde von Bäumen reißen, um dort nach Beute zu suchen.

Diese holen sie dann mit ihrer langen, klebrigen Zunge aus Verstecken. Ab und zu naschen sie auch Früchte und andere Pflanzenteile.