OLIs Wilde Welt
Ein weidendes Lama (Bild: picture alliance / dpa)

Lama


Lama guanicoe glama

Anmutig und leichtfüßig ziehen die Lamas über die steilen Pässe der Anden. Diese "Kamele der neuen Welt" sind wichtige Tragtiere sowie Woll- und Fleischlieferanten.
Aussehen
Lamas laufen aus einem Stall (Bild: SWR)Auch wenn sie keine Höcker haben: Lamas gehören zur Familie der Kamele und werden - weil sie nur in Südamerika, also der neuen Welt vorkommen - auch "Neuweltkamele" genannt.

Ihr Körper wird eineinhalb bis zwei Meter lang und sie wiegen 130 bis 155 Kilogramm. Die Schulterhöhe liegt zwischen 80 Zentimetern und 1,2 Metern. Meist sind die Weibchen etwas größer als die Männchen.
Das Fell der Tiere kann unterschiedlich gefärbt sein: Es ist weiß, braun, schwarz oder grau.

Ein Lama zeigt seine unteren Zähne (Bild: SWR)Es ist sehr dicht, weich und wollig und besitzt nur wenige dickere Haare, so dass die Tiere bei Regen kaum geschützt sind, sondern nass werden. Der Rücken der Lamas ist gerade, die Augen sind groß und sie haben lange Wimpern. Die Ohren sind lang und spitz, der Schwanz ist rund und dick.
Wie bei allen Kamelen ist die Oberlippe gespalten und sehr beweglich.

Das Sohlenpolster eines Lamas (Bild: SWR)Ähnlich wie Kamele besitzen Lamas unten an den Füßen ein Sohlenpolster.

Es ist kaum zu glauben, aber Lamas können gut schwimmen und sogar kleine Meeresarme durchqueren.

Lamas sind Haustiere, die schon lange bevor die ersten Europäer nach Südamerika kamen - nämlich vor 4000 bis 5000 Jahren - von den Indios aus Guanakos gezüchtet wurden. Lamas sind größer und kräftiger als Guanakos und dienen noch heute als Lasttiere.
Heimat
Lamas leben in Südamerika von Nordargentinien über Chile und Südperu bis Bolivien. Sie bewohnen vor allem die Hänge der Anden von der Ebene bis in 4000 Meter Höhe.
Lebensraum
Ein Lama sitzt in einer Staubwolke, andere kommen neugierig näher (Bild: SWR)Lamas können wie ihre wilden Vorfahren, die Guanakos, in vielen verschiedenen Lebensräumen leben.

Sie kommen im Tiefland an der Küste ebenso vor wie im Hochgebirge in über 4000 Metern Höhe.
Sie kommen im Grasland ebenso zurecht wie in Halbwüsten und Buschsteppen.
Rassen und Arten
Ein Lama und dahinter das kleinere Alpaka (Bild: SWR)Neben dem gezüchteten Lama leben in Südamerika noch das Guanako, die Wildform des Lamas. Es hat eine Schulterhöhe bis zu 115 Zentimeter und wird bis zu 120 Kilogramm schwer.

Das Alpaka, das für seine feine Wolle berühmt ist, ist ebenfalls von den Indios aus dem Guanako gezüchtet worden.

Das vierte südamerikanische Neuweltkamel - das wilde Vikunja - ist sehr viel kleiner und zierlicher als ein Lama.

Es hat eine Schulterhöhe von maximal 95 Zentimetern und wiegt bis zu 55 Kilogramm. Es lebt meist in Höhen von 3700 bis 4600 Metern, kann aber sogar noch in 5700 Meter Höhe in den Anden überleben, da es ein stark vergrößertes Herz und zahlreiche rote Blutkörperchen besitzt, so dass es auch aus der sauerstoffarmen Hochgebirgsluft noch genug Sauerstoff aufnehmen kann.
Lebenserwartung
Lamas werden 15 bis 20 Jahre alt.
Alltag
Lama-Herde auf einer Wiese (Bild: SWR)Wenn sie frei leben und nicht als Lasttiere genutzt werden, leben Lamas wie ihre wilden Verwandten, die Guanakos, in Gruppen:

Ein starkes Männchen führt eine Gruppe aus mehreren weiblichen Tieren - meist ist es ein Dutzend - an. Um diese Weibchen muss er gegen andere männliche Artgenossen kämpfen.
Dabei rempeln sie sich an, versuchen sich in die Vorderbeine zu beißen - und natürlich spucken sie sich gegenseitig Speichel und Mageninhalt ins Gesicht!
Kleine Lama-Gruppe  (Bild: SWR)Zusammen mit dem Männchen und den Weibchen leben die Jungtiere, so dass eine Lama-Herde aus etwa 30 Tieren besteht.

Werden die jungen Männchen geschlechtsreif, werden sie vom Leithengst aus der Herde vertrieben.

Lamas sind perfekt an ein Leben in großer Höhe angepasst. Weil sie Sauerstoff aus der Luft auf eine ganz bestimmt Art und Weise aufnehmen können, können sie auch in großen Höhen leben und Lasten tragen.
Lama  (Bild: SWR)Deshalb wurden sie in Südamerika auch bis heute nicht von den Eseln verdrängt, die von den Europäern mitgebracht wurden.

Doch Lamas sind nicht nur Arbeitstiere: Vor allem die Weibchen werden geschoren und liefern kostbare Wolle.
Außerdem wird das Fleisch der Tiere gegessen.
Rennende Lamas  (Bild: SWR)Schnell sind Lamas allerdings nicht:
Eine Lama-Karawane schafft höchstens zehn bis 20 Kilometer pro Stunde. Dafür kommen Lamas die steilsten Wege hoch, auf denen kein Auto mehr fährt.

Die Lasten, die sie tragen können, sind aber nicht allzu groß: Maximal 50 Kilogramm schafft ein kräftiges männliches Tier, meistens sind es aber nur 35 Kilogramm.
Wird einem Lama seine Bürde zu schwer, tritt es in Streik: Es legt sich hin und steht erst wieder auf, wenn seine Last verringert wird.

Und nicht zuletzt sind Lamas wichtige Brennstofflieferanten: Sie setzen ihren Kot an immer den gleichen Stellen ab, so dass große Haufen entstehen, die mit der Zeit trocknen und von den Indios als Brennmaterial genutzt werden.
Freunde und Feinde
Lediglich Pumas können einem jungen oder schwachen Lama gefährlich werden. Die größten Feinde der wilden Guanakos und Vikunjas waren jedoch die europäischen Eroberer, die diese Tiere unbarmherzig gejagt haben.
Nachwuchs
Lama-Weibchen und ihr Junges  (Bild: SWR)Paarungszeit ist bei den Lamas von November bis Februar.

Nach einer sehr langen Tragzeit von über elf Monaten zwischen Oktober und Januar bringen die Weibchen schließlich die Jungen zur Welt. Meist ist es nur ein Junges, ganz selten sind es Zwillinge.

Schon nach wenigen Minuten richten sich die neugeborenen Lamas auf ihren wackeligen Beinen auf und können der Mutter folgen. Sie werden vier Monate lang gesäugt.

Mit zwei bis drei Jahren sind die Jungtiere erwachsen und werden geschlechtsreif.
Sprache
Lamas sind sehr leise Tiere und geben kaum Laute von sich. Nur wenn sie Artgenossen vor einer Gefahr warnen wollen, geben sie dem Wiehern ähnelnde Geräusche von sich.
Ernährung
Lamas trinken Wasser  (Bild: SWR)Lamas ernähren sich wie Guanakos vor allem von Gräsern und Kräutern, sie fressen aber auch Blätter und Knospen von Sträuchern und jungen Bäumen sowie Flechten und Pilze.

Da sie so einen langen Speisezettel haben, können sie viele unterschiedliche Lebensräume besiedeln.

Anders als die Kamele in Afrika und Asien, die tage- oder wochenlang ohne Wasser auskommen, müssen die Lamas und ihre anderen südamerikanischen Verwandten regelmäßig Wasser trinken.