OLIs Wilde Welt
Eine zwei Jahre alte Nasenbärin (Bild: picture alliance / dpa)

Nasenbär


Nasua nasua

Ihren Namen tragen sie nicht von ungefähr: Nasenbären besitzen eine Nase, die wie ein kleiner Rüssel verlängert und sehr beweglich ist.
Aussehen
Ein Nasenbär auf einem Stein (Bild: SWR)Der Nasenbär ist ein kleines Raubtier, das zur Familie der Kleinbären und dort zur Gattung der Nasenbären gehört.
Sein Körper ist etwas gestreckt, die Beine sind relativ kurz und kräftig. Auffällig ist sein langer Schwanz, der schwarz geringelt und sehr buschig ist. Das Fell der Nasenbären kann unterschiedlich gefärbt sein: Die Palette reicht von rötlichbraun und zimtbraun bis grau, am Bauch ist es fast weiß gefärbt. Die Ohren sind kurz und rundlich.
Nasenbär schaut neugierig in die Kamera (Bild: SWR)Charakteristisch ist der lang gestreckte Kopf mit der rüsselartigen Schnauze. Sie ist überwiegend schwarz, trägt aber an den Seiten weiße Zeichnungen.
Nasenbären werden vom Kopf bis zum Po etwa 32 bis 65 Zentimeter lang. Der Schwanz misst 32 bis 69 Zentimeter. Sie können von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze also über 130 Zentimeter lang werden. Sie wiegen zwischen 3,5 und sechs Kilogramm. Die Männchen sind größer und schwerer als die Weibchen.
Heimat
Nasenbären gibt es nur in Südamerika - dort sind sie allerdings fast über den ganzen Kontinent verbreitet und werden Coati genannt - ein Name, der aus einer indianischen Sprache stammt. Sie kommen von Kolumbien und Venezuela im Norden bis nach Uruguay und im nördlichen Argentinien vor.
Lebensraum
Zwei Nasenbären auf einer Wiese (Bild: SWR)Nasenbären sind überwiegend Waldbewohner:
Sie sind in tropischen Regenwäldern, in Flusswäldern, aber auch in Gebirgswäldern bis in 2500 Meter Höhe zuhause.
Manchmal kommen sie auch in Grassteppen und sogar am Rand von Wüstengebieten vor.
Rassen und Arten
Es gibt vier verschiedene Nasenbären-Arten mit mehreren Unterarten: Neben dem Südamerikanischen Nasenbär sind dies der Weißrüsselnasenbär, der Kleine Nasenbär und Nelsons Nasenbär. Er gilt auch als Unterart des Weißrüsselnasenbären. Dieser kommt am weitesten nördlich vor: Er lebt auch im Südwesten der USA und in Panama.
Nasenbären sind nahe mit den nordamerikanischen Waschbären verwandt.
Lebenserwartung
In der Natur werden Nasenbären 14 bis 15 Jahre alt. Das höchste bekannte Alter, das ein Tier in der Gefangenschaft erreichte, waren 17 Jahre.
Alltag
Ein Nasenbär schnuppert an einem Futternapf - eine Plastiktonne mit Löchern (Bild: SWR)Anders als die meisten anderen Kleinbären sind Nasenbären am Tag aktiv. Zur Futtersuche halten sie sich überwiegend auf dem Boden auf.
Ihre lange Nase dient ihnen dabei als Werkzeug: Mit ihr können sie sehr gut riechen und sie ist so beweglich, dass sie mit ihr auch hervorragend im Boden nach Futter wühlen und graben können.
Wenn sie sich ausruhen und schlafen, klettern sie auf Bäume. Bei diesen Klettertouren ist ihr Schwanz eine gute Hilfe: Mit ihm halten die Nasenbären die Balance, wenn sie auf den Ästen entlang turnen.
Nasenbären sind außerdem ausgezeichnete Schwimmer.
Mehrere Nasenbären auf einer Wiese (Bild: SWR)Nasenbären leben recht gesellig: Mehrere Weibchen leben mit ihren Jungtieren in Gruppen von vier bis 25 Tieren zusammen.
Die Männchen sind dagegen Einzelgänger und ziehen meist allein durch den Wald. Sie bewohnen eigene Reviere, die sie vehement gegen männliche Artgenossen verteidigen.

Dabei drohen sie zunächst, indem sie die Nase hochziehen und ihre Zähne zeigen. Weicht der Konkurrent nicht zurück, beißen sie auch zu.
Freunde und Feinde
Ein Nasenbär schnüffelt an einem Rucksack, der auf dem Boden liegt (Bild: SWR)Vor allem Greifvögel, Riesenschlangen und größere Raubtiere wie Jaguare, Jaguarundis und Pumas machen Jagd auf Nasenbären.
Weil Nasenbären ab und zu auch Hühner aus Ställen stehlen oder Vorratskammern leer fressen, machen auch Menschen Jagd auf sie.
Sie sind aber immer noch sehr weit verbreitet und nicht gefährdet.
Nachwuchs
Nasenbären in einer Gruppe (Bild: SWR)Nur zur Fortpflanzungszeit erlauben die Weibchen-Gruppen, dass sich ihnen ein Männchen nähert. Es muss sich seinen Platz in der Gruppe aber erst verdienen:
Nur wenn es den Weibchen das Fell pflegt und sich unterordnet, wird es in der Gruppe akzeptiert. Männliche Konkurrenten vertreibt es unerbittlich.

Schließlich darf es sich mit allen Weibchen paaren. Danach wird das Männchen jedoch wieder aus der Gruppe vertrieben.
Für die Geburt baut sich jedes Weibchen hoch oben in den Bäumen ein Nest aus Blättern. Dorthin zieht es sich zurück und bringt nach 74 bis 77 Tagen Tragzeit drei bis sieben Junge zur Welt. Die Jungen wiegen etwa 100 Gramm und sind zunächst blind und taub: Erst am vierten Tag können sie hören und am elften Tag öffnen sich ihre Augen.
Ein junger und ein erwachsener Nasebär beim Fressen (Bild: SWR)Nach fünf bis sieben Wochen schließen sich die Weibchen zusammen mit ihren Jungen wieder der Gruppe an.
Vier Monate werden die Kleinen von der Mutter gesäugt, danach fressen sie feste Nahrung. Wenn sie auf Futtersuche sind, fiepen die Weibchen, um die Jungen bei sich zu halten.
Nasenbären sind mit etwa 15 Monaten ausgewachsen, Männchen werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit drei Jahren.
Sprache
Wenn sich Nasenbären bedroht fühlen, geben sie Grunz-Laute von sich.
Ernährung
Ein Nasenbär frisst Rosinen (Bild: SWR)Nasenbären haben einen sehr abwechslungsreichen Speiseplan:
Fast alles, was ihnen vor die lange Nase kommt, wird gefressen.
Neben Pflanzen und Früchten sind dies auch Insekten und deren Larven, Spinnen, Skorpione, aber auch kleine Wirbeltiere wie Eidechsen oder Nagetiere.
Sogar vor Aas machen sie nicht Halt.
Haltung
Ein Nasenbär wird mit Obst gefüttert (Bild: SWR)Ab und zu werden Nasenbären in Südamerika wie Haustiere gehalten. Sie eignen sich aber nicht besonders dafür: die Aufzucht ist sehr schwierig, und die Kosten für das Futter sind sehr hoch. Sie können zwar zahm und zutraulich werden, manche Tiere sind, wenn sie als Haustiere gehalten werden, aber in ihrem Verhalten gestört.
Nasenbären sind ziemlich unbequeme Mitbewohner: Sie sind sehr neugierig und zerkratzen auf ihren Entdeckungstouren im Haus auch gerne einmal Möbel.