OLIs Wilde Welt
Neugierig beäugt dieser Orang-Utan seine Umgebung (Bild: picture-alliance/ dpa)

Orang-Utan


Pongo pygmaeus, Pongo abelii

Sie sind scheu, aber schlau, und ihr sympathisches Wesen fasziniert uns: Die Orang-Utans mit ihrem roten, langen Fell sind die einzigen Menschenaffen Asiens.
Aussehen
Sumatra Orang-Utan steht aufrecht auf dem Boden (Bild: SWR)Orang-Utans gehören zusammen mit den in Afrika lebenden Gorillas und Schimpansen zu den Menschenaffen.
Weil sie sich aber stärker von ihren afrikanischen Verwandten unterscheiden, bilden sie eine eigene Unterfamilie. Vom Kopf bis zum Po messen Orang-Utans 115 bis 150 Zentimeter.

Männchen und Weibchen werden unterschiedlich schwer: Während männliche Orangs 50 bis 90 Kilogramm auf die Waage bringen - manche sogar mehr - wiegen die zierlicheren Weibchen nur 30 bis 50 Kilogramm.
Sumatra Orang-Utan beim Fressen (Bild: SWR)Wie alle Menschenaffen haben sie keinen Schwanz.
Unverwechselbar ist ihr langes, zotteliges und rot bis bräunlich gefärbtes Fell. Besonders an Schultern und Armen hängt das Fell in bis zu 50 Zentimeter langen Fransen herab.
Diese dienen einem besonderen Zweck: An ihnen läuft das Regenwasser ab, sodass die Haut der Tiere auch bei starkem Regen möglichst trocken bleibt.
Der Kopf der Orang-Utans ist weniger von Wülsten über den Augen geprägt als der der afrikanischen Menschenaffen, und ihre Schnauze ragt relativ weit vor.
Sumatra Orang-Utan beim Fressen (Bild: SWR)Die Männchen besitzen einen ziemlich langen Bart und einen Kehlsack. Wenn sie älter werden, entwickeln sie sogenannte Backenwülste.

Das sind feste Hautfalten an beiden Seiten des Gesichts. Diese Backenwülste sind ein Zeichen für die Gesundheit der Tiere: Je dicker die Backenwülste sind, umso fitter ist ein Orang-Utan-Männchen.
Bei kranken und schwachen Tieren sind die Backenwülste klein.
Orang-Utans sind perfekt an das Leben auf Bäumen angepasst: Ihre Beine sind relativ kurz und ihre Füße gleichen fast einer Hand.
Hände eines Orang-Utans (Bild: SWR)Die Arme sind dafür extrem lang: Ein erwachsener Orang-Utan kann eine Spannweite von 2,25 Metern haben.
Die Hände sind lang und etwas gekrümmt, der Daumen ist kurz - so können Orang-Utans sehr gut greifen.

Dank ihrer kurzen Beine und der langen Arme sind Orangs geschickte Kletterer, die sich kraftvoll von Ast zu Ast hangeln.
Heimat
Orang-Utans gibt es heute nur in Südostasien auf den beiden indonesischen Inseln Sumatra und Borneo. Auf Sumatra leben die Orangs in Nordwesten und an einigen Teilen der Westküste, auf Borneo sind sie vor allem im Süden und Osten zu finden. Früher, so zeigen Fossilien, waren sie viel weiter über Südostasien verbreitet.
Lebensraum
Orang-Utans sind Baumbewohner: Sie leben in tropischen Regenwäldern. Dort kommen sie von den Meeresküsten bis in etwa 1500 Meter Höhe vor. Oft findet man sie in der Nähe von Sümpfen und Flüssen.
Rassen und Arten
Sumatra Orang-Utan hinter einem Ast mit Blättern (Bild: SWR)Die auf Borneo und Sumatra lebenden Orang-Utans unterscheiden sich etwas voneinander. Während man sie früher für zwei Unterarten hielt, werden sie heute meist als zwei verschiedene, aber sehr nah verwandte Arten betrachtet.
Die auf Sumatra wohnenden Orang-Utans heißen mit wissenschaftlichem Namen Pongo abelii, die auf Borneo Pongo pygmaeus. Die Borneo-Orang-Utans sind etwas zierlicher und haben ein kürzeres und dunkleres Fell, das Fell der Orang-Utans auf Sumatra ist länger und rötlicher.
Lebenserwartung
In der Natur können Orang-Utans bis zu 50 Jahre alt werden, in Gefangenschaft etwa 60 Jahre.
Alltag
Ein Sumatra Orang-Utan hat sich in einem hohlen Baumstamm zurückgezogen (Bild: SWR)Orang-Utans sind im Vergleich zu anderen Menschenaffen relativ scheu und leben zurückgezogen. Aber wie ihre afrikanischen Verwandten sind sie tagaktiv.
Der Name "Orang-Utan" kommt aus der malaiischen Sprache und bedeutet auf Deutsch "Waldmenschen" - ein Hinweis, dass Orang-Utans nur im Wald vorkommen.
Sie sind von allen Menschenaffen die einzigen richtigen Baumbewohner.
Schimpansen und Gorillas leben sowohl auf dem Boden als auch auf Bäumen. Orang-Utans sind dagegen perfekte Kletterer, die fast ihre ganze Zeit auf Urwaldbäumen verbringen und sich elegant von einem Baum zum anderen schwingen.
Ein Sumatra Orang-Utan sitzt auf einer Holzkonstruktion im Geäst (Bild: SWR)Nachts bauen sie aus Zweigen und Blättern Baumnester. Diese Nester können bis zu einem Meter Durchmesser haben.
Auf dem Boden sieht man sie nur selten, und wenn, dann stützen sie sich dort nicht wie Gorillas oder Schimpansen auf die Knöchel der Hände, sondern auf die Handflächen oder Fäuste.
Und auch das Wasser ist nicht ihr Element: Orang-Utans können wie alle Menschenaffen und wie wir Menschen von Natur aus nicht schwimmen.
Zwei Sumatra Orang-Utans beim Klettern (Bild: SWR)Deshalb kommt es immer wieder vor, das Orang-Utans ertrinken. Weil sie aber sehr intelligent sind und vieles nachahmen, können sie durchaus schwimmen lernen.
Noch etwas unterscheidet die Orangs von anderen Menschenaffen: Sie leben nicht in Gruppen, sind aber auch keine richtigen Einzelgänger. Weibchen und ihre Jungen leben zusammen, gelegentlich gesellt sich auch ein Männchen zu ihnen. Andere erwachsene Orang-Utans ziehen zwar oft alleine umher, manchmal aber auch zu zweit.

Vor allem Weibchen suchen ab und zu die Gesellschaft anderer Tiere, die Männchen reagieren eher feindselig, wenn sie einander begegnen.
Eine Gruppe Sumatra Orang-Utans essen eine Frucht (Bild: SWR)Genau ist das Familienleben und Sozialverhalten der Orang-Utans aber noch nicht bekannt - man weiß einfach noch zu wenig über diese Waldbewohner.
Forscher haben entdeckt, dass vor allem im Rang höher stehende Orang-Utans ein Revier haben, in dem sie täglich auf Futtersuche gehen, rangniedere Tiere ziehen dagegen umher. Manche halten sich einige Monate in einem Gebiet auf, wandern weiter und kehren immer wieder zu den gleichen Gebieten zurück, andere - vor allem junge Männchen - wandern ständig umher.
Freunde und Feinde
Vor allem Raubtiere können den Orang-Utans gefährlich werden. Die größte Bedrohung geschieht jedoch durch die Abholzung der Wälder und die Zerstörung ihres Lebensraums. Außerdem werden Orang-Utans immer noch gejagt, und vor allem Jungtiere werden sogar als Haustiere verkauft - auch wenn dies streng verboten ist.
Nachwuchs
Orang-Utans pflanzen sich das ganze Jahr über fort. Acht bis neun Monate nach der Paarung kommt ein Junge zur Welt.
Junger Sumatra Orang-Utan (Bild: SWR)Die Babys wiegen 1,5 bis 2 Kilogramm. Sie sind ganz auf die Fürsorge der Mutter angewiesen: Sie klammern sich an ihr Fell, werden von ihr umhergetragen, gestillt und mit zerkauter Nahrung gefüttert. Und natürlich schlafen sie mit ihr im Baumnest.
Erst ab einem Alter von etwa zwei Jahren beginnen sie, die Welt um sich herum zu entdecken und lernen klettern. Allerdings bleiben sie zunächst immer nahe bei der Mutter.
Junge Orangs werden erst mit fünf bis acht Jahren langsam selbstständig.
Sprache
Zwei Sumatra Orang-Utans spielen (Bild: SWR)Über die Mimik, die Körpersprache und die Laute der Orang-Utans weiß man noch wenig. Die durch den Kehlsack sehr lauten Rufe der Männchen sind jedoch nicht zu überhören.
Mit ihnen zeigen sie anderen Männchen: Das ist mein Revier! Und sie versuchen, mit ihren Rufen Weibchen anzulocken.
Ernährung
Ein Sumatra Orang-Utan frisst Blätter von einem Ast (Bild: SWR)Orang-Utans ernähren sich überwiegend von Pflanzen.
Ihr Lieblingsfutter sind verschiedene Früchte, außerdem knabbern sie Blätter, Zweige und die Rinde von Bäumen.

Ab und zu vertilgen sie aber auch Insekten, Vogeleier oder kleine Wirbeltiere.
Haltung
In manchen Zoos werden Orang-Utans gehalten. Dort neigen die Tiere aber dazu, sehr viel schwerer zu werden als in der Natur - das bequeme Leben im Zoo macht sie dick.