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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Orang-Utan

Alltag
Ein Sumatra Orang-Utan hat sich in einem hohlen Baumstamm zurückgezogen (Bild: SWR)Orang-Utans sind im Vergleich zu anderen Menschenaffen relativ scheu und leben zurückgezogen. Aber wie ihre afrikanischen Verwandten sind sie tagaktiv.
Der Name "Orang-Utan" kommt aus der malaiischen Sprache und bedeutet auf Deutsch "Waldmenschen" - ein Hinweis, dass Orang-Utans nur im Wald vorkommen.
Sie sind von allen Menschenaffen die einzigen richtigen Baumbewohner.
Schimpansen und Gorillas leben sowohl auf dem Boden als auch auf Bäumen. Orang-Utans sind dagegen perfekte Kletterer, die fast ihre ganze Zeit auf Urwaldbäumen verbringen und sich elegant von einem Baum zum anderen schwingen.
Ein Sumatra Orang-Utan sitzt auf einer Holzkonstruktion im Geäst (Bild: SWR)Nachts bauen sie aus Zweigen und Blättern Baumnester. Diese Nester können bis zu einem Meter Durchmesser haben.
Auf dem Boden sieht man sie nur selten, und wenn, dann stützen sie sich dort nicht wie Gorillas oder Schimpansen auf die Knöchel der Hände, sondern auf die Handflächen oder Fäuste.
Und auch das Wasser ist nicht ihr Element: Orang-Utans können wie alle Menschenaffen und wie wir Menschen von Natur aus nicht schwimmen.
Zwei Sumatra Orang-Utans beim Klettern (Bild: SWR)Deshalb kommt es immer wieder vor, das Orang-Utans ertrinken. Weil sie aber sehr intelligent sind und vieles nachahmen, können sie durchaus schwimmen lernen.
Noch etwas unterscheidet die Orangs von anderen Menschenaffen: Sie leben nicht in Gruppen, sind aber auch keine richtigen Einzelgänger. Weibchen und ihre Jungen leben zusammen, gelegentlich gesellt sich auch ein Männchen zu ihnen. Andere erwachsene Orang-Utans ziehen zwar oft alleine umher, manchmal aber auch zu zweit.

Vor allem Weibchen suchen ab und zu die Gesellschaft anderer Tiere, die Männchen reagieren eher feindselig, wenn sie einander begegnen.
Eine Gruppe Sumatra Orang-Utans essen eine Frucht (Bild: SWR)Genau ist das Familienleben und Sozialverhalten der Orang-Utans aber noch nicht bekannt - man weiß einfach noch zu wenig über diese Waldbewohner.
Forscher haben entdeckt, dass vor allem im Rang höher stehende Orang-Utans ein Revier haben, in dem sie täglich auf Futtersuche gehen, rangniedere Tiere ziehen dagegen umher. Manche halten sich einige Monate in einem Gebiet auf, wandern weiter und kehren immer wieder zu den gleichen Gebieten zurück, andere - vor allem junge Männchen - wandern ständig umher.
Freunde und Feinde
Vor allem Raubtiere können den Orang-Utans gefährlich werden. Die größte Bedrohung geschieht jedoch durch die Abholzung der Wälder und die Zerstörung ihres Lebensraums. Außerdem werden Orang-Utans immer noch gejagt, und vor allem Jungtiere werden sogar als Haustiere verkauft - auch wenn dies streng verboten ist.
Nachwuchs
Orang-Utans pflanzen sich das ganze Jahr über fort. Acht bis neun Monate nach der Paarung kommt ein Junge zur Welt.
Junger Sumatra Orang-Utan (Bild: SWR)Die Babys wiegen 1,5 bis 2 Kilogramm. Sie sind ganz auf die Fürsorge der Mutter angewiesen: Sie klammern sich an ihr Fell, werden von ihr umhergetragen, gestillt und mit zerkauter Nahrung gefüttert. Und natürlich schlafen sie mit ihr im Baumnest.
Erst ab einem Alter von etwa zwei Jahren beginnen sie, die Welt um sich herum zu entdecken und lernen klettern. Allerdings bleiben sie zunächst immer nahe bei der Mutter.
Junge Orangs werden erst mit fünf bis acht Jahren langsam selbstständig.
Sprache
Zwei Sumatra Orang-Utans spielen (Bild: SWR)Über die Mimik, die Körpersprache und die Laute der Orang-Utans weiß man noch wenig. Die durch den Kehlsack sehr lauten Rufe der Männchen sind jedoch nicht zu überhören.
Mit ihnen zeigen sie anderen Männchen: Das ist mein Revier! Und sie versuchen, mit ihren Rufen Weibchen anzulocken.
Autorin: Barbara Kiesewetter