SWR Kindernetz
ProgrammvorschauPodcast

Tierlexikon für Kinder - Archiv

Regenwürmer

Alltag
Ein Regenwurm kackt (Bild: SWR)Regenwürmer sind überwiegend nachtaktiv. Am Tag findet man sie meist nur, wenn es stark geregnet hat. Oft kann man die Tiere auch anhand der kleinen ringelartigen Kotbällchen entdecken, die sie auf der Bodenoberfläche hinterlassen. Dank ihrer Ring- und Längsmuskulatur sowie ihrer Borsten, mit denen sie sich im Boden festhaken, können sich Regenwärmer gut durch den Boden graben und genauso gut vorwärts wie rückwärts kriechen. Dabei ziehen sie die Ring- und Längsmuskulatur zusammen und strecken sich dann wieder.
Ein Regenwurm (Bild: SWR)Durch ihre Grabetätigkeit entstehen im Boden Röhren, die mit Schleim und Exkrementen ausgekleidet und stabilisiert werden. Die Röhren können bis zu 20 Meter lang sein und drei Meter oder mehr in den Boden reichen. So sorgen Regenwürmer für eine Durchlüftung des Bodens und transportieren Nährstoffe von unten nach oben. Zum anderen nehmen sie die oft sauren Stoffe des Bodens auf und neutralisieren sie durch ihre Verdauung. Und sie fressen Pflanzenteile und scheiden sie als nährstoffreichen Kot wieder aus – sie verwandeln die Pflanzenreste in kostbaren Humus. Auf diese Weise düngen sie den Boden.
Bei manchen Regenwürmern ist ein Teil des Körpers heller gefärbt . Dies liegt an einer speziellen Fähigkeit: Regenwürmer können sich sehr gut regenerieren. Wird das Hinterende des Wurms von einem Vogel mit dem Schnabel abgetrennt, wächst es wieder nach. Dieses Stück ist aber heller gefärbt und etwas dünner als der übrige Wurm. Am besten funktioniert die Regeneration, wenn die ersten 40 Körpersegmente erhalten bleiben. Fehlen mehr Segmente – oder die mit dem Kopf und dem Nervenzentrum – kann sich der Wurm nicht regenerieren. Teilt man einen Regenwurm in der Mitte , entstehen also nicht zwei neue Würmer.
Ein Regenwurm wird gefressen (Bild: SWR)Diese Regenerationsfähigkeit hat für die Würmer einen großen Vorteil: Packt sie ein Vogel, können sie aktiv einige Segmente abschnüren. Diese bleiben dann im Vogelschnabel, während der restliche Wurm die Flucht ergreifen kann. Bildet der Wurm dann einen Teil seines Körpers neu, verfällt er in eine sogenannte Körperstarre. Dies machen sich Feinde wie zum Beispiel Maulwürfe zunutze, indem sie die vordersten Segmente des Wurms abbeißen und die in der Folge unbeweglichen Würmer als lebenden Vorrat aufbewahren.
Den Winter verbringen Regenwürmer im Boden in etwa 40 bis 80 Zentimeter Tiefe in einer Art Kältestarre. Wenn es im Sommer sehr heiß und der Boden sehr trocken ist, vergraben sich in tieferen Erdschichten.
Freunde und Feinde
Regenwürmer haben zahlreiche Feinde: Vögel wie Stare, Drosseln aber auch Möwen und Krähen und viele mehr fressen sie. Auch bei Mardern, Maulwürfen, Igeln, Mäusen, Kröten und Fröschen stehen sie auf dem Speiseplan. Sogar Hundertfüßer und Ameisen und Laufkäfer fressen Regenwürmer.
Nachwuchs
Regenwürmer sind Zwitter, sie haben weibliche und männliche Geschlechtsorgane. Jeder Wurm besitzt am 10. und 11. Segment Hoden, die männliche Samenzellen produzieren. Im 13. und 14. Segment liegen die weiblichen Geschlechtsorgane – die Eileiter und die Eileiteröffnungen. Zwischen dem 9. und 10. Segment befinden sich die Samentaschen, in denen der Wurm bei der Paarung die Spermien des Partners aufnimmt. Mit ein bis zwei Jahren sind Regenwürmer geschlechtsreif. Zu sehen ist das am sogenannten Gürtel, dem Clitellum. Es ist eine helle Verdickung zwischen dem 27 und 35. Segment.
Wenn sich zwei paarungsbereite Regenwürmer treffen, legen sie sich so aneinander, dass der Kopf jeweils zum Schwanzende des Partners zeigt. Dann scheiden die Drüsen des Gürtels ein Sekret aus, mit dem sich die Würmer aneinander festheften. Anschließend scheidet jeder Wurm Spermien aus, die in den Samentaschen des Partners gespeichert werden. Nun entsteht am Gürtel ein Schleimring, aus dem der Würmer sich langsam herausziehen. Dabei passiert der Ring die Samentaschen und die Eier werden befruchtet.
Schließlich streift der Wurm den Schleimring ganz ab, und dieser bleibt als Kokon mit den Eiern im Boden zurück. Die Entwicklung der Würmer dauert je nach Art und Temperatur unterschiedlich lang: Beim Gemeinen Regenwurm schlüpfen die jungen Würmer bei 12 Grad Celsius nach etwa 135 Tagen. Die Entwicklung kann sich auch über den Winter erstrecken. Die jungen Würmer schlüpfen dann, sobald die Bodentemperatur über zehn Grad Celsius liegt. Beim Kompostwurm schlüpfen die jungen Würmer bei 20 bis 25 Grad Celsius schon nach 16 bis 20 Tagen.
Autorin: Barbara Kiesewetter