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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Rentier

Alltag
Rentiere leben in Herden  (Bild: SWR)
Rentiere leben in großen Herden, die einige hundert Tiere - im Extremfall in Kanada bis zu 40.000 Tiere - zählen können.

Weil sie in einer Klimaregion leben, in der viele Monate lang Schnee und Eis liegen, müssen sie rund ums Jahr große Wanderungen machen, um genug Futter zu finden.

Dabei legen sie manchmal bis zu 1000 Kilometer zurück und überqueren auch große Flüsse, denn Rentiere können auch gut schwimmen. Jede Herde wird von einem Leittier geführt.

Diese Wanderungen haben aber noch einen anderen sehr wichtigen Grund: Im Sommer gibt es in der Heimat der Rentiere vor allem in den feuchten, tieferen Gebieten Milliarden von Stechmücken, die die Rentiere quälen und pieksen. Die Rentiere entziehen sich diesen Plagegeistern, indem sie im Sommer in die Bergregionen ziehen, wo es weniger Mücken gibt.
Fell eines Rentiers  (Bild: SWR)
Damit sie die große Kälte im nordischen Winter aushalten, haben Rentiere ein viel dichteres Fell als andere Hirsche:

Auf einem Quadratzentimeter Haut wachsen dreimal soviel Haare wie bei unseren Hirschen. Außerdem sind die Haare hohl und mit Luft gefüllt. So bildet das Fell eine perfekte Isolierschicht.
Die Vorderläufe eines Rentier (Bild: SWR)
Typisch für eine Rentierherde sind die knackenden Geräusche, die die Sehnen der Fußgelenke beim Gehen erzeugen.

Rentiere können ihre Hufe weit spreizen. Außerdem sitzen zwischen den Zehen Spannhäute. So sinken die Tiere kaum ein und können auch im Schnee oder im weichen, moorigen Boden gut laufen.
Das Geweih dient den Männchen dazu, Rangordnungskämpfe auszutragen, wenn sie sich zur Paarungszeit um die Weibchen streiten. Warum die Weibchen ebenfalls ein Geweih tragen, ist nicht bekannt.

Für die Samen in Nordskandinavien und für viele andere Völker in Nordasien und Nordamerika sind Rentiere die Lebensgrundlage. Die Samen zum Beispiel halten große Rentier-Herden und ziehen mit diesen Herden durch die Berge und Wälder von Nordschweden, Nordnorwegen und Finnland. Sie leben vom Fleisch dieser Tiere. In früherer Zeit nutzten sie die Felle für Zelte und für die Kleidung. Außerdem werden die Tiere auch als Trag- und Zugtiere verwendet.
Zwei Rentiere beim Fressen  (Bild: SWR)
Heute werden die Herden von den wenigen Rentier-Hirten, die es noch gibt, oft vom Helikopter aus aufgespürt und in die tieferen Regionen getrieben. Die nordeuropäischen Rentiere sind, im Gegensatz zu den nordamerikanischen Karibus, zahm und an den Menschen gewöhnt.

Bei uns sind Rentiere untrennbar mit dem Gedanken an Weihnachten verbunden: Sie gelten als die Zugtiere des Schlittens vom Weihnachtsmann.
Freunde und Feinde
Vor allem für junge, kranke oder alte Rentiere können Wölfe und andere Raubtiere wie der Vielfraß, Fuchs, Luchs oder Greifvögel gefährlich werden. Der größte Feind ist aber der Mensch, der diese Tiere vor allem in Nordamerika stark gejagt hat.
Nachwuchs
Brunftzeit ist, je nach Region, von August bis Anfang November. Dann kämpfen die Rentier-Männchen mit ihren Rivalen und versuchen, möglichst viele Weibchen zu erobern.
Junges Rentier  (Bild: SWR)
192 bis 246 Tage nach der Paarung, etwa Mitte Mai, kommt meist ein Junges zu Welt. Seltener sind es zwei Junge.

Je früher ein Kalb geboren wird, umso besser kann es gedeihen: Dann hat es mehr Zeit, um bis zum Beginn des Winters zu wachsen und groß und stark zu werden. Geschlechtsreif werden die Tiere mit etwa eineinhalb Jahren.
Sprache
In der Brunftzeit geben die männlichen Rentiere orgelnde bis grunzende Laute von sich.
Autorin: Barbara Kiesewetter