OLIs Wilde Welt
Eine Ringelnatter züngelt mit ihrer gespaltenen Zunge (Bild: picture alliance / dpa)

Ringelnatter


Natrix natrix

Die Ringelnatter ist unsere häufigste einheimische Schlange. Das Reptil mit den zwei typischen halbmondförmigen hellen Flecken hinter dem Kopf ist für Menschen völlig harmlos.
Aussehen
Eine Gruppe von Ringelnattern auf Baumstämmen (Bild: SWR)
Ringelnattern gehören zur Familie der Nattern und damit zu den Kriechtieren oder Reptilien.

Die Männchen werden bis zu einem Meter lang. Die Weibchen erreichen eine Länge von bis zu 130 Zentimetern, manche sogar bis zu zwei Metern, außerdem sind sie sehr viel dicker als die Männchen.
Ringelnattern sind sehr verschieden gefärbt: Ihr Körper kann rotbraun, schiefergrau oder olivfarben sein und dunkle Längsstreifen oder Flecken besitzen, ab und zu gibt es auch ganz schwarze Tiere.

Eine aufgerichtete Ringelnatter (Bild: SWR)
Der Bauch ist weißgrau bis gelblich und gefleckt.
Das typische Merkmal sind zwei gelbliche bis weiße halbmondförmige Flecken hinter dem Kopf. Der Kopf selbst ist fast schwarz. Die Pupillen der Augen sind, wie bei allen Nattern, rund.
Um wachsen zu können, müssen sich Ringelnattern wie alle Reptilien regelmäßig häuten.
Heimat
Ringelnattern haben ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Sie sind in ganz Europa, in Nordafrika und in Westasien zu finden. Dort kommen sie vom Flachland bis in 2000 Meter Höhe vor. In sehr kühlen Gebieten Skandinaviens und Irland fehlen sie allerdings.
Lebensraum
Eine Ringelnatter kriecht durch das Dickicht (Bild: SWR)
Ringelnattern mögen Wasser: Sie leben an Weihern, Tümpeln, auf feuchten Wiesen und in langsam fließenden Gewässern.

Die Gewässer müssen aber von üppigen Pflanzen umgeben sein, damit die Schlangen sich verstecken können.

Auch alte Bäume sind wichtig, in deren großen Wurzeln die Ringelnattern kleine Höhlen für die Eiablage und zum Überwintern finden.
Rassen und Arten
Weil Ringelnattern ein so großes Verbreitungsgebiet haben, gibt es auch mehrere Unterarten. Sie unterscheiden sich vor allem in der Färbung und in der Größe.
Die Gewöhnliche Ringelnatter lebt östlich der Elbe und bis Skandinavien und Westrussland. Die Barrenringelnatter kommt im westlichen Europa und in Norditalien vor. Die Spanische Ringelnatter ist auf der iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika zu finden, die Streifenringelnatter auf dem Balkan bis Kleinasien und zum Kaspischen Meer. Die Russische Ringelnatter lebt in Russland, die Sizilianische auf Sizilien. Auf den Inseln Korsika und Sardinien und einigen griechischen Inseln gibt es weitere Unterarten.
Lebenserwartung
Ringelnattern können in der Natur 20 bis 25 Jahre alt werden.
Alltag
Kopf einer Ringelnatter mit großen, runden Augen (Bild: SWR)
Ringelnattern sind nicht giftig und für den Menschen harmlos. Sie sind meist am Tag aktiv. Weil sie wechselwarm sind, ist ihre Körpertemperatur nicht immer gleich, sondern von der Temperatur der Umgebung abhängig. Sie beginnen den Tag deshalb mit einem Sonnenbad, um sich aufzuwärmen. Abends kriechen sie in ein Versteck, wo sie die Nacht verbringen.
Ringelnattern können sehr gut schwimmen und tauchen. Beim Schwimmen heben sie den Kopf leicht aus dem Wasser.
Eine Ringelnatter auf einem Stein (Bild: SWR)
Ringelnattern sind sehr scheue Tiere. Wenn sie gestört werden, verhalten sie sich ganz unterschiedlich. Manchmal bewegen sie sich nicht mehr und verharren ganz still.

Meist fliehen sie jedoch, indem sie schnell und lautlos ins Wasser gleiten oder ein Versteck zwischen Steinen, Büschen oder Baumstämmen aufsuchen.
Fühlen sie sich bedroht und können nicht fliehen, gehen Ringelnattern in Angriffsstellung. Dabei liegen sie zusammengerollt auf dem Boden und bilden mit dem Hals ein "S".

Ringelnatter mit aufgerichtetem Vorderkörper (Bild: SWR)
Dann stoßen sie mit dem Kopf zischend Richtung Angreifer. Sie beißen jedoch nicht, sondern drohten nur. Ringelnattern können aber auch wie eine Kobra den Vorderkörper aufrichten. Auch dabei zischen sie und stoßen mit dem Kopf Richtung Angreifer.
Eine andere Reaktion auf eine bedrohliche Lage ist Totstellen: Dabei drehen sie sich auf den Rücken, werden ganz schlaff und lassen die Zunge aus dem Maul hängen. Aus der Kloake geben sie außerdem oft eine übel riechende Flüssigkeit ab.
Eine Gruppe Ringelnattern (Bild: SWR)
Den Winter verbringen Ringelnattern in kleinen Gruppen in einem Versteck, das sie vor der Kälte schützt.
Das kann ein großer Wurzelstock, ein Laub- oder Komposthaufen oder eine Erdhöhle sein. Sie befinden sich dann in der so genannten Winterstarre.
Erst im April, wenn es für sie warm genug ist, kommen sie wieder aus ihrem Versteck hervor.
Freunde und Feinde
Greifvögel, Graureiher, Fuchs, Wiesel aber auch Katzen können Ringelnattern gefährlich werden. Vor allem die jungen Ringelnattern haben viele Feinde. Die Schlangen versuchen aber, sich zu schützen, indem sie eine übel riechende Flüssigkeit absondern, wenn sie angegriffen werden.
Nachwuchs
Ringelnattern paaren sich im Frühjahr nach der ersten Häutung. Dazu versammeln sich manchmal bis zu 60 Tiere an einem Platz. Die Männchen sind immer in der Überzahl. Die Eier werden von Juli bis August an einen warmen Platz wie etwa einem Komposthaufen oder alten Baumstumpf abgelegt, ein Weibchen legt dabei zwischen zehn und 40 Eier.
Die jungen Ringelnattern schlüpfen im frühen Herbst. Sie sind nur zwölf Zentimeter lang und wiegen gerade mal drei Gramm.

Die Baby-Schlangen bleiben zunächst in ihrem Gelege beisammen und verbringen dort den Winter. Mit etwa vier Jahren werden sie geschlechtsreif.
Ernährung
Eine Ringelnatter packt sich einen Fisch (Bild: SWR)
Ringelnattern fressen vor allem Frösche, Molche, Kröten und Fische. Aber auch Eidechsen und Mäuse stehen auf ihrem Speiseplan. Sie nehmen nur lebende Beute an, die sich noch bewegt.

Junge Ringelnattern verzehren kleinere Beutetiere wie Regenwürmer oder Kaulquappen oder kleine Fische.
Die Ringelnatter verschlingt den Fisch (Bild: SWR)
Ringelnattern können ihre Beute mit dem Geruchsorgan auf ihrer Zunge riechen. Durch züngeln nähern sie sich immer mehr der Beute an und stoßen schließlich blitzschnell zu. Große Beutetiere werden mit dem Körper umwickelt. Haben sie ihre Beute überwältigt, wird sie im Ganzen lebend verschlungen.
Ringelnattern haben einen großen Appetit: In jeder Saison fressen sie ungefähr fünfmal soviel wie sie selber wiegen.