OLIs Wilde Welt
Ein Rothirsch steht auf schneebedecktem Boden (Bild: picture alliance / dpa)

Rothirsch


Cervus elaphus

Mit ihrem großen Geweih sehen sie richtig majestätisch aus; deshalb werden die Rothirsche oft auch als "Könige der Wälder" bezeichnet.
Aussehen
alter Rothirsch mit Geweih (Bild: SWR)
Rothirsche gehören zur Familie der Hirsche und sind so genannte Stirnwaffenträger. Dieser gefährlich klingende Name bezieht sich auf das typischste Merkmal dieser harmlosen Säugetiere: auf das gewaltige Geweih der Männchen, mit dem sie zur Paarungszeit ihre Konkurrenten einschüchtern und ihr Revier verteidigen.
Das Geweih kann ziemlich verschieden aussehen. Bei den mitteleuropäischen Hirschen besteht es aus zwei Stangen, die aus dem Stirnknochen wachsen und von denen meist bis zu drei nach vorn gerichtete Enden abzweigen.

Am Ende des Geweihs können wiederum mehrere Seitensprosse abzweigen, so dass eine Krone entsteht.
Rothirsche im Schnee (Bild: SWR)
Je älter ein Hirsch ist, umso mehr ist sein Geweih verzweigt. Mit ihrem Geweih tragen die Hirsche eine ganz schöne Last herum: Es wiegt etwa sechs Kilogramm, bei sehr alten Hirschen sogar bis zu 15 oder 25 Kilogramm.
Der Name Rothirsch kommt daher, dass das Fell dieser Tiere im Sommer kräftig rotbraun gefärbt ist. Im Winter sind sie dagegen graubraun.

Am Po tragen sie unter dem Schwanz einen großen weißen oder gelblichen Fleck, den so genannten Spiegel.

Der Schwanz selbst ist oben dunkel und unten weiß gefärbt.
Hirschkühe (Bild: SWR)
Rothirsche sind bei uns die größten Säugetiere: Sie messen vom Kopf bis zum Po 1,6 bis 2,5 Meter, haben 1 bis 1,5 Meter Rückenhöhe, der kleine Schwanz ist 12 bis 15 Zentimeter lang und sie wiegen zwischen 90 und 350 Kilogramm.

Hirsche können je nach Geschlecht und Lebensraum unterschiedlich groß sein: Die Männchen sind viel größer als die Weibchen und tragen im Herbst und Winter eine lange Halsmähne.

Außerdem sind die Hirsche in Mittel- und Osteuropa sehr viel größer als zum Beispiel Hirsche in Nordeuropa oder auf der italienischen Insel Sardinien.
Heimat
Rothirsche gibt es in Europa, Nordamerika, Nordwestafrika und im nördlichen Asien. Weil sie stark gejagt wurden und ihr Lebensraum - die großen Wälder - immer mehr zerstört werden, leben sie heute nicht mehr überall, sondern nur noch in einigen Regionen. In manchen Gegenden wurde auch versucht, Rothirsche wieder anzusiedeln: zum Beispiel in Finnland, Osteuropa und Marokko. In anderen Regionen, wo sie ursprünglich nicht zu Hause waren, wurden sie ebenfalls ausgesetzt, wie etwa in Australien, Neuseeland und Argentinien.
Lebensraum
Rothirsche brauchen große, ausgedehnte Wälder mit Lichtungen, um sich wohl zu fühlen. Sie kommen aber auch in Gebirgswäldern sowie in Heide- und Moorgebieten vor. Rothirsche meiden den Menschen.
Rassen und Arten
Vom Rothirsch gibt es etwa 23 verschiedene Unter-Arten, die in den verschiedenen Regionen rund um die Welt vorkommen. Sie alle gehören aber zu den Rothirschen. Die größte Unter-Art ist der nordamerikanische Wapitihirsch.
Nah mit dem Rothirsch verwandt sind der Sikahirsch aus Asien, der Damhirsch mit dem weiß getupften Fell, der aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien stammt und in Europa angesiedelt wurde, sowie der amerikanische Weißwedelhirsch, der ebenfalls in einigen Gebieten Europas angesiedelt wurde.
Lebenserwartung
Rothirsche werden bis zu 20 Jahre alt.
Alltag
Rothirsche in der Wildnis (Bild: SWR)
Hirsche werden erst gegen Abend in der Dämmerung aktiv. Früher war das jedoch anders: da waren die Hirsche am Tag unterwegs. Weil sie vom Menschen stark gejagt wurden, halten sie sich am Tag meist versteckt. Erst in der Abenddämmerung kommen sie zum Fressen hervor.
Weibchen und Männchen leben meist getrennt. Die Weibchen leben zusammen mit den Jungtieren in Rudeln und werden von einer alten Hirschkuh angeführt. Die Männchen ziehen entweder als Einzelgänger durch die Wälder oder tun sich zu kleinen Gruppen zusammen.

Wer weiß, wo Hirsche in einem Waldgebiet leben, kann sie ziemlich leicht beobachten, weil sie immer wieder die gleichen Wege benutzen. Solche Wege werden Wechsel genannt.

Rothirsche sind nicht nur gute Läufer, sondern können auch prima springen und schwimmen. Feinde entdecken sie meist schon von weitem, weil sie gut hören, sehen und riechen können.

Gruppe von Rothirschen (Bild: SWR)
Wundert euch nicht, wenn ihr einmal Hirsche ohne Geweih seht: Erstens tragen bei den Rothirschen nur die Männchen Geweihe, und zweitens werfen die Männchen zwischen Februar und April ihr altes Geweih ab. Das könnt ihr mit viel Glück sogar im Wald finden.
Bis Ende August ist dann das neue Geweih nachgewachsen. Es ist zunächst noch von einer Haut, dem so genannten Bast bedeckt, den die Hirsche nach und nach abstreifen, indem sie das Geweih an Baumstämmen reiben.
Freunde und Feinde
Wölfe und Braunbären können den Rothirschen gefährlich werden, Jungtiere können auch Luchsen, Füchsen oder Steinadlern zum Opfer fallen. Bei uns haben Hirsche aber kaum Feinde, weil es so gut wie keine großen Raubtiere mehr gibt.
Nachwuchs
ein Rothirsch röhrt (Bild: SWR)
Im Herbst, im September und im Oktober ist Paarungs- oder Brunftzeit bei den Hirschen.

Dann wird es richtig laut: Die Männchen ziehen nicht mehr in ihren Gruppen, sondern alleine herum und lassen ihre lauten, röhrenden Rufe hören.

Damit wollen sie den anderen Hirschen sagen: "Dieses Revier gehört mir!" Außerdem locken sie mit ihren Rufen die Weibchen an.
Kampf unter zwei jungen Hirschen (Bild: SWR)
Diese Zeit bedeutet für die Hirsch-Männer Stress: Sie fressen kaum und oft kommt es zu Kämpfen zwischen zwei Männchen. Mit gegeneinander gedrückten Geweihen testen sie, wer der Stärkere ist. Der Sieger schart schließlich ein ganzes Rudel von Hirschkühen um sich. Die schwächeren Hirsche bleiben ohne Weibchen.

Nach einem Monat herrscht wieder Ruhe, und knapp acht Monate nach der Paarung kommen die Jungen zur Welt, meist ist es eines, ganz selten sind es zwei. Ihr Fell ist hell gefleckt und sie wiegen elf bis 14 Kilogramm. Schon nach ein paar Stunden können sie auf wackeligen Beinen der Mutter folgen.
Hirschmutter mit jungem Rothirsch (Bild: SWR)
In den ersten Monaten werden sie gesäugt und bleiben meist bei ihr, bis das nächste Kalb geboren wird. Erst mit zwei oder drei Jahren sind Hirsche erwachsen und geschlechtsreif.

Ganz ausgewachsen sind sie mit vier Jahren.

Der weibliche Nachwuchs bleibt meist im Rudel der Mutter, die männlichen Jungtiere verlassen im Alter von zwei Jahren das Rudel und schließen sich anderen männlichen Hirschen an.
Sprache
Bei Gefahr geben Hirsche bellende, grunzende oder brummende Laute von sich. Zur Brunftzeit lassen die Männchen ein lautes Röhren hören, das durch Mark und Bein geht. Die Jungen können blöken und quietschen.
Ernährung
Hirschkuh bei der Nahrungsaufnahme (Bild: SWR)
Rothirsche sind reine Vegetarier. Sie futtern Gräser, Blätter von Bäumen, Kräuter, die Triebe von Nadelbäumen, Pilze, Beeren, Früchte, Eicheln, Flechten und auch Baumrinde.
Wenn es in einer Gegend zu viele Hirsche gibt, kann das zum Problem werden: Mit ihrem Appetit auf saftige junge Baumtriebe können Hirsche Bäume zerstören.