OLIs Wilde Welt
Ein Rotmilan am Himmel (Bild: picture alliance / dpa)

Rotmilan


Milvus milvus

Der Rotmilan gehört zu den bekanntesten Greifvögeln, weil er oft in der Nähe besiedelter Gebiete lebt. Früher wurde er auch Gabelweihe genannt, da er einen tief gegabelten Schwanz besitzt.
Aussehen
Federn eines Rotmilans (Bild: SWR)
Der Rotmilan ist ein eleganter Greifvogel:

Seine Flügel sind lang, sein Gefieder ist rostfarben, die Flügelspitzen sind schwärzlich und die Flügel-Unterseiten im vorderen Teil sind hell.

Der Kopf ist hellgrau oder grauweiß.
fliegender Rotmilan (Bild: SWR)
Rotmilane werden 60 bis 66 Zentimeter lang. Ihre Flügelspannweite beträgt zwischen 175 und 195 Zentimetern.
Männchen wiegen zwischen 0,7 und 1,3 Kilogramm, Weibchen etwa 0,9 bis 1,6 Kilogramm.
An ihrem gegabelten Schwanz und den im Flug oft angewinkelten Flügeln sind sie auch aus großer Entfernung leicht zu erkennen.
Heimat
Die Heimat des Rotmilans ist vor allem Mitteleuropa. Er kommt aber auch in Großbritannien und von Frankreich bis Spanien und Nordafrika vor sowie in Skandinavien und in Osteuropa. Der größte Teil der Milane lebt in Deutschland; hier vor allem in Sachsen-Anhalt.
Lebensraum
Rotmilan (Bild: SWR)
Der Rotmilan lebt vor allem in Landschaften mit Wäldern, an Waldrändern in der Nähe von Feldern sowie am Rand von Siedlungen.
Er bevorzugt Gebiete, die in der Nähe eines Gewässers liegen. Manchmal tauchen Rotmilane heute sogar in Großstädten auf. Die schönen Greifvögel meiden Gebirge und Mittel-Gebirge.
Rassen und Arten
sitzender Rotmilan (Bild: SWR)
Nah mit dem Rotmilan verwandt ist der Schwarzmilan. Er lebt im selben Verbreitungsgebiet wie der Rotmilan, kommt aber zusätzlich auch im südlichen Afrika und von Asien bis Nordaustralien vor. Er lebt bei uns immer in Wasser-Nähe, in den Tropen auch in Städten und Dörfern.

Beide Arten lassen sich gut voneinander unterscheiden: Der Rotmilan hat eine viel auffälligere Zeichnung, besitzt einen längeren Schwanz und hat größere Flügel als der Schwarzmilan.

Neben diesen beiden Arten gibt es noch die Schneckenweihe in Amerika, die Brahminenweihe, den Ägyptischen Schmarotzermilan und den Sibirischen Schwarzmilan.
Lebenserwartung
Rotmilane werden vermutlich bis zu 25 Jahre alt. In Gefangenschaft erreichte ein Vogel sogar ein Alter von 33 Jahren. Andere Quellen berichten von einem Rotmilan, der sogar ein Alter von 38 Jahren erreicht haben soll.
Alltag
Rotmilan (Bild: SWR)
Ursprünglich sind Rotmilane Zugvögel, die im Winter in wärmere Gebiete in den Mittelmeerraum ziehen.

Seit etwa 50 Jahren bleiben aber immer mehr Tiere auch in der kalten Jahreszeit bei uns, weil sie hier leichter Nahrung finden - zum Beispiel Essens-Reste, die sie auf Müllkippen suchen.

Während sie im Sommer paarweise leben, gesellen sie sich im Winter oft zu größeren Gruppen zusammen, die gemeinsam an so genannten Winterschlafplätzen übernachten.
fliegender Rotmilan (Bild: SWR)
Rotmilane sind geschickte Flieger. Mit langsamen Flügelschlägen gleiten sie durch die Luft. Dabei schwenken und drehen sie oft ihren Schwanz, den sie als Steuer benutzen.

Rotmilane legen Strecken von bis zu zwölf Kilometern zurück, wenn sie nach Beute suchen.

Sie haben ungewöhnlich große Territorien von 2000 bis 3000 Hektar, über denen sie bei ihren Jagdflügen kreisen.
Freunde und Feinde
Da Rotmilane so geschickte Flieger sind, haben sie kaum natürliche Feinde.
Jagd
Rotmilane sind gute Jäger. Größere Beutetiere töten sie mit einem heftigen Hieb ihres Schnabels auf den Kopf.
Nachwuchs
Rotmilane bauen ihre Nester hoch oben in Laub- und Nadelbäumen. Meist bauen sie selbst, manchmal ziehen sie aber auch in Nester anderer Vögel ein, zum Beispiel Bussard- oder Krähen-Nester.
Bei der Innen-Ausstattung sind sie nicht wählerisch, das Nest wird mit allem ausgepolstert, was ihnen in den Schnabel kommt: Von Plastiktüten, Stoff-Fetzen, Papier und Fellresten bis zu Stroh wird alles verwendet. Ungefährlich ist das nicht: Manchmal verheddern sich die Jungen in Schnüren oder Fasern, können sich nicht befreien und sterben dann.
Rotmilan im Flug (Bild: SWR)
Vor der Paarung vollführen Rotmilane besonders schöne Balzflüge: Erst kreisen sie in großer Höhe, dann lassen sie sich im Sturzflug auf das Nest hinunter fallen.

Gebrütet wird bei den Rotmilanen meist etwa Anfang Mai. Das Weibchen legt zwei bis drei Eier, selten sind es mehr.

Jedes Ei wiegt etwa 60 Gramm und ist 45 bis 56 Millimeter groß. Die Eier können sehr verschieden gefärbt sein. Von weiß über rötlich bis braunviolett gepunktet.
Sowohl Männchen als auch Weibchen brüten abwechselnd.

Nach 28 bis 32 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie bleiben 45 bis 50 Tage im Nest. In den ersten zwei Wochen bringt meist das Männchen die Nahrung, während das Weibchen die Jungen bewacht, danach werden die Kleinen von beiden Eltern mit Futter versorgt. Nach der Zeit im Nest halten sich die Jungen noch etwa ein bis zwei Wochen auf Ästen in der Nähe des Nestes auf, bevor sie richtig flügge werden. Wenn sie nicht bei uns bleiben, ziehen sie anschließend gemeinsam in ihr Winterquartier im Süden.
Sprache
Rotmilane rufen "wiiuu" oder "djh wiu wiuu".
Ernährung
Rotmilan (Bild: SWR)
Rotmilane haben einen abwechslungsreichen Speiseplan: Dazu gehören viele kleine Säugetiere von der Maus bis zum Feldhamster, aber auch Vögel, Fische, Reptilien und Frösche, Regenwürmer, Insekten und Aas.

Manchmal jagen sie auch anderen Greifvögeln die Beute ab.
Haltung
Manchmal werden Rotmilane in Falknereien gehalten und für die Jagd abgerichtet.